Johannismühle Flensburg : Leises Hoffen auf die Sanierung

Die Johannismühle nach jahrelangem Warten auf die Sanierung: Flügel weg, Kappe weg, Galerie weg, Löcher im Schindelbelag.
Die Johannismühle nach jahrelangem Warten auf die Sanierung: Flügel weg, Kappe weg, Galerie weg, Löcher im Schindelbelag.

An der Johannismühle sollen jetzt nach jahrelangem Stillstand der Neubau der Galerie und der Ersatz des Wetterschutzes angepackt werden

shz.de von
31. August 2017, 08:19 Uhr

Wiedervorlage – so heißt in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik oder bei der Justiz die Strategie, eine Akte vor dem Vergessen zu bewahren. Die Tageblatt-Redaktion holt sich öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, das heißt, sie fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: die Sanierung der Johannismühle.

Langsam, ganz langsam kommt die Sanierung der Johannismühle voran. Die zweite noch vorhandene Mühle in der einstigen Stadt der Mühlen hat in ihrem heutigen Zustand etwas von einem gerupften Huhn. Besitzer Hans-Werner Urbschat will jetzt die nächsten Schritte zur Restaurierung gehen. Zuvor seien allerdings noch Anforderungen der Stadtverwaltung zu erfüllen.

So ist nach den Worten Urbschats jetzt die Zufahrt von der Straße Adelbylund hinauf aufs Mühlengrundstück zu vermessen, um gegenüber der Bauaufsicht zu belegen, dass Feuerwehr-Fahrzeuge im Notfall an die Mühle heranfahren können.

Dann steht nach übereinstimmenden Aussagen von Hans-Werner Urbschat und Henrik Gram von der Flensburger Denkmalpflege die Erteilung der Baugenehmigung für die Galerie der Mühle bevor. „Das wird eine schöne Aufgabe für den Mühlenbauer,“ kündigt Urbschat an.

Die letzten Gespräche um die Erhaltung des Mühlengebäudes drehten sich um die Erneuerung der Außenhaut, von der ganz wesentlich der Schutz des hölzernen Gebäudes vor Wind und Wetter abhängt. Hier seien Schritt für Schritt zu tun, erläutert Henrik Gram. Ist erst die Galerie, die dem Galerieholländer den Namen gab, wieder montiert, haben die Handwerker die Möglichkeit, von außen in die Höhe zu kommen und die Erneuerung der Schindeln anzupacken.

Diese Schindeln auf der Außenwand des achteckigen Oberbau sind aus Eiche und haben sehr lange Wind und Regen Widerstand geleistet. Aber irgendwann ist Schluss, dann verrottet auch Eichenholz. Etliche Löcher in der Abdeckung belegen, dass Schindeln den Abflug gemacht haben.

Bei Eichenschindeln soll es in Zukunft bleiben, betont der Besitzer. Nicht nur wegen des authentischen Gesamteindrucks des Gebäudes. „Es gibt für diesen Zweck kein besseres Material,“ sagt Hans-Werner Urbschat. Eiche sei ein sehr widerstandsfähiges Material mit sehr langer Lebenszeit – deswegen werde dieses Holz auch in Fachwerkhäusern verbaut. Und an der Mühle werden die Schindeln so befestigt, dass sie von allen Seiten schnell abtrocknen können. Das verlängere die Lebensdauer dieser Abdeckung.

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als messe der Eigentümer seiner Mühle nur wenig Bedeutung zu. Jetzt zeigt Denkmalpfleger Henrik Gram Optimismus: „Ich habe den Eindruck, das Projekt ist jetzt auf einem guten Weg.“

Die Johannismühle wurde im Jahr 1808 in Betrieb genommen. Ihre Stillegung führte nicht, wie bei so vielen anderen Flensburger Mühlen, zum Abriss. Auch blieb ihr das traurige Schicksal eines Vernichtung durch Feuer erspart. Weil sich keine Verwendung abzeichnete, kam sie in den Bestand der damaligen städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Damals war von der Einrichtung mehrerer Wohnungen die Rede. Es blieb bei dem Gedanken. Im Jahr 2000 kam mit dem Kauf der Mühle durch Hans-Werner Urbschat Hoffnung auf: Mit Müller Walter Skau stieg ein Mann mit Erfahrung in das Projekt ein. Er musste allerdings erfahren, dass er nicht den Holzwurm oder den Verfall gegen sich hatte, sondern einen Nachbarn, der sich den Schattenwurf von den Flügeln einer wieder in Betrieb genommenen Mühle verbat. Skau stieg aus und verwandelte die Mühle Schwensby bei Sörup in ein echtes Schmuckstück. Seitdem fristet die Johannismühle ihr trauriges Dasein.

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