Kommentar : Leiser Abschied

Der Flensburger Oberbürgermeister Simon Faber agierte von Anfang an glücklos

shz.de von
11. Januar 2017, 12:41 Uhr

 Vielleicht wird es einmal eine schöne Schülerknobelaufgabe für den Politikunterricht an Gymnasien: Welchem Oberbürgermeister verdanken die Flensburger die zweisprachigen Ortsschilder, die Ansiedlung von Danfoss Silicon Power im Motorola-Komplex und den Idstedt-Löwen? Nein, es war nicht SSW-Mann Simon Faber, der vor sechs Jahren als erster Oberbürgermeister aus der dänischen Minderheit seit der Nachkriegszeit ins Rathaus einzog. Diese Leistungen gehen auf das Konto von Fabers parteilosem Vorgänger Klaus Tscheuschner. Der von der CDU geholte Verwaltungsfachmann hatte sich seinerzeit Hoffnungen gemacht, damit auch den SSW hinter sich zu bringen. Doch die Partei der Minderheit präsentierte mit gutem Recht und Selbstbewusstsein einen eigenen Kandidaten – den jungen Quereinsteiger Simon Faber.

Faber agierte von Anfang an glücklos. Ohne Not und politisches Fingerspitzengefühl organisierte er schon vor seinem Amtsantritt den Umzug der OB-Etage von Normal Null in den 13. Stock oder ließ einen etwas zu üppigen Antrittsempfang organisieren – vor allem die Umzugs-Entscheidung lastete wie eine Hypothek auf der frühen Amtszeit und seinen späteren Versuchen, Bürgernähe mit Gesprächsreihen wie „Faber mittendrin“ zu organisieren.

Immerhin – viele, die die deutsch-dänische Region professionell im Blick haben, loben sein Engagement in der grenzüberschreitenden Arbeit. Mit Tatkraft unterstützte er die Sonderburger Bewerbung um die Europäische Kulturhauptstadt 2017 als gemeinsames Projekt oder betrieb eine mögliche engere Zusammenarbeit des Landessinfonieorchesters mit den Sinfonikern Sønderjyllands. Glück hatte er damit ebenso wenig wie mit der Initiative für einen grenznahen Fernbahnhof im Flensburger Westen. So hat die Amtszeit Simon Fabers für die Minderheit südlich und die Partner nördlich der Grenze am Ende neben einer großen Zahl positiver Signale und angenehmer Gespräche wenig Zählbares gebracht.

Doch welche Erfolge kann und darf Simon Faber für sich reklamieren? 3000 zusätzliche Arbeitsplätze oder 2000 neue Wohnungen, mittlerweile 9400 Studierende und eine Verdoppelung der Millionen-Investitionen in die Kita-Betreuung in der wachsenden Stadt?

Sicher ist: Wenn man mit ihm ins Gespräch kam, war Simon Faber immer auch ein angenehmer Partner. Ob Unternehmer, Hochschulvertreter oder Gewerkschafter: In sechs Jahren hat er jedoch zu viele zurückgelassen, die finden, erst gar nicht recht ins Gespräch gekommen zu sein.

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