Klaus Hoffmann in Flensburg : Leise Zeichen: Geschichten eines gereiften Nostalgikers

Musikalischer Ausflug in die Jugendzeit des 67-Jährigen.
Musikalischer Ausflug in die Jugendzeit des 67-Jährigen.

Klaus Hoffmann kann im Deutschen Haus auf eine kleine, aber treue Fan-Gemeinde bauen

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18. Dezember 2017, 06:22 Uhr

Vielleicht erinnert sich Klaus Hoffmann in diesem seinem 67. Lebensjahr zwischendurch immer mal wieder an seinen verstorbenen Kollegen Udo Jürgens: „Mit 66 Jahren . . .“ Manchmal hadert er ja mit seinem Alter. An diesem Abend im Deutschen Haus hingegen beherzte der Berliner Sänger eine Zeile aus einem seiner besten jüngeren Songs: „Stell den Rollator an die Wand, nimm die Gitarre in die Hand, wenn du’s hier schaffst, schaffst du’s überall.“

Die Zeiten, in denen er mit der ganzen Band kam und der Laden voll war, sind längst vorbei. Nicht so schlimm: Im Duo mit seinem Pianisten Hawo Bleich im verkleinerten großen Saal kam schnell die berühmte intime Atmosphäre auf, wenn der Sänger zwischen den Songs die zahllosen Anekdoten, die poetischen und chaotischen Szenen aus seinem Leben erzählt, meistens aus seiner Jugend. Bei dem einen oder anderen Zuhörer schlagen diese Erzählungen eine bestimmte Saite an und sie können gar nicht mehr aufhören zu glucksen und zu giggeln. „Ich sah sooooo gut aus! Kennen Sie das Cover vom ersten Album? Ich sah doch sowas von gut aus!“

Heute singt er vor allem immer noch sehr gut, mit der Stimme des gereiften Chansonniers, der sich dann und wann zu einer weltläufigen großen Geste hinreißen lässt – fast so wie Aznavour, den er verehrt. Seit ein paar Jahren interpretiert er einen der berühmtesten Songs des großen kleinen Franzosen, „Sie“, gar nicht so schlecht. Doch seinem Brel wird er nicht untreu, der „Jackie“ darf nicht fehlen, „so schön und so dämlich zugleich“, „Amsterdam“ ist Pflicht, „Bei diesen Leuten“ erzeugt Gänsehaut und ungute Gefühle – es bleibt ein böses Lied.

Ein Abend mit Klaus Hoffmann ist immer eine melancholische Reise in die Vergangenheit, zurück in die 70er Jahre, ins geteilte Berlin, wo der „Kreuzberger Walzer“ getanzt und das „Mauercuptennismatch“ gespielt wird, als die jungen Nachtschwärmer die Welt verändern wollten. „Ich wollte immer nur mich selbst verändern“, gesteht Hoffmann.

Geschickt vermischt er die unverzichtbaren Klassiker mit den Liedern des Albums „Leise Zeichen“. Da gibt es den lustigen Schlechtwetter-Blues „Es regnet immer auf Sylt“, das melancholische „So lang her“, der nachdenkliche Titelsong. Das Coverfoto ist diskussionswürdig, „erschrockener Dackelblick“, urteilt eine Besucherin, aber die Songs sind okay, und das Wichtigste: Klaus Hoffmann ist noch gut bei Stimme, er ist immer noch ein eleganter Entertainer, und ein Abend mit ihm entschädigt für vieles, was einem sonst aus TV und Radio entgegen schallt. Und fast möchte man am Ende den Brel zitieren: „Bitte geh nicht fort“. Tat er dann aber doch.

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