LK Weiche : Leichtathleten proben den Aufstand

Gärtnern statt sprinten: Die jugendlichen Sportler des LK Weiche (vorn Amelie Arweiler und Solveig Kleinert, re.) reinigen mit ihren Trainern die Kugelstoßanlage.
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Gärtnern statt sprinten: Die jugendlichen Sportler des LK Weiche (vorn Amelie Arweiler und Solveig Kleinert, re.) reinigen mit ihren Trainern die Kugelstoßanlage.

Der LK Weiche protestiert gegen Forderung, Sportanlagen im Stadion selbst zu reinigen. Der Trägerverein wünscht sich mehr Personal für die Pflege.

Gunnar Dommasch von
21. Mai 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Mit seinen 35 Jahren läuft er die 100 Meter immer noch locker unter zwölf Sekunden. Aber Jan Dreier ist nicht nur schnell, sondern auch geduldig. So hat er sich den teilweise beklagenswerten Zustand des Stadions an der Jahnstraße lange angeschaut, ohne zu murren. Doch jetzt stehen einige Großveranstaltungen wie die Landesmeisterschaften der Leichtathleten vor der Tür – und der Geduldsfaden ist gerissen. „So kann man die Anlage unseren Gästen nicht präsentieren“, schimpft der Vorsitzende des LK Weiche. Und prompt kam es bei der jüngsten Vorstandssitzung des Trägervereins Flensburger Stadion zu einem handfesten Krach. „Das gab“, sagt Dreier, „richtig Zoff.“

Der Sportler und Trainer aus Leidenschaft steht mit seinen Schützlingen auf der Tribüne und blickt auf das Rund. Der Rasen des Fußballfeldes befindet sich in einem Top-Zustand – doch der Rest mutet traurig an. Auf der Innenbahn steht das Wasser zentimeterhoch, die Drainage scheint überfordert, das Grün sprießt fröhlich am Rand des Tartans. Die Kugelstoßanlage ist nicht mehr wettkampffähig, sie ähnelt einen Biotop. Jan Dreier wendet sich mit Grausen. „Statt zu trainieren müssen wir immer häufiger reinigen.“

Die Sportler, ob jung oder alt, nehmen also Harke und Besen in die Hand: Entfernen Kreide und Sand von der Bahn, sammeln Scherben, blutige Pflaster, Dreck und Abfall, schaufeln die Sandgruben nach der Nutzung durch Schulklassen wieder eben. „Wir leisten das, was unumgänglich ist“, sagt Dreier, „aber ständig Unkraut zu entfernen finde ich nun langsam kritisch.“ Insbesondere vor dem Hintergrund, das kein anderer Verein irgendeinen Cent in den letzten Jahren in die Hand genommen habe, um den Platz zu pflegen oder auszurüsten.

Dreier verweist darauf, dass der LK Weiche mit seinen 250 Aktiven als einziger Verein Geräte im Wert von mindestens 70  000 Euro eingebracht habe. Das sei nicht nur über die Mitgliedsbeiträge gelungen. „Auch bei den Eltern haben wir viele Unterstützer und Förderer.“

Gefördert wird auch der Trägerverein – und zwar mit städtischen Mitteln in Höhe von 210  000 Euro jährlich allein für Pflegemaßnahmen des in die Jahre gekommenen Stadions. Dafür stehen drei Vollzeit- und einige Teilzeitkräfte zur Verfügung. 2013 hat die Stadt mit der Gebäudesanierung begonnen, auch die Laufbahn wurde erneuert, letztes Jahr noch einmal nachgebessert. Jetzt aber, stellt Dreier fest, verfüge Flensburg zwar über die neueste, aber gleichzeitig auch dreckigste Tartanbahn Schleswig-Holsteins. Er verweist auf andere Kommunen, wie etwa Harrislee, wo die Wettkampfanlagen durch extra beauftragte Firmen in Schuss gehalten werden. Der Verein, sprach Dreier Klartext auf der Vorstandssitzung, sei nicht länger bereit, die Arbeit auf sich zu nehmen.

Genau das aber fordert der Trägerverein. Dessen 2. Vorsitzender Hans-Jürgen Matt wirbt um Verständnis: „Wir haben neun Mitgliedervereine, jeder davon hat Sorgen.“ Zudem würden die Anlagen von Schulen, Uni und auch öffentlich genutzt. Er räumt ein, dass die Innenbahn schon wieder Kopfzerbrechen bereite, auch bedürfe es einer neuen Kugelstoßanlage. Was die Pflegemaßnahmen betreffe, sei mit dem vorhandenem Personal leider nicht mehr zu leisten. „Es muss vieles erneuert werden, sicherlich“, sagt Matt, „der Haupteingang etwa ist eine Zumutung und müsste, wie vieles andere auch, längst neugestaltet werden.“ Das Stadion – und das ist nicht allein seine Einschätzung – genüge Wettkampf- wie repräsentativen Ansprüchen nicht mehr. Ein Appell an die Politik.





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