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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 14:46 Uhr

Folk und mehr : Legenden mit Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als 8000 Besucher waren beim Festival in Tondern. Sinead O’ Connor und vielversprechender Nachwuchs überzeugten die Fans.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2013 | 17:41 Uhr

Während die schlicht perfekte Stimme Marizas durch das Zelt über das Festivalgelände klingt, bauen Arbeiter am anderen Ende des Areals bereits die ersten Bühnen ab. Die Grande Dame des Fado krönt mit ihrem Auftritt am Sonntagabend das dreitägige Tondern-Festival. Mit elegantem Hüftschwung tänzelt die Grazie im glänzenden, engen Abendkleid und mit streng anliegendem, weißblondem Haar über die Hauptbühne. Marizas Musik und ihre Geschichten über ihre mosambikanische Herkunft und ihre portugiesische Gegenwart entfachen Fernweh. Handgemachte Musik aus anglophonen Breiten, insbesondere von den Britischen Inseln und aus Nordamerika, dominierte indes das hochwertige Aufgebot des europaweit größten Folk-Festival.

Insgesamt 8475 Armbänder als Eintritt sind bei der 39. Ausgabe des Tondern-Festivals verkauft worden, teilt Pressesprecherin Maria Theessink mit. Mit 8 Millionen dänischen Kronen (rund 1,072 Millionen Euro) habe man das Vorjahr beim Ticketverkauf um 2,2 Millionen Kronen (rund 295 000 Euro) übertroffen. Die gesamten Verkaufszahlen belaufen sich nach Theessinks Angaben auf 16,4 Millionen Kronen (rund 2,2 Millionen Euro) und damit 3,7 Millionen Kronen (496 000 Euro) mehr als 2012. Das sind gute Nachrichten für ein Festival, das zunehmend auf eigenen Füßen stehen muss.

Große Namen ebenso wie vielversprechender Nachwuchs lockten in diesem Jahr zum Familien-Festival – darunter Sinead O’ Connor, die am Eröffnungsabend nicht nur bei ihrer Hymne „Nothing compares to you“ für magische Momente sorgte und offenkundig ihre Leidenschaft für Musik über sämtliche Schicksalsschläge hinweg gerettet hat. Cohen, Adam Cohen, ist solch ein weiterer, legendärer Name. Der Kanadier zeigte im ersten Teil des Abschlusskonzerts am Sonntag, dass er mehr ist als Leonard Cohens Sohn – nämlich ein guter Sänger und Gitarrist. Mitunter brüchig, dann kratzig, satt und tief „probierte“ er vor allem Balladen seines neuen Albums am überwiegend „grauhaarigen Publikum aus“, wie er sagte, nachdem auf seine Bitte hin Scheinwerfer das Zelt ausleuchteten. Schöne Streicherinnen aus Montréal – Mia Bloomfield sowie die Gruppe Quatuor Orphée – verliehen „What Other Guy“ oder „Like a man“ noch mehr Dramatik, Wärme und dem Bühnenbild jede Menge Anmut. Den Multiinstrumentalisten und Mitspieler Michael Chaves stellte Adam Cohen als „Asian Johnny Cash“ vor, der optisch durchaus Ähnlichkeit mit einem asiatischen Johnny Depp hat. Cohen, der im September 41 wird, plauderte keck über seinen sechsjährigen Sohn Cassius, den er auf Anraten seines Rabbis doch nicht nach Muhammad (Ali) benannte, und moderierte empathisch. So wäre er der Sohn eines bekannten Sängers – „von Celine Dion“, scherzte Cohen und löste den Witz alsbald auf, indem er Leonard Cohens „So long, Marianne“ anstimmte – und sich eines gewaltigen Chores im Zelt sicher sein konnte.

Die Lippen überwiegend junger Mädchen formten die Texte des blutjungen Duos Hudson Taylor. Die smarten Brüder Alfie (Jahrgang 1994) and Harry (1992) aus Dublin sehen aus wie Jungs aus den 50ern, rocken kompromisslos passioniert und klingen wie Simon & Garfunkel. Sie haben als Vorband schon die Stones überzeugt und nehmen in wenigen Tagen ihr Debut-Album auf. Das haben die Schotten von Admiral Fallow längst hinter sich und noch dazu eine Nominierung für das beste schottische Album 2013. Für einen Moment spielen sie – Grandios!– in Zelt 1 nur für einen Hauch von Menschen – denn die können sich nicht teilen, wollen aber zugleich beim virtuosen Amerikaner Pokey LaFarge reinhören und mitswingen oder mitsingen bei den gut aufgelegten Iren von Tupelo oder einfach abrocken mit The Avett Brothers.

 

 

 

 

 

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