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DLRG in Fahrensodde : Lebensretter mit begrenzter Aussicht

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die schnelle Einsatzgruppe der Flensburger DLRG erntet viel Lob. Doch die Zukunft ihres Hauptquartiers in Fahrensodde ist ungewiss.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2014 | 07:31 Uhr

Flensburg | Wenn’s piept, bleiben noch 30 Minuten. 30 Minuten Zeit haben die 15 Mitglieder der Schnellen Einsatzgruppe (SEG) der DLRG, um zum Stützpunkt Fahrensodde zu gelangen und ihr seetüchtiges Schlauchboot einsatzklar zu melden. Am Mittwochabend waren die Retter nach 18 Minuten am Einsatzort. Der tragische Unfall, bei dem ein Jetski-Fahrer lebensgefährlich verunglückte, zeigt überdeutlich die Notwendigkeit, für einen Wassersportstandort wie Flensburg geeignete Rettungsmittel vorzuhalten, findet Torsten Brocks, Vorsitzender der Flensburger DLRG. Die schnelle Einsatzgruppe ist seit einem Jahr Partner der Berufsfeuerwehr bei Rettungseinsätzen auf dem Wasser.

Seither hat die SEG ihre Daseinsberechtigung mehr als einmal nachgewiesen. In dieser Saison gingen neun Alarme ein. Vier Mal wurde die diensthabende Crew des 6,50 Meter langen Rettungsschnellbootes wieder zurückbeordert, fünf Mal gab es „heiße“ Einsätze, weil Menschenleben in Gefahr waren. Der Jetski-Crash, der Badeunfall vor Steinberghaff, das Auto im Hafenbecken, der „Geisterschwimmer“ vom Ostseebad, der sich als klarer Fall von Notfallmissbrauch erwies, eine Eisbaderin, die im März tödlich verunglückte.

15 Ehrenamtler gehören zum handverlesenen Stamm des Rettungszuges der DLRG, jeweils vier von ihnen bilden die Besatzung des Bootes, das 365 Tage im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit ist. Die Anschaffung des 50.000 Euro teuren Bootes wurde durch Fördermittel der Nord-Ostseesparkasse ermöglicht – eine Investition, die sich nach Ansicht des DLRG-Vorsitzenden ausgezahlt hat. „Wir erweitern damit die Fähigkeiten der Berufsfeuerwehr, die selber nur über ein kleines Boot verfügt“, sagt Brock.

Bei den professionellen Rettern der Berufsfeuerwehr werden die ehrenamtlichen Retter der DLRG überaus geschätzt. Rainer Blaas, der Leiter des Einsatzdienstes, hat es noch keine Sekunde bereut, die SEG in die Alarmierungs- und Ausrückkette aufgenommen zu haben. „Da braucht es verlässliche und gut ausgebildete Partner, die schnell bereitstehen müssen. Wir haben gemeinsame Einsätze gefahren und immer gute Erfahrungen gemacht.“

Trotzdem ist die Zukunft der Lebensretter auf der Förde ungewiss. Denn das Schicksal der DLRG ist eng mit dem Schicksal des Projektes Fahrensodde 20 verknüpft. Dort soll eigentlich ein maritimes Dienstleistungszentrum entstehen – mit besseren Unterbringungsmöglichkeiten als den aktuellen, die Brocks mit „Zumutung“ noch eher milde umschreibt. Aber zwischen der Stadt und den eng mit der IG Fahrensodde verbundenen Investoren gibt es Differenzen, die Politik fährt nach anfänglicher Zustimmung einen für Brocks schwer zu durchschauenden Zickzack-Kurs. Nach längerem Hauen und Stechen scheinen die Partner nach den Sommerferien aber nochmals für einen Versuch bereit zu sein.

Für Brocks, dessen DLRG-Kollegen in einem vergammelnden Pförtnergebäude aus den 70er Jahren ihre Stunden verbringen, ist es ein Wunder, dass die 440 Mitglieder noch alle treu zur Fahne halten. „Es würde uns sehr helfen, wenn sich die Stadt demnächst mal entscheiden würde. Will sie die DLRG oder will sie keine DLRG?“ Der Standort müsste nicht zwingend Fahrensodde sein – aber Brocks, der auch die SEG-Gruppe leitet, macht keinen Hehl daraus, dass Fahrensodde aus guten Gründen der optimale Standort ist.

Die Flensburger und die Flensburger Gäste halten zu den ausschließlich ehrenamtlich organisierten Rettern. Sie achten sogar auf die rote Verbotsflagge. „Wegen eines nahenden Gewitters mussten wir in Solitüde und am Ostseebad Rot flaggen“, sagt Brocks. „Und es sind tatsächlich alle raus aus dem Wasser.“

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