Steinberg : Leben retten mit polnischer Hilfe

Sie arbeiten in Norgaardholz eng zusammen: Gerd Petersen (l.), Christof Niciejewski, Heiko Marquardsen, Robert Niciejewski und die polnischen Jungen Joachim und Eryk.
Sie arbeiten in Norgaardholz eng zusammen: Gerd Petersen (l.), Christof Niciejewski, Heiko Marquardsen, Robert Niciejewski und die polnischen Jungen Joachim und Eryk.

Bei den Strandwachen in Norgaardholz und in Westerholz erhalten die DLRG-Kräfte Unterstützung von Helfern aus dem Nachbarland.

shz.de von
03. August 2018, 12:15 Uhr

Steinberg | Der zwölfjährige Joachim aus dem polnischen Kozalin (früher: Köslin) und sein Cousin Eryk (13) aus Posen sind die jüngsten Mitglieder der Strandwache in der Seebadeanstalt Norgaardholz. „Beide haben längst in Polen und hier bei uns alle für den Wachdienst erforderlichen Prüfungen bestanden“, sagt Vorsitzender Heiko Marquardsen von der DLRG Norgaardholz. Gemeinsam bewachen die Jungen den Strand und Wasserbereich mit vier Einsatzkräften aus dem Raum Steinbergkirche und einem Wachhabenden aus Bonn.

Die Leitung des Teams liegt in den Händen von Joachims Vater, dem polnischen Lehrer Robert Niciejewski, der auf eine langjährige Zusammenarbeit mit den Norgaardholzer Lebensrettern zurückblicken kann. Zu einem Kurzbesuch hat sich dessen Bruder, der Arzt Christof Niciejewski, eingefunden. Auch er hat schon als Jugendlicher in den Sommerferien hier an der Angelner Küste Wachdienst geleistet und dabei fließend Deutsch gelernt. „Ich kann allerdings diesmal nur wenige Tage in Norgaardholz bleiben, denn daheim in Posen warten meine Patienten“, berichtet er. Auf der Rücktour will er seinen Sohn Eryk mitnehmen.

Seit dem 30. Juni ist die Rettungsstation Norgaardholz besetzt, nachdem freiwillige Helfer der DLRG nach Pfingsten an drei Wochenenden in Knochenarbeit wieder den 55 Meter langen Badesteg aus Metall installiert hatten. Inzwischen ist auch eine Badeinsel verlegt worden. „An heißen Tagen kommen rund 500 Personen – überwiegend Kinder – in die Seebadeanstalt“, erläutert DLRG-Urgestein Gerd Petersen. Vom Ufer reicht die Badezone 150 Meter weit ins Meer – bis zu einer Wassertiefe von 3,50 Meter.

Heiko Marquardsen macht sich derzeit keine Hoffnung, dass die langersehnte feste Holzbrücke im kommenden Jahr realisiert werden kann. Es fehlen öffentliche Zuschüsse, mit denen das Projekt finanziert werden kann. Allein die Bau- und Materialkosten werden auf rund 100 000 Euro geschätzt. Der DLRG-Chef will trotz allem nicht mit der Forderung nach einer baldigen Problemlösung nachlassen.

Robert Niciejewski und sein Sohn Joachim werden die beiden letzten Wochen der Sommerferien in der DLRG-Nachbarstation Westerholz verbringen. Die Anfänge dieser freundschaftlichen deutsch-polnischen Verbindung gehen auf das Jahr 1995 zurück. Damals begann der staatlich geförderte Jugendaustausch, und als der DLRG-Bezirk Flensburg zur Kontaktaufnahme mit polnischen Rettungsschwimmern aufrief, wurden die Norgaardholzer aktiv.

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