Glücksburg : Leben mit Solarstrom

Die Workcamp-Teilnehmer mit Gruppenleiter Jan Lassen (ganz links) und zwei FÖJ-lern am Hochteich.
Die Workcamp-Teilnehmer mit Gruppenleiter Jan Lassen (ganz links) und zwei FÖJ-lern am Hochteich.

Acht junge Menschen haben in einem Workcamp bei artefact in Glücksburg umweltfreundlich gelebt.

shz.de von
30. Juli 2018, 13:29 Uhr

Ein einfaches Leben führen und dabei die Kräfte der Natur schonend für sich nutzen – das wollten acht junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren aus Deutschland, Frankreich und Portugal. Zwei Wochen campierten sie bei artefact, nahmen teil an einem Workcamp des Service Civil International. Die internationale Organisation setzt sich seit 1920 weltweit für den Frieden und menschenwürdige Lebensbedingungen ein. Die Workcamps sind ihr Schwerpunkt und bedeuten freiwilliges gemeinsames Arbeiten an einem sinnvollen Projekt. Es gibt eine Beteiligung für die An- und Abreisekosten. Essen und Logis sind gratis.

Für Teilnehmerin Carina Hingst (19), Abiturientin aus Neumünster, hätte das Camp in Glücksburg gerne länger dauern können. Die Gemeinschaft hat ihr gut getan. Das einfache, naturschonende Leben erwies sich als komfortabel. Sie habe gut geschlafen auf dem Feldbett im großen Bundeswehr-Gemeinschaftszelt.

Gekocht wurde im „Afrika-Haus“, ein Gewächshaus mit wärmeliebenden Pflanzen. Dort gibt es eine solarbetriebene Kochstelle. Das Essen fand Carina Hingst vorzüglich. Besonders die beiden portugiesischen Teilnehmerinnen hätten hervorragend gekocht. Es gab Vegetarisches. Beim Einkauf wurde darauf geachtet, Verpackungsmüll zu vermeiden.

Die Solarduschen lieferten Dank regelmäßiger Sonneneinstrahlung reichlich warmes Wasser. An die Kompost-Toiletten hat sich Carina Hingst auch schnell gewöhnt. „Urinbehälter regelmäßig auf dem Kompost entleeren, den Rest mit reichlich Blättern abdecken. Das war nicht schlimm“, sagt sie.

Artefact-Leiter Werner Kiwitt hatte als Arbeitsprojekt für die Workcamp-Teilnehmer die Anlegung von zwei Wasser-Rückhaltebecken vorgesehen. Ein Teich wurde ausgehoben. Aus dem Aushub entstand ein zweiter, höherer direkt daneben. „Die zwei Teiche spiegeln in Miniaturformat eine Situation in Norwegen“, erklärt Kiwitt den pädagogischen Gedanken für seinen Energie-Park. „In Norwegen gibt es hoch gelegene Stauseen, die nach der Schneeschmelze irgendwann trocken fallen. Wir wollen zeigen, wie man mit Windenergie das Wasser von unten nach oben pumpen kann, um das ganze Jahr über Wasser zu bevorraten.“ Die Teiche waren obendrein eine Ausgleichsmaßnahme für zwei neue Bauten bei artefact.

Zeitgleich mit den Workcampern bereiteten sich 17 junge Menschen bei artefact auf einen einjährigen Tansania-Aufenthalt mit dem Projekt der Bundesregierung „weltwärts“ vor. Projektleiterin Tanja Neubüser ermutigte die Teilnehmer, in Afrika viele Fragen zu stellen. „Niemals den besserwisserischen Europäer raushängen lassen“, mahnte sie. Das käme gar nicht gut an. Kiwitt wies stolz darauf hin, dass die Zusammenarbeit von artefact mit der Deutsch-tansanischen Partnerschaft, die den Austausch begleitet, länger bestehe als das „weltwärts“-Programm.


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