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Wo Glücksburg wächst : „Lauter glückliche Bürger“ im Neubaugebiet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Besonders Familien mit Kindern fühlen sich wohl auf dem Bremsberg

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 13:57 Uhr

Was denn, bitteschön, Glücksburg in einer Serie über Flensburgs Wachstum zu suchen habe? Glücksburgs Bürgermeisterin Kristina Franke mag es nicht, wenn die kleine Stadt, der sie vorsteht, als Anhängsel des großen Nachbarn behandelt wird. „Sind wir jetzt schon eingemeindet“?, lautet ihre Gegenfrage auf die Frage nach dem Neubaugebiet Bremsberg. Doch dann bringt sie ihre Freude zum Ausdruck über Glücksburgs größtes Baugebiet der jüngsten Zeit. Sie freue sich „über lauter neue glückliche Bürger“ und „ein gut durchmischtes Wohngebiet“.

Seit den frühen 2000er Jahren wurde es entwickelt. Franke war damals noch im Bauamt beschäftigt. Bürgermeister war John Witt. Er erinnert sich an den damals hohen Altersdurchschnitt der Stadt und den Wunsch der Politiker, vermehrt Familien mit Kindern in Glücksburg anzusiedeln. Als mögliche Fläche hatte man den Bremsberg im Visier. Dort gab es eine Menge brachliegendes Grasland. Glücksburger Bürger hatten einem Kartoffelbauern Land abgekauft. Ihnen wollte es die Stadt nun abkaufen, um Bauland draus zu machen.

Laut Witt waren es „schwierige Verhandlungen“. Zum einen wegen Altlasten im Grundbuch, obendrein wegen überzogener Preisvorstellungen einiger Erben. Zu teuer wollte die Stadt jedoch nicht einkaufen, um jungen Familien den Hausbau nicht zu verteuern. Die Stadt holte sich Hilfe von einer Erschließungsgesellschaft, der treuhänderischen Erschließungsgesellschaft (TEG) Nord. Mit ihr hatte sie kurz zuvor im Baugebiet Rüdeheck gute Erfahrungen gemacht. Die Gesellschaft sprang als Käufer ein.

„Wir hatten es mit drei unterschiedlichen Konstellationen von Eigentümern bei drei Baugebieten zu tun. Die Verhandlungen ziehen sich bis heute seit 15 Jahren hin“, sagt der heutige Geschäftsführer der TEG, Frank Sass. Einzelheiten möchte er dem Laien lieber ersparen.

Man habe keine Großbaustelle gewollt, so Witt. Also tastete man sich von der Straße Holkier aus vor. Erster Bauabschnitt, Holkier 1 genannt, startete in den Jahren 2008/09. Er zweigt nördlich von Holkier ab und hat heute den Namen Prestmark. Hier haben 45 Menschen ihren ersten Wohnsitz, davon sind 18 unter 18 Jahre alt. Kurz darauf folgte Bauabschnitt Holkier 2, eine Parallelstraße von Prestmark, die heute Ladegaard heißt. Hier wohnen 38 Menschen, zwölf davon unter 18 Jahren. Um 2012 folgte Bauabschnitt Holkier 3, die Verlängerung der Straße Holkier mit rund weiteren 16 Häusern. Die Häuser auf der Südseite haben einen weiten Blick in die hügelige Landschaft. Eine Reihe alter Pappeln wurde gefällt. „Die hingen seit Sturm Christian ziemlich auf halb acht. Wir haben uns um eine Fällgenehmigung bemüht und sie erhalten“, erzählt eine Anwohnerin. Sie liebe diesen Blick, vor allem, wenn sie nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause komme.

Nach der Fertigstellung von Holkier 1-3 erfolgte im Januar 2015 der erste Spatenstich für die Erschließung des 3 Hektar großen Baugebietes Klein-Bremsberg. Es liegt oberhalb von Holkier 1-3. Die beiden Gebiete sind nicht auf direktem Weg miteinander verbunden. Alle Neubaugebiete auf dem Bremsberg sind Sackgassen. Die Straße von Klein-Bremsberg führt einmal in Kreis um 38 Grundstücke, die zwischen 550 bis 1000 Quadratmeter groß sind. 107 bis 119 Euro waren die Quadratmeter-Preise. Und heute ist der erste Spatenstich für das jenseits der Bremsbergallee angrenzende Neubau-Gebiet. Es heißt Groß-Bremsberg, obwohl es um 0,5 Hektar kleiner ist als „Klein-Bremsberg.“ 31 Grundstücke à 580 bis 840 Quadratmeter entstehen dort. Aufgrund „gestiegener Grundstücksbeschaffungskosten“, so Sass, seien die Quadratmeterpreise auf 143 bis 158 Euro angestiegen. „Für manche Grundstücke war die Nachfrage so groß, dass wir sie gegen Gebot verkauft haben“, sagt Sass. Er findet die Preise dennoch nicht überzogen. Ein Grundstück in Glücksburg stellt für ihn einen nachhaltigen Wert dar. „Die Leute, die hier bauen, wissen, dass ihre Häuser in fünf Jahren mehr wert sind als heute.“ Es sei die Stadt mit ihrer guten Infrastruktur, der traumhaften Lage an der Flensburger Förde, die Lage auf einem Berg und eben auch – die Bürgermeisterin möge es nachsehen – die Nähe zu Flensburg mit seinen vielfältigen Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten.

Wegen der guten Vermietungs-Möglichkeiten haben sich inzwischen auch Investoren auf dem Bremsberg eingekauft. Eine Familie baute in Klein-Bremsberg drei Doppelhäuser zum Vermieten. Eine Baufirma baute nicht nur für Kunden, sondern auch für sich selbst ein Vier-Parteienhaus, ebenfalls für Mieter.

Bei der Bauplan-Aufstellung für das neueste Wohngebiet stellte die Stadt mehr Anforderungen als bei den vorherigen. Die zunehmende Kritik in der Bürgerschaft und Politik über „Stile-Mischmasch“ und maximale Ausnutzung der Fläche hatte Konsequenzen. So mussten Sass und seine Kollegen einen Schattenwurf der Häuser simulieren. Groß-Bremsberg wird anders als Klein-Bremsberg eine Freifläche von 250 Quadratmeter für einen Nachbarschaftstreff haben sowie ein Tempolimit. Außerdem soll ein Weg zum Abenteuerspielplatz an der Holnisstraße angelegt werden.

Die Einwohnerzahl Glücksburgs ist durch die Neubaugebiete am Bremsberg nur leicht gestiegen von 5893 in Jahr 2006 auf heute 6024. Auffällig ist die hohe Anzahl von Kindern auf dem Bremsberg (siehe Kasten).

Das Mehr an Kindern führte bereits zu Engpässen bei der Betreuung. Die Stadt muss aufstocken: Nach den Sommerferien öffnet eine zusätzliche Gruppe im Evangelischen Kindergarten. Die Betreuung an der Grundschule wird auf 17 Uhr verlängert. Die Maßnahmen verursachen der hoch verschuldeten Stadt zusätzliche Kosten, stehen aber nicht zur Disposition. „Wenn wir familienfreundlich sein wollen, müssen wir uns auch um eine zeitgemäße Kinderbetreuung kümmern“, sagte Stadtvertreter Timo Petersen kürzlich auf einer Sitzung.

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