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Haddeby : Lauf zwischen den Meeren nervt Feuerwehr

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Die einen laufen, die anderen vedienen und die Feuerwehr hat die Arbeit. Weil sie sich vom Veranstalter des Laufs zwischen den Meeren schlecht behandelt fühlen, steigen Wehren aus.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 01:22 Uhr

Haddeby | Sieben Jahre lang haben die Feuerwehren im Amt Haddeby ihren Teil dazu beigetragen, dass der "Lauf zwischen den Meeren" auch den Großraum Schleswig reibungslos durchqueren kann. Doch jetzt ziehen die freiwilligen Brandschützer die Reißleine. Die Veranstaltung sei so groß und überdies auch in zunehmendem Maße kommerziell geworden, dass die Wehren durch die anstehenden Zusatzaufgaben überlastet würden, kritisiert der Haddebyer Amtswehrführer Malte Simonsen. Er empfahl den acht Wehren im Amt kürzlich bei einer Versammlung, auf eine Teilnahme an der Aktion zu verzichten. Dem kamen fast alle Wehren nach, unter anderem auch deshalb, weil zeitgleich in den Gemeinden Gildefeiern stattfinden.
Was einst mit einer übersichtlichen Teilnehmerzahl von 85 Staffeln begann, entwickelte sich aus Sicht der Wehrführer über die Jahre zu einem gewinnorientierten Groß-Event, das unter anderem auf dem Rücken der ehrenamtlichen Helfer der freiwilligen Feuerwehren ausgetragen werde. Im achten Jahr gehen bei dem Lauf-Event 650 Teams, bestehend aus bis zu zehn Athleten, an den Start. Eine 96,3 Kilometer lange Tour quer durchs Land - von Husum bis nach Damp - gilt es für die Freizeitläufer in Etappen zu bewältigen. Veranstalter ist das Ostsee Resort Damp, unterstützt wird es von der Kieler Firma "Zippels Läuferwelt". Die freiwilligen Helfer waren am Veranstaltungstag in den vergangenen Jahren im Dauereinsatz. Im Gegenzug für ihre Unterstützung - unter anderem bei der Absperrung der Strecke, Parkplatzdienst und der Verkehrsführung - erhielten die Wehren früher ein Fass Bier, doch das scheiterte irgendwann an der Logistik und der Pfandrückgabe. Inzwischen werden sie mit einer Spende für die Gemeinschaftskasse mit entsprechendem Gegenwert entschädigt - aber nur auf Anfrage und gegen Rechnung. Zugleich ist aber auf der anderen Seite der kommerzielle Aspekt deutlich bedeutender geworden. Bei 279 bis 429 Euro Startgeld pro Staffel sowie Sponsoring - ist für die Veranstalter viel Geld im Spiel.

Feuerwehrmänner wollen nicht Prellbock sein


Ganz selbstverständlich sei bislang von den Veranstaltern mit der ganztägigen Übernahme von Aufgaben durch die Feuerwehren gerechnet worden, meint Haddebys Amtswehrführer Malte Simonsen. Schon seit mehr als zwei Jahren bemängeln Haddebyer Brandschützer die stetig wachsenden Teilnehmerzahlen und damit einhergehend steigenden Anforderung an die Feuerwehren, die sie, aus Rücksicht auf die ehrenamtlichen Kräfte, nun nicht mehr tragen wollen. Simonsen: "Selbstverständlich wird die Feuerwehr die gesetzliche Aufgabe des Brandschutzes im Hintergrund übernehmen - für Absperrungen, Bewachung, Service oder vereinzelt als Prellbock für zahlreiche ungehaltene Autofahrer wollen wir aber nicht mehr zuständig sein." Der Veranstalter gehe seit Jahren ganz selbstverständlich davon aus, dass die Feuerwehren mitmachen. "Gefragt wurde niemand. Und das finde ich sehr schade", sagte Simonsen. Er bemängelt Weiteres: So seien in den vergangenen Jahren kaum Ansprechpartnern vor Ort gewesen, um die Helfer mit wichtigen Informationen zum sicheren Ablauf der Veranstaltung zu versorgen.
Auch Schleswigs Wehrführer Sönke Schloßmacher schlägt sich auf die Seite der Verweigerer. Mit 365 Notfall-Einsätzen pro Jahr und etlichen Dienst- und Sonderleistungen bei zahlreichen Veranstaltungen seien Schleswigs Brandschützer vollends ausgelastet. Weiter habe er die Sorge, dass auch seine Feuerwehrmänner einmal "ausbrennen" könnten. "Wir müssen uns auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren." Das Fazit beider Wehrführer formuliert Schlossmacher so: "Die Veranstaltung mag top sein. Wir können es uns jedoch nicht leisten, dafür Leute abzustellen."
Schleswigs Polizeichef Rolf Bumann hat seine Kollegen der Station Busdorf über die veränderte Situation bereits informiert. "Der Veranstalter bekommt die Auflage dann andere Hilfskräfte zu organisieren. Wir als Polizei können nicht solche Masse stellen." Peter Brandt, Organisationskoordinator von "Zippel’s Läuferwelt" kann die entgegengebrachte Kritik nicht teilen. "Es geht nur um zwei Wehren und den Parkplatz am Flugplatz in Jagel sowie den Wechselpunkt in Fahrdorf. Alle anderen sind doch auch dabei." Der Lauf werde trotz allem funktionieren, meint Brandt. Im April hatte er sämtliche ehrenamtlichen Helfer zum Gespräch nach Dannewerk gebeten. Vereinzelte Missverständnisse konnten auch dort nicht ausgeräumt werden. "Wir haben uns im Kreis gedreht und sind in der Sache selbst auf der Suche, woran es liegt." Er verspricht: "Wir machen uns Gedanken. Für dieses Jahr ist es aber gelaufen". Die Unterstützung haben sich die Organisatoren für dieses Mal unter anderen bei Vereinen aus der Region gesichert.
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