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Blitzmarathon in Flensburg : Laserpistole landet 24 Volltreffer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Innerhalb von zwei Stunden blitzen Stadt und Polizei 71 Autofahrer: Es hagelt Punkte und Bußgeld – zwei Fahrverbote.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 07:49 Uhr

An diesem Tag ist alles anders. Auffällig viele silber-blaue Fahrzeuge bewegen sich im Straßenbild. Videofahrten. Ebenso auffällig der gemeine Autofahrer: Er verhält sich vorschriftsmäßig! Immer die erlaubte Geschwindigkeit im Blick, im Kriechgang durch Kielseng, Marienallee oder Ochsenweg. Die Augen schielen nach links, mal nach rechts. Wo steckt er, der böse Blitzer?

Doch die Polizei hat umdisponiert. Hat sich im Rahmen des groß angekündigten „Blitz-Marathons“ nicht an den ursprünglich vorgesehenen Straßen postiert, sondern an der B200, Kupfermühle, kurz vor der Grenze. Kaum haben die sechs Beamten des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Nord ihr Equipment scharf gestellt, rauscht die erste Fahrerin auch schon in die Falle. Sie zeigt sich einsichtig und darf weiterreisen – mit ihren drei Kindern und frischen drei Punkten im Gepäck.

„Achtung, 84 Stundenkilometer!“, ruft plötzlich Oberkommissar Oliver Löbel, der die mobile „Traffipatrol“ bedient. Sein Chef Dirk Hasenpusch eilt auf die Fahrbahn. Viel Zeit bleibt ihm nicht: Die Messstelle ist nur 114 Meter von der Laserpistole entfernt. Er winkt den schwarzen Sportwagen heraus. „Das ist ja mein Nachbar aus der Tiefgarage“, staunt ein Beamter und grinst breit. Der Nachbar war 34 Stundenkilometer zu schnell, drei werden abgezogen, macht trotzdem 120 Euro Bußgeld plus 25 Euro Gebühr sowie drei Punkte.

Auf den Schreck erstmal eine Zigarette. Wie konnte das passieren? „Hab telefoniert und war in Gedanken“, sagt der Flensburger. Telefoniert – am Steuer? Natürlich nicht. . . „Meine eigene Dummheit“, so die Erkenntnis des Sünders. Polizist Jes Marxen tröstet: „Es gibt Schlimmeres.“

Zum Beispiel den 83-jähriger Autofahrer aus Harrislee, der mit seinem silbernen Lexus mit 95 km/h durch die Kontrollstelle rast. „Den kriegst du nicht“, sagt Hasenpusch. Er hat Recht. Keiner kann ihn halten. Auch wenn das Nummernschild bekannt ist, will er die Sache nicht weiter verfolgen. „Das ist nicht Sinn und Zweck der Aktion. Es geht hier um die direkte Konfrontation.“

Doch die kommt schneller als erwartet. Als der Mann wenig später tatsächlich zurück nach Deutschland fährt, wird er gestoppt. Er ist neben einem anderen Raser trauriger Spitzenreiter an diesem Tag. 24 Autofahrer sind insgesamt zu schnell, zwei Fahrverbote werden ausgesprochen. Die Hälfte der Delinquenten stammt aus Dänemark. Sie werden an Ort und Stelle zur Kasse gebeten. Wer nichts Bares hat, wird zum Geldautomaten geschickt.

Wie ein junger Mann mit seinem Toyota Avensis. Er ist ganz blaß geworden. Vielleicht kann er nicht glauben, wie billig es hierzulande ist? Er darf 120 Euro zahlen, in seiner Heimat müsste er das Drei- bis Vierfache berappen.

Auch die Stadt ist nicht untätig. Sie misst 2,5 Stunden lang an der Merkurstraße (angekündigt) und (überraschend) am Marrensdamm. Interessant: An der Merkurstraße gibt es keinen einzigen Verstoß, am Marrensdamm blitzt es gleich 47 Mal.

Nicht angepasste Geschwindigkeit belegt im Ranking der Unfallursachen bei der Polizeidirektion Flensburg den dritten Platz – sie ist hauptverantwortlich für die im Straßenverkehr Getöteten und schwer Verletzten.

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