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SG Flensburg-Handewitt : Lars Kaufmanns langer Weg zurück aufs Feld

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die dritte Knie-Operation war für Lars Kaufmann ein Karriere-Tiefpunkt. Mit neuer Zuversicht kämpft der SG-Profi für ein Comeback zu Weihnachten.

Flensburg | „Alle Profisportler sind nach Verletzungen ungeduldig“, sagt Lars Kaufmann. Bestens trainiert wirkt der blonde Modellathlet. Dennoch wird der Zwei-Meter-Mann noch einige Zeit „der“ SG-Spieler für Autogrammstunden und Sponsoren-Termine bleiben. Dennoch wird die SG-Familie noch lange darauf warten müssen, bis Kaufmann in der Flens-Arena aus dem Rückraum wieder steigt. Nach drei Operationen am linken Knie hat der 31-Jährige eine harte Zeit vor sich. Doch noch härter waren die Monate, die hinter Lars Kaufmann und seiner Familie liegen. Besonders mit Blick auf die derzeit oft so knappen Ergebnisse betont der Nationalspieler: „Ich möchte der SG so gerne wieder auf dem Spielfeld helfen.“

Immerhin ist er eben zehn Minuten im Training gelaufen, „oder besser gehumpelt“. Dennoch ist die Zuversicht riesengroß – in absehbarer Zeit aufs Spielfeld zurückzukehren, und auch wieder hohes Spielniveau zu erreichen. „Klar gibt es nicht nur gute Tage, aber ich bin ein großer Optimist – ich werde das schaffen“, sagt Kaufmann. Wenn alles optimal läuft, möchte der Wahl-Glücksburger am 26. Dezember gegen Magdeburg erstmals wieder mit auflaufen und so den Fans und sich selbst ein besonders schönes Weihnachtsgeschenk machen.

Für dieses Ziel hat Lars Kaufmann in den vergangenen Monaten viel getan, und viel erduldet. „Ich bin nach der zweiten Operation an Krücken in die Sommerpause, in den Urlaub gestartet. Ich dachte, nun ist wirklich das Gröbste überstanden“, erinnert sich der Verletzte. Doch dann kehrt der Schmerz im Knie zurück – verursacht durch einen freien Gelenkkörper, der auf Anraten der Ärzte der SG und der Nationalmannschaft durch eine dritte Operation Ende Juli entfernt wird. „Das war ein herber Rückschlag“, sagt Kaufmann. Den dritten Eingriff unter Vollnarkose steckt der Profi nicht mehr so gut weg wie die ersten beiden, er muss anderthalb Wochen in der Klinik bleiben. „Körper und Kreislauf waren richtig schlapp. Ich habe mich nicht gut gefühlt.“ Die Familien von Lars Kaufmann und seiner Frau Lena reisen an, sind täglich mehrere Stunden in der Diako. „Meine Frau kam meist mehrmals am Tag. Die Rückendeckung der Familie ist sehr wichtig, wenn du in ein Loch fällst“, sagt Kaufmann. Dennoch ist es hart, auch zuhause zunächst nichts tun zu dürfen – nicht gehen, nicht Autofahren, nicht im Haushalt oder im Garten helfen, nicht einmal richtig mit der zweijährigen Tochter spielen zu können. „Papa hüpfen“, sagt die kleine Laurine, wenn sie ihren Vater durchs Haus humpeln sieht. „Eine Zeit lang musste meine Frau zwei Kinder versorgen“, sagt Kaufmann mit spürbarer Anerkennung.

Doch dann, um etliche Kilos schmaler kann der Profi endlich wieder selbst arbeiten. Zur Physiotherapie kommt das Krafttraining. Die Krücken werden überflüssig. Kaufmann gewinnt sein altes Kampfgewicht zurück. Besonders die Muskeln, die das mehrfach operierte Kniegelenk stabilisieren können, werden bearbeitet und gestärkt. Langsam wächst auch die Nähe zur Mannschaft, die Lars Kaufmann nicht ins Trainingslager begleiten konnte. Auch die ersten Auswärtstouren waren noch zu strapaziös für das Knie, das bis heute nach ein paar Stunden auf der Autobahn anschwillt. „Meinen Platz im Bus habe ich aber behalten. Es tut gut, nun auch auswärts mit dabei zu sein und die neuen Spieler besser kennen zu lernen“, freut sich Kaufmann.

Eng geblieben ist das Band zu Holger Glandorf, Kaufmanns Zimmerpartner bei der SG und der Nationalmannschaft. In der Saison zuvor unterstützte der heute Verletzte den mehrfach am Fuß operierten Glandorf dabei, sich ins Team zurück zu kämpfen. „Dass Holger das so erfolgreich geschafft hat, ist eine große Motivation für mich“, sagt Kaufmann. Auch die Unterstützung der Fans gibt ihm Kraft, jeden Tag für seine Rückkehr zu kämpfen, dafür härter und schmerzhafter zu trainieren als seine Mannschaftskollegen im Spielbetrieb.

Nach drei OP’s ist eine genaue Vorhersage des Heilungsprozesses unmöglich. „Das ist schon schwer. Ich muss auf mein Knie hören“, sagt Kaufmann. Er weiß, dass eine Rückkehr für ihn und die SG nur dann Sinn macht, wenn er das linke Knie wieder voll belasten kann. „Meine Spielweise kostet viel Kraft, ich springe ja nicht nur ein paar Zentimeter hoch.“ Auf diesen Punkt zu warten, erfordert Geduld. Doch Profisportler sind eben ungeduldig.

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erstellt am 08.Okt.2013 | 07:59 Uhr

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