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Flensburg : Laptop nach Diebstahl geortet: Warum die Polizei nichts unternimmt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Studentin Levke Berns weiß genau, wo ihr gestohlener Computer ist. Doch der Arm des Gesetzes reicht nicht bis in die Wohnung der Diebe.

Flensburg | Ihr schwante Böses. Als Levke Berns am Abend des 13. August nach Hause kam, verhieß ein schneller Blick durch das Wohnzimmerfenster Unheil: Das geliebte MacBook lag nicht mehr auf ihrem Schreibtisch. Hatte sie es lediglich verlegt?

Wenige Sekunden später die Gewissheit: Das rückwärtige Fenster aufgehebelt, Einbrecher hatten die Wohnung der Studentin heimgesucht. Am helllichten Tag. Nicht nur der Laptop war verschwunden, sondern auch ein großer LED-Flachbildfernseher, ein Apple TV und eine Handtasche. Der Schaden: Über 2000 Euro.

Ein Schock für die 23-Jährige, die umgehend die Polizei einschaltete. Sie tippt auf eine organisierte Bande, die für die Tat infrage kommt. „Es war ein Blitzeinbruch“, sagt sie, „die wussten genau, was sie wollten, hatten bis auf eine Schublade nichts durchwühlt.“ Das Materielle lässt sich ersetzen, meint die zukünftige Lehrerin mit Blick auf ihre Hausratversicherung. „Was bleibt, ist das ekelhafte Gefühl, zu wissen, dass jemand hier in meine Intimsphäre eingedrungen ist.“

Was bleibt, ist aber auch ein Fünkchen Hoffnung. Denn über eine App ist das Smartphone von Levke Berns mit dem MacBook verknüpft und in einem beschränkten Rahmen auch steuerbar. Konkret: Das Feature „Find my Mac“ von Apple zeigt dem Inhaber an, wo sich das Gerät zum jeweiligen Zeitpunkt befindet. Dazu muss der Laptop allerdings mit dem Internet verbunden sein.

Das war am Morgen des nächsten Tages tatsächlich der Fall. Das Notebook wurde in der Norderstraße geortet. Mehr noch: Es gab ein Signal aus einem ganz bestimmen Gebäude. Das Erste, was Levke Berns in Angriff nahm, war die Eliminierung aller Dateien auf dem Rechner. „Es waren Fotos dabei, Musik und Material für die Uni.“ Doch die Wut war noch lange nicht verraucht. Am Abend schickte sie eine Mail an ihr MacBook, die unmittelbar auf dem Desktop angezeigt wird – in der Hoffnung, der Dieb werde die Zeilen lesen. Er möge, schrieb sie, „in der Hölle schmoren“, der Laptop sei geortet worden.

Diese Information gab sie auch an die Polizei weiter. Doch die sieht sich außerstande, entsprechende Ermittlungsschritte zu unternehmen. „Die Ortung mobiler Endgeräte“, sagt Dirk Schwering vom Einbruchsdezernat in Flensburg, „ist nicht punktgenau möglich. Heißt: Die Wohnung sei nicht zweifelsfrei identifizierbar. Für einen Durchsuchungsbeschluss seien die Indizien nicht ausreichend, betont der Kripo-Mann. „Wir können ja nicht jede in Frage kommende Wohnung stürmen.“

Dass es auch anders geht, zeigt ein Fall aus Kiel. Dort hatte sich das gestohlene Gerät mittels eines Signaltons bemerkbar gemacht. Als die Beamten das Geräusch aus einer Erdgeschosswohnung vernahmen, griffen sie zu. Der Einbrecher wurde überführt, das gesamte Diebesgut im Wert von 10.000 Euro sichergestellt.

Für Levke Berns ein schwacher Trost. Während sie auf das Geld von der Versicherung wartet, studiert sie regelmäßig die Aktivitäten auf Ebay. Gleichwohl rechnet sie nicht mehr damit, dass die Täter gefasst werden. „Und ich habe Angst“, sagt sie, „dass die irgendwann mal wiederkommen.“

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erstellt am 20.Aug.2015 | 08:00 Uhr

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