Neuer Wasserweg in Flensburg : Langes Warten auf teures Großprojekt

Fußweg am Wasser: Die 620 Meter lange Promenade soll am oder im Wasser vor den Fahrzeugwerken im Stadtteil Neustadt verlaufen.
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Fußweg am Wasser: Die 620 Meter lange Promenade soll am oder im Wasser vor den Fahrzeugwerken im Stadtteil Neustadt verlaufen.

Hafenpromenade West verzögert sich durch komplizierte Verhandlungen mit benachbarten Betrieben

shz.de von
17. August 2017, 07:01 Uhr

Es ist eine fast schon unendliche Geschichte. Seit über zehn Jahren beschäftigt sich die Stadt mit der kühnen Idee, einen Promenadenweg am Hafenwestufer außen um die dort ansässigen Fahrzeugwerke herum zu bauen – zu einem großen Teil auf Pfählen im Wasser. Der 2015 geplante Baubeginn für 2016 ist längt Makulatur, die geschätzten Kosten haben mittlerweile die Summe von 11,3 Millionen Euro erreicht.

Es klingt einfach, ist aber sehr komplex: Pfähle ins Wasser, Bretter drüber, fertig. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Der 620 Meter lange Weg muss für Rettungsfahrzeuge und damit für Schwerlastverkehr geeignet sein. Mit dem Bau der Promenade wird die lädierte Kaikante saniert und stellenweise einige Meter vorgezogen. Und es gibt ein komplexes Nachbarschaftsverhältnis zwischen dem öffentlichen Weg und den beiden Fahrzeugbetrieben an Land. „Wir stehen mitten in den Verhandlungen mit den beiden Betrieben“, sagt Markus Pahl, als Chef der städtischen Sanierungsgesellschaft verantwortlich für das Projekt. Es seien alle möglichen Details zu klären – unter anderem der Schallschutz. Gerade bei der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) wird es manchmal sehr laut; die Passanten müssten vor diesen Geräuschen geschützt werden.

Von einer filigranen, leicht transparenten Metallwand, wie sie ursprünglich geplant war, müssen die Initiatoren deshalb jetzt Abstand nehmen. Stattdessen wird eine echte, massive Mauer gebaut, die im Bereich der FFG etwas höher und oben sogar zur Landseite hin abgeschrägt werde, so Pahl.

Kompliziert war und ist auch eine andere Grundstücksfrage: Da praktisch eine neue Kaimauer im Wasser errichtet wird, sind bis zu 30 Meter lange Erdanker diagonal ins Erdreich zu rammen. Die enden unter dem Grundstück der FFG – und zwar just da, wo bisher eine denkmalgeschützte Halle stand, die jedoch für den Abriss vorgesehen ist und voraussichtlich durch ein neues Gebäude ersetzt werden soll.

Dies erfordert komplexe grundstücksrechtliche Regelungen. „Wir werden uns einig“, freut sich Markus Pahl. Es gebe zwar noch wenige Details zu regeln, doch das sei man auf einem guten Weg. Frühere Kostenschätzungen sind ebenso wie geplante Baustarts längst hinfällig. Pahl schließt inzwischen nicht aus, dass selbst die 11,3 Millionen Euro am Ende womöglich nicht ausreichen wird. So sei die Schallschutzwand zwingend erforderlich.

Norbert Erichsen, Geschäftsführer der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft, macht kein Hehl aus seiner fehlenden Begeisterung für das Projekt. „Grundsätzlich kann ich mir etwas Schöneres vorstellen also so eine Promenade“, sagte er gegenüber dem Tageblatt. Doch man habe jetzt eine gute Einigung mit der Stadt erreicht. „Alle Wünsche konnten berücksichtigt werden.“

Die europaweite Ausschreibung der Bauleistung könne voraussichtlich im Herbst erfolgen, schätzt Pahl. Vor 2018 werden die Bagger also nicht anrücken.

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