Flensburg : Langer Streit um Schaden beim Schneeräumen

Der Winter ist lange vergessen, der Schaden im Vorgarten von Uwe Rummelhagen nicht. Foto: Dommasch
Der Winter ist lange vergessen, der Schaden im Vorgarten von Uwe Rummelhagen nicht. Foto: Dommasch

Ein Räumfahrzeug schob in Flensburg nicht nur Schnee zur Seite, sondern drückte einen Zaun ein und katapultierte Kiesel gegen ein Fenster.

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02. Juli 2013, 08:10 Uhr

Flensburg | Wer erinnert sich? Anfang Dezember letzten Jahres legte sich über Flensburg ein weißes Kleid. Der Winter gab einen respektablen Vorgeschmack darauf, was er sich vorgenommen hatte: Die Schneemassen zum Auftakt waren gewaltig. Zum Leidwesen von Uwe Rummelhagen (50) aus dem Ochsenweg, Flensburg-Weiche. Denn damit begann ein erbitterter Streit mit einer Reinigungsfirma.
Räumfahrzeuge versuchten damals ihr Bestes, um die Situation in den Griff zu bekommen. Auch ein bei der Firma "Pur" (Pflege und Reinigung von Gebäuden jeder Art) beschäftigter Fahrer. Der meint es im Falle von Uwe Rummelhabgen besonders gut. Und geht gründlich zu Werke. Offensichtlich gerät er mit der rotierenden Bürste seines Schneeräumers von der Straße auf das Grundstück des Flensburgers, als dieser noch im Reich der Träume weilt. Es ist sechs Uhr morgens, da wirbelt die Drehwalze unzählige Kieselsteine auf, katapultiert diese in den Vorgarten und bis zu acht Meter weit in den Innenhof. Die Steine fliegen gegen das Wohnzimmerfenster, hinterlassen dort kleine Krater, auch ein Zaun wird bei der Aktion eingedrückt.

Ein halbes Jahr lang wird argumentiert

Für Uwe Rummelhagen ein buchstäblich bitteres Erwachen. Doch er ist zuversichtlich, dass die verantwortliche Firma das Ungemach unverzüglich regulieren wird. Doch weit gefehlt. "Obwohl ich den Zustand schnell angemahnt habe, ließ sich niemand blicken, um die Situation zu begutachten."
Für den Firma "Pur" ein Routinefall. "Derlei Schäden übergeben wir automatisch an unsere Haftpflichtversicherung", sagt Serviceleiter Günther Knabe. So beginnt ein reger Schriftwechsel. Ein halbes Jahr lang wird hin und her argumentiert. Mit dem Ergebnis: Die Versicherung zahlt nicht. "Unser Kunde ist ein Winterdienst. Er bestreitet glaubhaft, den Schaden an der Wohnzimmerscheibe verursacht zu haben", heißt es in der Ablehnung. Die Tatsache, dass der Uwe Rummelhagen den Vorgang selbst nicht beobachtet hatte, wird ihm zum Verhängnis. Da hilft es auch nicht, dass er einen Nachbarn als Zeugen benennt. Dieser habe, so legt die Versicherung dar, den vermeintlichen Unfallhergang nicht mitverfolgt und daher dazu keine Aussage treffen können.

Reinigungsfirma bittet um Entschuldigung

Nach sh:z-Recherchen kommt Bewegung in die leidige Angelegenheit. Günther Knabe erscheint zu einem Gütetermin im Ochsenweg. Er versichert, bereits zuvor zwei Mal vor Ort gewesen zu sein, um den "nicht sofort ersichtlichen" Schaden zu inspizieren, habe den Hausherren leider nicht angetroffen.
Plötzlich erscheinen die Schadenersatzansprüche als rechtlich gar nicht mehr so unbegründet. "Ich muss nun eingestehen, dass der Schaden durch uns entstanden ist", gibt Knabe etwas kleinlaut zu. Er wolle sich nunmehr selber als Zeuge zur Verfügung stellen. Und bittet den Flensburger um Entschuldigung - Rummelhagen nimmt an.
Doch ein gesundes Misstrauen bleibt. Er glaube erst an ein gutes Ende, "wenn das neue Fenster eingesetzt und das Geld gezahlt ist".

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