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Wohnen an der Flensburger Förde : Lange will Mietspiegel für Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Instrument könne mehr Transparenz schaffen – und fehle hier als einziger der fünf größten Städte in Schleswig-Holstein

Oberbürgermeisterin Simone Lange möchte in Flensburg einen Mietspiegel unter anderem nach dem Kieler Vorbild. „Was ich in Flensburg vermisse, ist ein Mietspiegel, an dem ich ablesen kann, wie sich meine Mieten entwickeln“, erklärte Lange im Sommer-Interview gegenüber dem Tageblatt. Andere Städte hätten das längst. „So höre ich immer wieder den Vorwurf, unsere Mieten würden sich exorbitant entwickeln. Ich kann es aber nicht objektiv nachvollziehen, weil ich keinen Mietspiegel habe“, so die Verwaltungschefin, die gerade 200 Tage im Amt ist.

Qualifizierte Mietspiegel haben neben der Landeshauptstadt Kiel (Durchschnittsmiete netto kalt 8,59 Euro/Quadratmeter) auch schon die Städte Lübeck (8,13 €/m²), Neumünster (6,47 €/m²) und Norderstedt (9,99 €/m²) – womit Flensburg als einzige größere Stadt im Land bislang noch ohne Mietspiegel ist.

In Flensburg gaben die beiden großen Wohnungsbau-Genossenschaften SBV und FAB die Durchschnittsmieten im jüngsten Geschäftsbericht mit 5,09 bzw. 5,10 Euro an. Insgesamt dürfte die Durchschnittsmiete in der Stadt aber höher liegen – um es genauer zu ermitteln, bedürfte es eben eines Mietspiegels.

Der Kieler Mietspiegel 2017 ist am 20. Juni in Kraft getreten. Es handele sich um einen qualifizierten Mietspiegel nach Paragraf 558 d Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Er liefere ein wissenschaftlich abgesichertes und differenziertes Bild der aktuell in Kiel gezahlten durchschnittlichen Mieten, heißt es dazu auf der Internetseite der Stadt Kiel. Er ist aufgeschlüsselt nach Stadtteilen. Für das Hochhausviertel Mettenhof am westlichen Stadtrand liegt der Mietpreis demnach mit durchschnittlich 6,62 Euro mit Abstand am günstigsten, wer in der Altstadt wohnen möchte, muss demnach über 13 Euro glatt mit dem doppelten Preis rechnen. Der Kieler Mietspiegel bilde damit eine repräsentative und rechtssichere Grundlage für die Mietpreisgestaltung, so die Erfahrung in der Landeshauptstadt.Für Flensburg wäre allein interessant, wie die Unterschiede zwischen den 13 Stadtteilen zwischen Nordstadt und Mürwik sind.

Zuletzt 2016 hatte der Mieterverein in Flensburg das Thema aufs Tableau gebracht. Seit Jahren werde die Einführung eines Mietspiegels in Flensburg verhindert, schimpfte seinerzeit Detlev Gutsch vom Mieterverein. Verhindert habe die Stadt auch die Einführung einer Mietpreisbremse. Verhindert worden sei weiterhin die Einführung der Kappungsgrenzenverordnung. Mit dem Mietspiegel wären Mieter und Vermieter in die Situation gesetzt worden, mit aktuellen Mietpreise transparent arbeiten zu können. Die Mietpreisbremse hätte verhindert, dass bei Neuvermietungen der Mietzins um mehr als 10 Prozent angehoben werden darf, die Kappungsgrenzenverordnung hätte bedeutet, dass Mietzinsen innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 15 Prozent angehoben werden dürfen, so Gutsch im vergangenen Jahr weiter.

Interessant ist, dass sich in Flensburg seit Jahren sowohl Mieterverein als auch der Hauseigentümerverein Haus & Grund für einen Mietspiegel aussprechen. Begründung: Mehr Transparenz auf dem Markt helfe Anbietern wie Wohnungssuchenden in der wachsenden Stadt Flensburg.

Interview Seite 10

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erstellt am 07.Aug.2017 | 06:29 Uhr

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