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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Lange Nächte in Husbyries

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1876 entstand die Gastwirtschaft Husbyries. Genau 100 Jahre später kam mit dem „Bluntschli“ die Musik ins Haus – heute bekannt als das „Plunschli“.

Husby | Seit mehr als drei Jahrzehnten macht das „Plunschli“ von sich reden. Das verwundert nicht, denn die Toten Hosen waren in den 80ern mehrmals dort, Marius Müller-Westernhagen oder Heinz Rudolf Kunze und auch die Jungs von „Trio“. Außerdem zieht es seit Jahren Unmengen regionaler Bands in die Musik-Kneipe oder zeitweise auch Disco am Husbyer Waldrand. Wie oft hieß es seitdem: „Lass’ uns mal ins Plunschli!“ In den mehr als 100 Jahren davor aber spielte jener Treffpunkt Musik liebender Künstler und Bürger noch gar keine Rolle. Und doch hatten Menschen aus ganz Angeln, aus Flensburg, aus Husby selbst natürlich, aus Langballig über Gelting bis nach Kappeln seinerzeit in Husbyries mindestens genauso viel Spaß. Schon seit 1876 nämlich sagte man: „Komm, wir fahren nach Husbyries!“ Ein richtiger eigenständiger Ortsteil von Husby war das zwar nie, man kann aber guten Gewissens behaupten, dass es seit jeher der originellste, lebhafteste Teil der Angelner Gemeinde ist, denn hier, ganz in der Nähe der Weggabelung nach Lutzhöft in Richtung Langballig, entstand die „Gast- und Landwirtschaft Husbyries“.

Umgeben ist der Gebäudekomplex seit jeher von Ländereien, alles zusammen über 2,5 Hektar groß. „In Husbyries pulsierte das Leben, und es hat auch in meinem Leben immer eine Rolle gespielt“, sagt Uwe Meyer, der Archivar des Kirchspiels Husby, der die aktuelle Chronik herausgegeben hat. Schöne Erinnerungen sind es, die der 75-Jährige damit verbindet. Der Gastwirt Johannes Björnsen aus Husby eröffnete „Husbyries“ 1876. Schnell, sagt Meyer, habe der Husbyer Gesangverein „Fidelitas“, der vor zwei Jahren 150 Jahre alt wurde, Husbyries für sich entdeckt, hielt dort seit 1887 Versammlungen und vor allem seine Probenabende ab, ernannte es zum Vereinslokal. Auch der Gemeinderat tagte bald in Husbyries – und vor allem Scharen von Kindern vergnügten sich dort. „In meiner Kindheit war ich bei vielen Kinderfesten und Gilden, als Fünf- oder Sechsjähriger muss ich das erste Mal da gewesen sein“, erinnert sich Meyer. Und auch als Erwachsener besuchte er die Kinderfeste – mit seinem Nachwuchs, in den 70er Jahren. Und natürlich ist Meyer als junger Mann in Husybries zum Tanz gewesen, wie es so viele taten. In Husbyries traf man sich, feierte, klönte, trank das ein oder andere Bier.

Meyer zufolge hat es in Husbyries seit 1884 auch für eine lange Zeit eine nicht unbedeutende Hengststation von Traventhaler bei Bad Segeberg gegeben. Die Menschen reisten eigens an, um ihre Stuten von den fünf Hengsten decken zu lassen. Pferde legten dort auch mit der Postkutsche einen Stopp ein. Die Tiere wurden an der Stelle getränkt, wo sich heute am alten Saal die Toiletten befinden.

Sechs Gastwirte gaben sich seit 1876 die Klinke in die Hand, dann kam die erste große Veränderung für Husbyries. Der Diplomingenieur Martin Ploppa aus dem benachbarten Grundhof wurde 1969 Eigentümer, „da wurde vieles anders. Ploppa hat die Gebäude komplett renoviert, acht Fremdenzimmer eingerichtet. Sein Sohn Christian wurde Pächter“, weiß Meyer. „Viele Dänen quartierten sich dort ein, im Grunde alle Menschen, die hier entlangreisten. Die Städter wollten raus aufs Land.“ Husbyries blieb aber auch in dieser Zeit in erster Linie Gaststätte.

Der Archivar sagt, Husbyries war und bleibe ein wichtiger Teil der Geschichte des Dorfes. Er ist froh, dass es in all den Jahren keine Brände gab, nie „Schnack“ darüber, es abzureißen. „Es wird durch das Plunschli noch immer am Leben erhalten, das ist sehr schön.“ Gegründet wurde das Lokal übrigens unter dem Namen „Bluntschli“. Christian Ploppa machte seine Gaststätte 1976 dicht, baute drei Monate lang um und eröffnete mit zwei Kompagnons den Musikbetrieb. „Das war unser Baby“, sagt Ploppa, der heute in Boren lebt. Viele Bands, auch große dänische wie „Gnags“, holten die drei nach Husbyries, zeigten dort auch einmal pro Woche als kommunales Kino einen Film. Seit 1983 ist Jürgen Hintz, der selbst dort wohnt, Eigentümer. Seitdem kennt man es im Grunde als „Plunschli“, doch es gab viele neue Betreiber, und neue Namen wie „Nashville“, „Jojo“, „Blue Orange“ oder „Renates Krog“. Viele Besucher rauschten mit dem Moped dorthin, angezogen von Musik, Geselligkeit – und immer noch dem kühlen Bier.

Seit Sommer 2013 heißt es „Meyers Plunschli“. Vollblutmusiker Heiko Meyer (51) geht dort seiner Leidenschaft nach, steht auch in der Küche und hinterm Tresen. Er will Husbyries zum Szenetreff für Musiker der ganzen Region machen, „das hier so hochziehen, dass ich es bis zur Rente machen kann“, sagt er. Was er am meisten liebt: „Du stolperst bei jedem Schritt über Geschichte, und über Leute, die hier seit 30 Jahren die Stühle kaputtsitzen.“

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erstellt am 19.Feb.2015 | 16:30 Uhr

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