Verbindung von Brunsnis : Langballig will keine Fähre

Rote Karte für die Fähre zwischen Brunsnis und Landballigau. Die Gemeinde will dadurch die „Feodora II“ schützen.
Rote Karte für die Fähre zwischen Brunsnis und Landballigau. Die Gemeinde will dadurch die „Feodora II“ schützen.

Die Dänen wollen eine regelmäßige Verbindung von Brunsnis einrichten.

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25. Februar 2018, 12:00 Uhr

„Das ist ein Angebot, das wir nicht ablehnen können“, sagte Gorm Casper, Geschäftsführer der „Tourismus-Agentur Flensburger Förde“. Von dänischer Seite aus war der Vorschlag gekommen, eine Fährverbindung für Personen und Fahrräder von Brunsnis auf der Halbinsel Broager nach Langballigau einzurichten und sie im Juli erst einmal für einen Monat zu testen. „Dies ist eine wichtige Entwicklung, die dringend zu realisieren ist“, erklärte Casper in der Hoffnung, dass die Gemeinde Langballig die Fähre in ihrem Hafen willkommen heißt. Doch da täuschte sich der Tourismus-Fachmann. Die Gemeindevertretung stellte die Ampel auf Rot.

Bereits seit vielen Jahren gibt es die Idee, die historische Fährverbindung zwischen Brunsnis und Holnis wiederzubeleben. Nun hatte die dänische Wirtschaftsbehörde und die Kommune Sonderburg 200 000 Kronen (gut 26 000 Euro) bereitgestellt, um eine Verbindung zu entwickeln. Herausgekommen ist ein Businessplan, der den Gemeindevertretern in Langballig vorlag. Demnach soll die Fähre von Juni bis August sowie an den Wochenenden im April, Mai, September und Oktober täglich acht Fahrten unternehmen. Außerhalb der Saison sind Vermietungen, Chartertouren und Seebestattungen vorgesehen. Der Plan geht von jährlich insgesamt 8143 Passagieren aus. Eingeräumt wird, dass die professionell betriebene Fähre nicht allein durch den Verkauf von Fahrkarten finanziert werden kann. Vielmehr würden öffentliche Zuschüsse benötigt.

Damit dem in Langballigau beheimateten Fahrgastschiff „Feodora II“ keine Wettbewerbsnachteile entstehen, soll die Fähre im Juli und im August jeweils mittwochs einen Ruhetag einlegen.

In der Sitzung der Gemeindevertretung teilte Kapitän Alexander Klein als Eigner der „Feodora II“ mit, dass er 2017 auf der Strecke Langballigau – Sonderburg 6605 Passagiere und etwa 500 Fahrräder befördert habe. In der Gesamtjahresbilanz sei das defizitär. „Nur durch die Seebestattungen erreichen wir ein halbwegs zufriedenstellendes Ergebnis.“ Klein sieht sich durch das dänische Projekt, das mit öffentlichen Mitteln gefördert werden soll, in seiner Existenz gefährdet. Langballigs Bürgermeister Peter Dietrich Henningsen machte kein Hehl daraus, dass er und die Gemeindevertretung sich von dem dänischen Vorstoß überrumpelt und vor vollendete Tatsachen gestellt fühlen. Die Gemeindevertreter stellten fest, dass der Kuchen nicht so groß sei, um ihn teilen zu können. Zudem wurden die ungleichen Voraussetzungen beklagt: privatwirtschaftlicher Betrieb hier, öffentlich subventionierter da.

In seinem Antwortschreiben an Gorm Casper widerspricht der Bürgermeister der Aussage, das neue Projekt beeinträchtige die Wirtschaftlichkeit der „Feodora II“ nicht – sogar auf dem Geschäftsfeld der Seebestattung solle eine Konkurrenz aufgebaut werden. Die Gemeindevertretung verweigerte ihr Einverständnis zur Testphase für die geplante Fährroute.

Gerhard Jacobsen, Vorstandsmitglied der Dorfgemeinschaft Brunsæs-Iller-Busholm, hat für die Entscheidung aus Landballig überhaupt kein Verständnis. „Dort waren andere Mächte im Spiel. Vor Ort gibt es Machtspiele, von denen wir nichts wissen konnten. Man hat uns einstimmig ins offene Messer laufen lassen“, so Jacobsen. Er hatte schon vor einigen Jahren in Langballig über das Projekt informiert. Damals waren die Ansprechpartner überhaupt nicht negativ gewesen. „Aber jetzt waren wir so nah am Ziel. Sie hätten mit offenen Karten spielen sollen“, erklärt Gerhard Jacobsen.

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