Schifffahrtsmuseum : Landesgeschichte in alten Photographien

„Kamera als Tuschkasten“: So hat Lichtbildner Theodor Möller sein Werkzeug bezeichnet, mit dem er auch diese Szene in Büsum 1936  beim Entladen des Fanges festhielt.
„Kamera als Tuschkasten“: So hat Lichtbildner Theodor Möller sein Werkzeug bezeichnet, mit dem er auch diese Szene in Büsum 1936 beim Entladen des Fanges festhielt.

Theodor Möllers Bild-Archiv zählt zu den wertvollsten im Bestand des Landesamts für Denkmalpflege – heute öffnet eine Ausstellung in Flensburg

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20. November 2013, 07:00 Uhr

Wer sucht, der wird sie finden, die Menschen in den Bildern: den jungen Mann mit Pfeife auf einem Fischerboot, die Kinder im beschatteten Winkel eines Fischerhauses oder natürlich Netze flickende Fischer. Meist aber seien die Fotografien menschenleer oder Figuren bloße Staffage, sagt Thomas Overdick. In seinem Schifffahrtsmuseum in Flensburg sind ab heute „Schleswig-Holsteins Küsten in alten Photographien“ (bis 23.Februar 2014) zu sehen. Der Museumsleiter nennt sich „glücklich, einen der bedeutendsten volkskundlichen Fotografen Norddeutschlands“ auszustellen.

Entstanden sind die Sehenswürdigkeiten des gelernten Lehrers, der vor 140 Jahren in Rumohr bei Kiel in eine Bauernfamilie geboren wurde, zwischen 1904 und 1939. So wie viele seiner Zeitgenossen sei auch Theodor Möller in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchs Land gezogen, um das Alte zu bewahren, seinen „Blick für das Althergebrachte“ schweifen zu lassen – auch in dem Geiste, „etwas bewahren zu wollen“. Overdick bemerkt, dass Möller ausgerechnet das neue Medium der Fotografie dafür nutzt. Landschaften, Dörfer, Städte habe der Volkskundler dokumentiert, sei gekreiselt, um ein Schiff zum Beispiel, um es aus diversen Blickwinkeln festzuhalten. Daraus seien auch Mini-Serien entsprungen, „die kleine Geschichten erzählen“, sagt Overdick.

Und Geschichte. Flensburger kommen etwa in den Genuss, alte Aufnahmen des Nordermarkts mit Neptunbrunnen, Parfümerie Wollesen und Straßenbahn wiederzusehen. Der Schwerpunkt der Ausstellung in seinem Hause liege auf den Küsten, sagt Thomas Overdick, und beinhaltet damit auch Ansichten aus Langballigau oder Büsum. Flensburg ist keineswegs die einzige und erste Stadt mit Möller-Ausstellung. Über ein Dutzend Museen, darunter in Meldorf oder Tetenbüll, zählt Kunsthistoriker Jürgen Ostwald, die bislang vom Bilder-Schatz des Kielers profitierten. Im deutschlandweiten Vergleich bewertet Museumschef Thomas Overdick die Sammlung als einmalig – „in dieser Vollständigkeit und dem hohen Erschließungsgrad“. Wie durch ein Wunder blieb sie unberührt, obwohl das Haus der Möllers im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Noch zu Lebzeiten, 1950, habe der „Photograph“, im besten Wortsinn der Lichtbildner, 6000 Originale von Glasplatten und Rollfilmen dem Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein anvertraut, das dieses Vermächtnis hütet.

Eine emsige Dame dort sorge sensibel für großformatige Handabzüge der Möller-Originale; 2 000 für den Ausstellungsreigen habe sie bislang derart behandelt, weiß Jürgen Ostwald, der sich für die Fielmann-AG um die Förderung Schleswig-Holsteinischer Museen kümmert. Das Unternehmen stiftet Museen und Archiven ausgewählte Exponate und fördert Ausstellungen – es unterstützt insbesondere auch kleinere Häuser, deren Etat jedes Jahr aufs neue wackelt, sagt Ostwald. Die Möller-Schau vielerorts in Schleswig-Holstein betrachtet der Kunsthistoriker als einen Beitrag zur Belebung der Stadtgeschichte in den Orten.

Inhaltlich fügt er der möglichen konservativen Deutung eine nicht revisionistisch verklärende, sondern emanzipatorische Sicht hinzu. Ostwald versteht die fest gehaltenen Abbildungen der Wirklichkeit als reformerisch, durchaus mit Blick nach vorn, in die Zukunft gerichtet.

Die repräsentative Auswahl der Möller-Fotografien hat Günther Fielmann dem Flensburger Schifffahrtsmuseum im April 2012 geschenkt. Seit zehn Jahren schon unterstütze das Unternehmen Ausstellungen wie diese mit deutlichem Schleswig-Holstein-Bezug, erinnert Sönke Peters, Leiter der Fielmann-Niederlassung in Flensburg. Und er schließt den Kreis: Günther Fielmann komme aus der Fotografie, sei erst dann in die Optik gewechselt.

Theodor Möller, Schleswig-Holsteins Küsten in alten Photographien, Schifffahrtsmuseum Flensburg, Schiffbrücke 39, Di-So, 10-17 Uhr, bis 23. Februar 2014; Ansprechpartner für Anfragen nach Abzügen ist das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel.

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