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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 21:09 Uhr

Land prüft Flüchtlingsdorf in Sonwik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das edle Quartier taucht neben dem Ex-Fernmeldebereich und der Meiereistraße in der Untersuchung auf – eine Entscheidung steht noch aus

Überraschung für das vornehme Wohnquartier Sonwik: Das preisgekrönte Konversionsprojekt, in das in den vergangenen 13 Jahren mehr als 100 Millionen Euro von Flensburger Investoren flossen, ist in der Prüfung als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in der aktuellen Flüchtlingskrise. Das steht in der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Petra Nicolaisen (Flensburg-Land): „Die Landesregierung prüft weiterhin unter Beachtung der kurz- und mittelfristigen Bedarfe landesweit Liegenschaften auf ihre Geeignetheit zur Errichtung von Erstaufnahmeeinrichtungen“, schreibt das Innenministerium. Das gelte auch für den Bereich Flensburg. Dabei seien „unter anderem“ folgende Liegenschaften geprüft worden:

1.Fernmeldebereich 91

(FM91) – Twedter Feld 11: Die Gebäude auf dem Gelände der Marineschule Mürwik (MSM) sind seit fast drei Jahren ungenutzt, als im März 2013 die letzten 216 Soldaten und 27 Zivilangestellten nach mehr als 50 Jahren die Geschichte der Fernmelder in Flensburg beendeten. Es habe sich jedoch herausgestellt, hatte der Standortälteste Manfred Saust gegenüber dem Tageblatt bereits erklärt, dass die Umbaukosten zu hoch seien.

2. Ex-Standortverwaltung

Bima-Liegenschaft, Meiereistraße 41: Die Gebäude des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums an der Meiereistraße stehen leer und sollen eigentlich zum Jahreswechsel ins Eigentum der Stadt übergehen. Flensburg plant hier ein neues Stadtviertel mit rund 400 Wohnungen. Im Sanierungsgebiet Neustadt gelten besondere Bestimmungen. Die Stadt hat ein grundsätzliches Vorkaufsrecht, wenn ein Gebäude verkauft werden soll. Die Verkaufsverhandlungen mit der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) seien sehr weit, hieß es bereits vor Wochen. Man könne sich schwer vorstellen, dass es kurzfristig zu anderen Verkaufsoptionen komme.

3. Liegenschaft Sonwik

der Marineschule: Die Bundeswehr hat die Schlosserei, Lager und Werkstätten bereits Anfang des Jahres verlassen. Für das langgestreckte Haus 2 ganz im Norden des maritimen Quartiers an der Förde haben die Sonwik-Investoren bereits Pläne für ein Wellness-Hotel mit 85 Zimmern sowie Innen- und Außenpool – und mit Jan Pinnow auch schon einen Betreiber dafür (wir berichteten).

Am 10. November hatte das Kieler Innenminsterium das Aus für sein ursprünglich geplantes Flüchtlingsdorf auf dem Campus verkündet. Weder die notwendige Größe noch das nötige Tempo seien dort noch sinnvoll. Einen Tag später erklärte Minister Stefan Studt in Eggebek, dass aber auch in Flensburg weiter nach Erstaufnahmestandorten gesucht werde. Die Ankündigung aus Berlin, dass Bundesliegenschaften für die Länder instandgesetzt, zehn Jahre mietfrei und kostenlos als Flüchtlings-Erstaufnahme zu Verfügung gestellt werden, hatte im Kieler Innenministerium zu einer Orientierung hin zu leer stehenden Kasernengebäuden geführt.

„Eine abschließende Entscheidung über die Errichtung einer Erstaufnahme in Flensburg wurde noch nicht getroffen“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage Petra Nicolaisens, die das Datum vom 15. Dezember trägt.

Dabei bleibt unklar, wie konkret die Überlegungen derzeit sind. Die Beantwortung der Anfrage endet lapidar: „Es gibt aktuell keine Gespräche mit der Stadt Flensburg.“

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