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Flensburger Tageblatt

20. September 2017 | 09:42 Uhr

Lärmende Laster nerven Anwohner

vom

Ellunder Bürger leiden unter dem Krach, den leere Lkw auf der maroden Ortsdurchfahrt verursachen

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Ellund | Abgesackte Gully-Deckel, Risse und Unebenheiten - zahlreiche Schäden in der Fahrbahndecke stören seit einiger Zeit das Leben im sonst so beschaulichen Ellund. Die Anwohner der Flensburger Straße (L 192) beschweren sich weniger über die allgemeine Zunahme des Durchgangsverkehrs, als vielmehr über einen Effekt, der bei Lkw-Leerfahrten außerordentlich störende Auswüchse zeigt: Trifft ein Lastwagen auf eine defekte Stelle, hüpft er auf und ab - dann schallt ein laut schepperndes Geräusch durch das Dorf. "Als es zum ersten Mal passierte", berichtet Anwohnerin Helga Krause, "dachten wir noch, es war ein Unfall". War es aber nicht. Die ungewohnten Lärm-Attacken prägten bald den Alltag.

Im Dezember vergangenen Jahres sprach der ebenfalls Betroffene Bernd Friedrichsen als bürgerliches Mitglied der SSW-Fraktion im kommunalen Infrastruktur-Asschuss vor. Die Gemeinde sicherte eine Kontaktaufnahme mit dem Landesbetrieb "Straßenbau und Verkehr" (LBV-SH) zu. Eine Reaktion blieb aus. So beschlossen die Anwohner ,selbst das Zepter in die Hand zu nehmen. Sie erstellten ein Anschreiben und eine Unterschriftenliste. Im Juli füllten sich zunehmend die Seiten: Von der Hausnummer eins bis zur 17 - alle Haushalte an der Flensburger Straße unterzeichneten. Außerdem Anwohner im Kastanienhof und im Ulmenweg, wohin der Straßenlärm ebenfalls ausstrahlt.

"Wir als Anwohner der Straße sind durch die kurzen Stöße beim Überfahren trotz geschlossener Fenster unzumutbaren und gesundheitsgefährdenden Belastungen ausgesetzt, die durch Änderungen am Belag vermeidbar wären", heißt es in dem Schreiben. "Davon wird man aggressiv", klagt Sonja Petz. "Am schlimmsten sind die leeren Anhänger", wirft Nachbarin Ulrike Hansen ein. "Wenn sie nachts fahren, steht man senkrecht im Bett."

2010 wurde die ehemalige Betonstraße (L 192) zwischen Süderlügum und Ellund mit einem öffentlich-privaten Finanzierungsmodell (ÖPP) runderneuert. Der alte Fahrbahnbeton wurde gebrochen und als Schotter-Tragschicht unter dem frischen Asphalt belassen. Bis etwa 300 Meter nach Ellund hinein wühlten damals die Baumaschinen. Mitten im Ort die Zäsur: Eine Naht im Belag kennzeichnet den Übergang in einen Abschnitt, unter dem noch die alte Betonschicht schlummert. "Warum hat man nicht 500 Meter weiter gebaut und die ganze Ortsdurchfahrt berücksichtigt?", fragt sich der Ellunder Albert Petz.

"Am Ortseingang Ellund war der Fahrbahnzustand grundlegend anders als in der Ortslage", schildert Rüdiger Scholz, der Flensburger Sachgebietsleiter für Straßenunterhaltung, auf Anfrage. "Eine Erneuerung der Ortslage war nicht erforderlich, sodass das ÖPP-Projekt mit einer Übergangsstrecke am Ortseingang Ellund beendet wurde."

Heute bereitet allerdings der damals nicht berücksichtigte Bereich Kummer. Die Beeinträchtigung der Dorfbewohner durch Lärm und Erschütterung war der Flensburger Behörde offenbar nicht bekannt, die zahlreichen Quer-, Längs- und Netzrisse an der Oberfläche aber schon. In den vergangenen Jahren sind einige Stellen geflickt worden. Mit dem Ergebnis ist man im Grenzort nicht zufrieden. Anwohner Werner Hansen, Schachtmeister im Ruhestand, vermisst eine fachgerechte Arbeit und eine sorgfältige Bauaufsicht. Es sei schlecht "nachverdichtet" worden, nachdem die Straße aufgrund der zu Jahrtausendbeginn verlegten Hausanschlüsse an die Kanalisation leicht abgesackt sei.

Große Hoffnungen auf eine durchschlagende Verbesserung dürfen sich die Ellunder vorerst nicht machen. "Im Vergleich zu anderen Landesstraßen im Zuständigkeitsbereich der Niederlassung Flensburg befindet sich der angesprochene Abschnitt der L192 noch in einem verhältnismäßig guten Zustand", erklärt Rüdiger Scholz. Kurzum: eine komplette Erneuerung der Fahrbahn dürfte auf absehbare Zeit flachfallen. Lediglich mit einer partiellen Sanierung soll wahrscheinlich noch dieses Jahr fortgefahren werden.

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