Lachtraining gegen traurige Feiertage

Kruse
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Humortrainerin und ein Psychologe aus Flensburg wünschen sich mehr Freude an Gedenktagen

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23. November 2013, 12:55 Uhr

Marlies Mansen ist heilfroh, wenn der morgige Totensonntag vorbei ist. Am Montag öffnet der Weihnachtsmarkt – und die Gedenktage im November mit traurigen und demütigen Anlässen sind vorüber. Gut so, findet die 51-jährige Humor- und Lachtrainerin. „Von Gedenktagen dieser Art gibt es ohnehin viel zu viele.“ Ginge es nach ihr, würden Volkstrauertag und Totensonntag zusammengelegt. Im Gegenzug würde ein Weltlachtag am 1. Sonntag im Mai staatlicher Gedenktag: „Zu viel Trauer, Besorgnis und Angst kann zu krankmachendem Stress führen.“

In dieser Hinsicht seien gerade die Deutschen gefährdet, sagt Psychologe Ulrich Kruse. „Wegen unserer besonderen historischen Verantwortung kommt bei staatlichen Gedenktagen jedes Mal der erhobene Zeigefinger zum Vorschein.“ Dies sei auch richtig und wichtig. „Aber dadurch sind sehr viele Gedenktage rückwärtsgerichtet und machen uns ein schlechtes Gewissen“, sagt der 67-Jährige. Erschwerend hinzukomme, dass auch die meisten kirchlichen Feiertage stark von Trauer und Demut geprägt seien. „Dabei gibt es ja religiöse Feiertage, an denen wir uns freuen könnten.“ So sei Weihnachten für viele vor allem mit Stress verbunden.

Inwiefern wirkt sich das auf die Bevölkerung aus? Kruse: „In der Psyche eines jeden Menschen liegt sowohl die Depression als auch das Glück begründet.“ Durch das Übergewicht von besinnlichen Feiertagen werde die depressive Seite der Psyche klar verstärkt. „Die Hirnforschung belegt, dass das Negative leider deutlich länger im Gedächtnis haften bleibt“, ergänzt Mansen, die im Frühjahr 2009 einen Lachclub in Flensburg gründete. Zusammen mit Ehemann Carsten Schmidt und einigen Flensburgern trifft sie sich einmal wöchentlich zum Lachen.

Denn Lachen und Freude bieten zahlreiche Vorteile: „Glückshormone werden ausgeschüttet, Ängste und Depressionen können gelöst werden, Dankbarkeit wird erzeugt, wir sind motivierter, sprühen mehr vor Tatendrang, sind kreativer und leben nachweislich länger.“ Deshalb wünscht sich Kruse einen offiziellen Tag der Freude oder des Glücks.

Dieser Schritt geht ihm noch nicht weit genug. Statt mehrere positiv behaftete Feiertage neu einzuführen, sollten bestehende umgedeutet werden. „Warum müssen wir den Volkstrauertag so schwermütig begehen und rufen uns nicht auch vor Augen, dass wir seit 68 Jahren in Europa in Frieden leben?“ Eine ganz ähnliche Haltung hat Marlies Mansen. Beispiel Totensonntag: „ Direkt nach dem Tod eines Angehörigen oder Freundes ist es sehr wichtig zu trauern.“ Mit etwas Abstand lasse sich Trauer mit Freude bewältigen: „Wir können uns an die schönen gemeinsamen Momente erinnern.“ Zudem warte mit dem Paradies schließlich etwas Schönes.

Das sieht der gläubige Christ Kruse genauso. „Der Umgang mit unseren Feier- und Gedenktagen ist ein wichtiger Ansatz auf dem Weg zu einer glücklicheren Gesellschaft.“


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