Kurzarbeit: Secop unter Druck

Manager Søholm
Manager Søholm

Geschäftsleitung kündigt Sozialtarifvertrag - und hofft auf 2012 und den energieeffizienten Kompressor

shz.de von
03. November 2011, 06:26 Uhr

Flensburg | Schlechte Nachrichten von Danfoss-Compressors-Nachfolger Secop: Das mittlerweile dem Finanzinvestor Aurelius gehörende Unternehmen mit Produktionen in Slowenien, der Slowakei und China fährt mit seiner gut 200 Mitarbeiter starken Restbelegschaft an der Mads-Clausen-Straße Kurzarbeit: "Wir machen alle seit Anfang Oktober Kurzarbeit", erklärte gestern Secop-Geschäftsführer Mogens Søholm (Foto). Bis Juni seien die Geschäfte hervorragend gelaufen. Aber im Juli und August habe sich die Auftragslage drastisch verschlechtert. Es seien 20 Prozent weniger Kühlschränke gekauft worden: "Jetzt machen wir Kurzarbeit, bis der Umsatz wieder steigt", erklärt Søholm. Maximal zwölf Monate lang könne der Betrieb Kurzarbeit fahren, gerade einmal einer davon ist vorbei. Danach könnten betriebsbedingte Kündigungen notwendig sein: "Wir hoffen, dass wir nicht zu dem Punkt kommen", sagt der Geschäftsführer. Dennoch hat er vorsorglich den Sozialtarifvertrag gekündigt, der in der Phase der großen Entlassungen 2008 ausgehandelt worden war und die Frage von Abfindungen und Transfergesellschaft regelte. Ende Dezember verliert der Tarifvertrag nun seine Gültigkeit - ganz zum Ärgernis von Belegschaft und Gewerkschaften. "Wir haben versucht, Ruhe in den Betrieb reinzubekommen", sagt IG-Metall-Chef Michael Schmidt. Doch jetzt sei die Stimmung im Keller: "Die Leute sind völlig verunsichert." Kurzarbeit und weniger Geld hätten die Mitarbeiter - überwiegend hochqualifizierte Ingenieure und Techniker aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich - hingenommen. "Aber wenn die Perspektive nicht mehr stimmt?" Für Geschäftsführer Mogens Søholm ist der Sozialtarifvertrag eine Vereinbarung für die damals gekündigten Produktionsmitarbeiter - ein Vertrag aus einer anderen Zeit.

Ob der Ausstieg zu diesem Zeitpunkt notwendig war, bezweifeln indes Mitarbeiter und Metaller. Secop habe einen tollen neuen Kompressor, der die Wende bringen könnte. "Das stimmt", bestätigt Søholm. Der energieeffiziente Kompressor der Spitzenklasse werde hier in Flensburg entwickelt, aber erst im kommenden Jahr in Produktion gehen.

IG-Metall-Chef Schmidt hofft, dass der Tarifvertrag bleibt, der die Leute bei der Stange hält. Doch bei den Mitarbeitern seien sie wieder da - die Befürchtungen, der Finanzinvestor Aurelius könnte die Leute auspressen.

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