Standpunkt : Kurs Zukunft

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04. Juni 2014, 07:40 Uhr

Selten hat ein Flensburger Unternehmen auf Probleme so offen reagiert: Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft beruft mit Frank Bywater einen zweiten Kapitän auf die Brücke – und zwar mit der sachlichen Feststellung, dass die im Serienschiffbau gewachsenen Strukturen der radikalen Kursänderung hin zum Bau von komplexen Spezialschiffen nicht standgehalten haben. Das Ergebnis des unfreiwilligen Stresstestes ist seit 22. März an der Ausrüstungspier der Werft zu besichtigen. Erstmals warten hier drei Schiffe auf ihre Fertigstellung, das hatte es bei den schlanken, automatisierten Abläufen der FSG 20 Jahre nicht gegeben. Erstmals seither wird auch ein Schiff nicht rechtzeitig abgeliefert und erstmals werden auch kostspielige Nachbesserungen eingeräumt, die schweren Funktionsstörungen in der Projektsteuerung geschuldet sind. Nun ist mit dem Harrisleer Frank Bywater ein Geschäftsführer berufen worden, der mit der FSG bestens verbunden ist: Bywater nämlich hatte als Planungsleiter zwischen 1992 und 2005 wesentlichen Anteil daran, dass die FSG aus dem Harmsdorf-Konkurs zum Weltmarktführer durchstarten konnte – also eine Personalie, die durchaus Anlass zu Hoffnungen gibt. Zu Hoffnung berechtigt auch der Umgang des Traditions-Unternehmens mit der Misere: Wer so offen spricht, ist selbstbewusst genug.

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