Kurioses aus dem Glücksburger Datenleck: Einstweilige Verfügung gegen Stadtrat John Witt

John Witt
John Witt

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01. Februar 2011, 03:59 Uhr

Flensburg / Glücksburg | Glücksburgs bundesweit beachtetes Datenleck ist in einer neuen Eskalationsspirale angekommen. Reimer Backen, der nach eigenen Angaben völlig unproblematisch und mit amtlichem Stempel Festplatten mit sensiblen Bürgerdaten auf einem Flohmarkt der Verwaltung kaufen konnte, hat jetzt vor dem Flensburger Amtgericht einen Beschluss erwirkt. Der verbietet es Stadtrat John Witt, das Gegenteil zu behaupten - nämlich, dass Backen widerrechtlich in das für den Abriss leer stehende Rathaus eingeschlichen und die Festplatten und Datenserver widerrechtlich an sich gebracht habe.

Witt, ehemals Glücksburgs Bürgermeister und jetzt in der Verwaltungsehe mit Flensburg zuständiger Stadtrat, war schon früh nach Bekanntwerden des Datenlecks in zahlreichen Publikationen dahingehend zitiert worden, Backen habe die Daten aus dem geschlossenen Rathaus geklaut. Dagegen hat der Glücksburger jetzt eine gerichtliche Verfügung erwirkt: John Witt darf diese Behauptung bei Androhung von sechs Monaten Haft oder 250 000 Euro Geldstrafe nicht mehr aufstellen.

Der wundert sich nur über die jüngste Entwicklung. "Was treibt diesen Mann?" Witt weiß noch nicht, ob er gegen den richterlichen Beschluss Rechtsmittel einlegt. "Dann werde ich das eben nicht mehr behaupten, dass Backen gestohlen hat, sondern sagen, dass er nach unserer Auffassung die Daten nicht legal erworben hat", so John Witt gestern auf Nachfrage. Wie stichhaltig diese Auffassung ist, wird derzeit geprüft. Witt hatte für die Glücksburger Stadtverwaltung Anzeige wegen Diebstahls gegen Reimer Backen erstattet. Mit dem Abschluss der Ermittlungen rechnet er Ende Februar. "Dann wissen wir Bescheid."

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