Kunst-Botschafterin mit Sehnsucht nach Afrika

Carola Rasmussen mit einer der großformatigen Steinskulpturen.  Foto: Friebel
Carola Rasmussen mit einer der großformatigen Steinskulpturen. Foto: Friebel

Ein letztes Mal präsentiert Carola Asmussen eine ihrer traditionellen Ausstellungen mit afrikanischer Kunst in Glücksburg.Danach geht es zurück in ihre neue Heimat auf dem schwarzen Kontinent, diesmal ohne ein Rückflugticket.

shz.de von
22. August 2009, 03:59 Uhr

Glücksburg | Zum zehnten und letzten Mal bringt Carola Rasmussen in diesem Sommer einen Hauch von Afrika nach Glücksburg. Auf dem idyllischen Grundstück von Dr. Helga Windt in der Schwennaustraße präsentiert sie Steinskulpturen, in die sich die frühere Journalistin während ihres Lebens in Simbabwe verliebt hat. Wegen der Kunst der afrikanischen Bildhauer wurde in den neunziger Jahren aus der renommierten Journalistin eine Galeristin, die in ganz Europa als Kennerin und Botschafterin für Kunst vom schwarzen Kontinent anerkannt wird.

In Afrika hatte die damals 25-jährige Carola bei einer Reportage über Entwicklungshilfe ihren dänischen Ehemann kennen gelernt. Thorben Rasmussen arbeitete in Tansania als Entwicklungshelfer, wurde später Journalist, um mit seiner Frau Dokumentarfilme zu drehen und über die politische Entwicklung in den afrikanischen Ländern zu berichten.

Der Ausbildung der beiden Töchter zuliebe ging die Familie 1992 nach Dänemark. "Weiße Kinder fühlen sich in Afrika nie richtig heimisch" - das hat Carola Rasmussen oft genug erlebt. "Ein wirkliches Heimatgefühl", überlegt sie, "habe ich ja auch nicht. Trotzdem möchte ich nirgendwo anders als in Afrika leben. Auch wenn ich als weiße Frau nie richtig dazu gehören werde. Aber das ist auch gut so."

Mittlerweile ist die Liebe zwischen Thorben und Carola erloschen, die Liebe zu Afrika hörte für die Deutsche, die sich mit der natürlichen Anmut der Afrikanerinnen bewegt, niemals auf. Vor drei Jahren verkaufte sie ihr Haus in Apenrade und packte die Koffer für Tansania. Die Sehnsucht nach Afrika war immer geblieben.

Neue Freunde hat die weltoffene 60-Jährige längst gefunden. Da sind afrikanische Intellektuelle, eine Handvoll interessanter Deutscher, die ebenfalls das Leben in Afrika lieben, oder die englische Nachbarin, die einen Buchladen mit Café plant, für das Carola Rasmussen schon bald deutsche Torten backen will.

Außerdem soll um das Rasmussen-Haus in Tansania ein Skulpturenpark entstehen. Deshalb wird sie nach der Ausstellung in Glücksburg alle Arbeiten, die nicht verkauft wurden, in einen Container packen und in ihre neue Heimat verschiffen lassen.

Die politische Situation ist kompliziert, Menschenrechte werden missachtet und der Staat kassiert ab, wo er nur kann. "Steinskulpturen aus Simbabwe sind für mich im Ankauf zehn Mal so teuer geworden und die Kosten für den Transport haben sich vervierfacht. Deshalb höre ich nach der Glücksburger Ausstellung damit auf." Und als ob die Mitarbeit im Buchcafé und der Skulpturengarten noch nicht genug wären, hat die Expertin für afrikanische Kunst gerade den Auftrag bekommen, Kunsthandwerk für Museums shops einzukaufen. Ihr traut man eben den guten Blick zu, Wertvolles von Massenproduktion zu unterscheiden. "Eine Aufgabe, auf die ich mich freue", gibt sie zu und zeigt in Glücksburg auch noch eine Auswahl ausgesuchter kunsthandwerklicher Arbeiten, die zwar keine Unikate sind, aber die ganze Bandbreite afrikanischer Kunst zeigen und einen Hauch von Afrika in den norddeutschen Alltag bringen werden. Vielleicht auch den Gedanken an die mutige Frau, die mit fast 60 Jahren in Tansania noch mal ein neues Leben begonnen hat. Denn zu jedem Stück hat sie eine Geschichte zu erzählen.

Nur wenn Kunstkenner glauben, erkannt zu haben, dass die Künstler aus Simbabwe bei den europäischen Kunst-Großen "abgekupfert" haben, wird sie ungeduldig und spricht von europäischer Ignoranz. "So kann nur jemand argumentieren, der die Situation dort nicht kennt. Es gibt kein Kunststudium, keine Bücher. Die jungen Künstler gehen zu einem Meister und arbeiten dort mit, bis sie gut genug sind. Im Gegenteil. europäische Künstler haben vom afrikanischen Stil gelernt und ihn imitiert. Beweise für die Tradition der langen Geschichte der afrikanischen Kunst werden immer wieder bei Ausgrabungen gefunden."

Langweilig wird das Leben von Carola Rasmussen nicht werden, "aber vielleicht ein bisschen ruhiger", resümiert sie und hat nach ein paar Wochen im Haus ihrer Glücksburger Freundin bei aller Vorfreude auf die Ausstellung immer auch Sehnsucht nach Afrika.

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