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Orpheus-Theater : Kulturelles Juwel im Kleinformat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im März 1991 wurde das Orpheus-Theater über dem Porticus an der Marienstraße eröffnet. Tim Fischer ist der Höhepunkt des Jubiläumsprogramms.

Flensburg | Er steht sinnbildlich für Musik und Tanz. Der Sänger und Dichter Orpheus betörte einst Götter, Menschen – sogar Tiere, Pflanzen und Steine. Die Bäume sollen sich ihm gar zugeneigt haben, weil er so lieblich spielte. So will es die griechische Mythologie.

Großer Zuneigung erfreut sich auch das Orpheus-Theater an der Marienstraße – und das bereits seit 25 Jahren. Gleichwohl darf man dem Namen keine größere Bedeutung beimessen. Er ist schlicht ein Zufallsfund aus dem Duden. „Wir haben einfach eine Seite aufgeschlagen und dann sprang uns der Begriff entgegen“, sagt Conny Meesenburg, die mit ihrem damaligen, inzwischen verstorbenen Lebenspartner Helge Thordsen das Etablissement gründete.

Ein von großem Idealismus getragenes Projekt. „Wir waren naiv, aber enthusiastisch“, sagt die Theater-Chefin. Der Dachboden über der damals von Helge Thordsen betriebenen Szene-Kneipe „Porticus“ war mit Gerümpel übersät und von den Ausmaßen her sehr überschaubar. Ein Handwerker verschalte Wände wie Decke und errichtete die Bühne. Dann trat Conny Horn, wie sie damals hieß, in Aktion. Die selbstständige Schauwerbegestalterin schlug sich mit Pinsel und Farbe die Nächte um die Ohren, dekorierte mit Accessoires und Antiquitäten aus dem Hof-Restaurant und der Brasserie, die Thordsen gehörten. Kronleuchter, Säulen und Spiegel sorgen für ein unverwechselbares Ambiente. Schließlich war die Arbeit vollendet. 60 Gäste fanden Platz an kleinen Tischen – so wurde am 9. März 1991 mit einem Kleinkunst-Programm Einweihung gefeiert.

Helge Thordsen war ein Exzentriker – verhinderter Schauspieler und Theater-besessen. Mit Conny besuchte er regelmäßig das Schmidt’s oder Montmartre in Hamburg; dort holten sie sich ihre Inspiration: über Marlene Jaschke, Lilo Wanders und schließlich auch Tim Fischer, der damals noch völlig unbekannt war und vom Orpheus aus seine Karriere in Angriff nahm. Er wird am 22. und 23. April mit seinem Programm „Geliebte Lieder“ erneut zu Gast im Orpheus sein – die Auftritte sind längst ausverkauft.

In den Anfängen war das Programm noch stark auf Kabarett und Comedy zugeschnitten – Eddy Winkelmann, Ingo Appelt oder Monty Arnold kamen gern nach Flensburg, um nur drei Namen zu nennen. „Vieles, was heute Rang und Namen hat, war bei uns“, sagt Conny Meesenburg selbstbewusst. Dennoch war es immer ein Überlebenskampf für das frei finanzierte Theater, dass auf keine öffentliche Förderung zurückgreift. Den Abo-Verkauf, der ihr eine relative Planungssicherheit bot, hat sie seit einigen Jahren aufgegeben.

Im Jubiläumsjahr blickt sie auf viele Momente zurück, die zeigen, dass sich alle Anstrengungen gelohnt haben. Auf die Brecht-Weill-Revue etwa, bei der der Oluf-Samson-Gang komplett zur Sperrzone erklärt wurde, auf Begegnungen mit Musikern wie Paul Kuhn, Nathalie Kollo, Red Holloway, Harry „Sweets“ Edison, Magnus Lindgren , Sebastian Studnitzky oder jüngst Jeff Cascaro. Die Theater-Chefin möchte sich künftig verstärkt auf die verschiedenen Strömungen des Jazz konzentrieren, auch in dem Bewusstsein, dass sie oft nur ein Nischenpublikum anspricht. „Ein schwieriges Geschäft, oft hohe Gagen.“ Doch sie will weiterhin hochwertige Kulturkost anbieten – mit all den damit verbundenen Risiken. „Da muss ich jetzt durch“, sagt sie. „Ich lass mich nicht verbiegen.“

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erstellt am 16.Mär.2016 | 11:00 Uhr

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