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Schleswigsche Sammlung : Kulturelles Gedächtnis der Region

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Schleswigsche Sammlung ist ein riesiger Fundus von Druckerzeugnissen und digitalen Medien aus der Region Schleswig/Sønderjylland. Das älteste Buch ist 424 Jahre alt.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Das älteste Buch ist 424 Jahre alt. Es ist das „Eiderstedter Landrecht“ aus dem Jahr 1591, herausgegeben vom damals erst 16 Jahre alten Herzog Adolf. Marco Petersen zieht weiße Handschuhe an, bevor er es aus dem klimatisierten Sicherheitsschrank holt und vorsichtig aufblättert. Es sind einige Schätze, die in der Schleswigschen Sammlung aufbewahrt werden. Fast 60  000 Medien umfasst diese besondere Einrichtung, die in ihrer Art einmalig ist und dennoch ein Schattendasein führt, weil viele potenziell Interessierte von ihrer Existenz nicht wissen.

Sie ist in den Räumen der Dänischen Zentralbibliothek an der Flensburger Norderstraße untergebracht, doch sie ist eine weitgehend eigenständige Einrichtung. Sie ist auch keine Bibliothek im eigentlichen Sinne, sondern eben eine Sammlung, die allerdings erst seit 2010 öffentlich zugänglich ist und auch Medien ausleiht. Das Besondere ist ihr Sammlungsziel und ihre grenzüberschreitende Ausrichtung: „Wir arbeiten so, als würde die heutige Grenze nicht existieren“, sagt Marco Petersen. Oder anders: Gesammelt wird alles, was zwischen Königsau und Eider – das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Schleswig – je gedruckt wurde und wird oder was mit dieser Region zu tun hat. Und zwar in allen fünf Sprachen, die zwischen diesen beiden Flüssen gesprochen wird: Dänisch, Deutsch, Friesisch, Plattdeutsch und Sønderjysk. „Über 50 Prozent unseres Materials ist auf Deutsch“, sagt Marco Petersen.

Beim Sammeln ist man nicht wählerisch: Vom historischen Atlas aus dem Jahr 1652 bis zum aktuellen Kochbuch, vom Küstenkrimi bis zur Künstler-Biographie, vom Naturführer bis zum Schimmelreiter findet alles seinen Platz im zweiten Stock des Bibliotheksgebäudes. „Wir entwickeln uns zu einem kulturellen Gedächtnis der Region“, beschreibt es Marco Petersen, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Sammlung gemeinsam mit einem weiteren Historiker und einem Bibliothekar betreut.

Gegründet wurde die Schleswigsche Sammlung 1891 von Gustav Johannsen, nach dem heute eine dänische Schule in Flensburg benannt ist. „Das war ein sehr umtriebiger Mann“, weiß Petersen. „Er war Mitbegründer der Zeitung Flensborg Avis, hat die Union-Bank begründet, saß im Reichstag in Berlin.“ Er hatte die Sammlung anfangs in seinem Wohnhaus Margretesminde untergebracht, ehe sie 1920 ins Flensborghus verlagert wurde und 1959 in die damals neue Zentralbibliothek umzog.

Wer etwas über seine Vorfahren und sein Heimatdorf erfahren will, wird hier in den zahlreichen Ortschroniken fündig. In der Abteilung für Volkskunde finden sich Schriften über das tägliche Leben, über Menschen, Sitten und Gebräuche. Viele Bücher beschäftigen sich mit dem wichtigen Regionalthema Landwirtschaft, es gibt viele Biographien, und die Abteilung für Geschichte hat eine Unterabteilung für Flensburg.

Heute ruht die Schleswigsche Sammlung auf drei Säulen: 1. Sammeln, bewahren, zugänglich machen; 2. Forschung betreiben und ermöglichen; 3. Kulturzentrum: Vorträge, Ausstellungen, Versammlungen. Petersen: „Die Ahnenforscher treffen sich hier regelmäßig jeden ersten Dienstag im Monat.“

Als großen Schritt nach vorn bezeichnet Petersen die Digitalisierung eines Teils des historischen Bestandes. Vor zwei Jahren wurden rund 600 Bände mit der Integrated Single Scan Technology eines hierfür spezialisierten Unternehmens eingescannt und mit einer Texterkennungssoftware behandelt. „Die funktioniert sogar bei Frakturschrift“, freut sich Marco Petersen. 200  000 Euro hat die Sammlung für die Arbeit, die fast ein halbes Jahr gedauert hat, aufgewendet. Die Digitalisierung erleichtert die Suche nach Personen, Orten oder Sachverhalten enorm. Heimatforscher, Studierende und interessierte Laien können jetzt viel einfacher in die Vergangenheit ihrer Familie oder ihrer Region eintauchen. Petersen: „Das funktioniert sogar vom heimischen PC aus.“ Oder man wirft anno 2015 einen digitalen Blick in das Eiderstedter Landrecht von 1591, das ebenfalls digitalisiert wurde.

https://www.dcbib.dk/dss

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