zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 10:57 Uhr

Verwirrung : Kulturbahnhof auf dem Abstellgleis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kühlhaus-Verlagerung aus der Planung verschwunden, doch angeblich hält die Stadt daran fest / Wohnmobilplatz lässt auf sich warten

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2016 | 08:34 Uhr

Für das Kühlhaus ist die Sache durch, für die Stadt noch nicht. Oder doch? Die Hängepartie um die alte Bahnpost geht weiter, der Wohnmobilstellplatz lässt auf sich warten, der Lärmgutachter sieht Probleme bei einem Verbleib des Kühlhauses an seinem jetzigen Standort. Und die Stadt hat ein Gebäude ohne Grundstück, ja ohne Zufahrt gekauft und weiß jetzt nicht so recht, was sie damit anfangen soll.

Zunächst stand das Kühlhaus einer Verlagerung in die alte Bahnpost, einige Meter östlich des eigentlichen Bahnhofs, ablehnend gegenüber. Dann wurden innerhalb des Vereins Arbeitsgruppen gebildet, „die zu dem Schluss kamen, dass ein neues soziokulturelles Zentrum in der alten Bahnpost für eine kulturelle Weiterentwicklung Flensburgs zielführend sein könnte“, so Harald Smorra, Geschäftsführer des Kühlhauses. Deshalb habe man neue Gespräche mit der Stadt aufgenommen und ist zusammen mit dem Kieler Architektenbüro Schmieder-Dau und der Gesellschaft für Stadtsanierung in einen zwölfmonatigen Planungsprozess eingestiegen. Die Architekten erstellten eine aufwendige Planung für einen „Kulturbahnhof Flensburg“, mit genauer Beschreibung, was wohin kommt, wo etwas neu gebaut und saniert werden müsse, welche zusätzlichen Mieter welche Räume beziehen könnten.

Doch wie von Geisterhand verschwand das Thema plötzlich aus den Planungen: In den Vorlagen für die Genehmigung des Wohnmobilstellplatzes las man im März 2015 dieses: „So ist im ehemaligen Bahnpostgebäude eine Kultureinrichtung vorgesehen, die zur Verlagerung der Kulturwerkstatt Kühlhaus an einen verträglicheren Standort dienen soll.“ Beim endgültigen Beschluss im Januar 2016 ist davon nicht mehr die Rede: „In diesen Planungsprozess kann die Fläche der ehemaligen Bahnpost, die mittlerweile im Sanierungssondervermögen ist und für die derzeit eine konkrete Nutzungsperspektive im Bereich des nicht störenden Gewerbes entwickelt wird, ein bezogen werden.“ Nicht störendes Gewerbe? Damit kann nicht das Kühlhaus gemeint sein. Erstens ist es kein Gewerbe, zweitens kann es durchaus störend sein.

Liegt es daran, dass die Bahnpost zwar der Stadt gehört, aber von einem Privatgrundstück umgeben ist? Die Straße vor dem Haus gehört dem Unternehmer Marcus Petermann beziehungsweise einer von ihm geführten Gesellschaft, ebenso wie die Gebäude zwischen der Bahnpost und dem Bahnhof. Als die Bahn vor Jahren begann, ihre Liegenschaften zu veräußern, hat Petermann schnell zugeschlagen, während die Stadt damals „keinen Anlass sah, hier Grundstücke zu erwerben“, so eine Stadtsprecherin. In den Besitz der Bahnpost kam sie, weil der frühere Eigentümer seine Idee einer Wohnnutzung nicht umsetzen konnte. Da hatte Petermann längst den alten Güterbahnhof zu einem modernen Gewerbestandort für Handwerk und Dienstleistungen erworben und umgebaut; für weitere Gebäude dahinter laufe das Genehmigungsverfahren.

Für den Wohnmobilstellplatz stehe er in den Startlöchern, könne im Herbst mit dem Bau beginnen. Doch es gebe Probleme, deutet er an – und verweist an die Stadt. Gegen das Kühlhaus habe er nichts, er verstehe sich glänzend mit den Nachbarn, und zu einer Verlagerung in die alte Bahnpost könnte er nichts sagen. Einen möglichen Konflikt mit dem Wohnmobilstellplatz sehe er dabei nicht.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen