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Flensburg : Kult-Disco „Sasa“ an der Förde schließt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Flensburger Tanzlokal öffnet am 18. März zum letzten Mal. Forderungen für erneute Pacht sind zu hoch.

Flensburg | Es ist das Urgestein unter den Tanzlokalen, in Flensburg eine Institution. Hier haben unzählige Gäste getrunken, gelacht, geflirtet. Haben gepflegt ihre Runden gedreht. Haben heftig ihr Haupthaar geschüttelt – oder das, was davon übrig war.

Das Sasa wird eine Lücke hinterlassen. Besonders für die Generation 30 oder 40 plus, die in Flensburg kaum Angebote findet, um einmal spontan die Tanzfläche zu stürmen.

Kein Zweifel, das „Sasa“ ist Kult. Doch schon bald ist es Geschichte. Anfang Januar ließ der Betreiber noch verlauten: „Die Gerüchteküche in Flensburg brodelt mal wieder. Nein, wir schließen nicht!“ Doch die Gerüchte haben sich inzwischen erhärtet. Am 18. März gehen im Sasa die Lichter aus, bestätigte Geschäftsführer Karl-Heinz Siewertsen. Und fügt hinzu, dass es an mangelndem Umsatz oder amtlichen Hürden nicht gelegen habe. „Der Vertrag ist schlicht ausgelaufen“, sagt er. Die Forderungen für eine erneute Pacht seien zu hoch, überdies sei die Eigentümerin, die sich auf Gran Canaria aufhält, schwer greifbar.

Siewertsen hatte bis zum Schluss auf eine Nachfolgelösung gehofft, zumal die Immobilie zeitweise offiziell zum Verkauf stand und es auch Interessenten gegeben haben soll. Sein Pachtvertrag endete bereits im September letzten Jahres. Dessen ungeachtet ließ er die Musik nicht verstummen. „Doch irgendwann“, findet er, „muss auch mal Schluss sein.“

Das Ende nach fast 40 Jahren wird insbesondere älteren Partygängern weh tun. Sie werden das Traditionslokal vermissen, auch wenn es schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Vorläufer des „Sasa“ waren das „Wiener Cafe“ sowie die Discotheken „Number 2“ und „Le Piano“. Monika und Frank Rünzel waren etwa 20 Jahre lang Pächter der Gaststätte, die zu Bundeswehrzeiten neben dem Wochenende auch mittwochs geöffnet hatte. Doch mit dem Abzug der Soldaten lohnte sich das nicht mehr.

Wo alles begann: das beliebte Wiener Cafe.
Wo alles begann: das beliebte Wiener Cafe.
 

DJ Michael Terlinden bearbeitet seit 1987 den Plattenteller. Er weiß einige Anekdoten zu berichten. „Die sind aber nicht druckreif“, sagt er und lacht. Wie das Kind zu seinem Namen gekommen ist, will er jedoch nicht verschweigen. Der Eigentümer benannte das Lokal Anfang der Achtziger nach dem Namen seines neugeborenen Sohnes, der wie „Sascha“ ausgesprochen, aber jugoslawisch „Sasa“ geschrieben wurde.

Früher liefen hier die Hits der Flippers, von Ibo oder Roland Kaiser, heute setzt Terlinden auf Oldies der 70er und 80er Jahre sowie aktuelle Titel aus den Charts. „Das Publikum wird jünger“, hat er festgestellt. So säßen bisweilen der 18-jährige Schüler und der 70-Jährige Pensionär einträchtig nebeneinander. Und noch etwas hat sich geändert. „Das pralle Leben beginnt heutzutage erst spät am Abend“, sagt Karl-Heinz Siewertsen. „Vor 22 Uhr zu öffnen lohnt sich nicht, richtig voll wird es dann um Mitternacht und danach.“ Die Party endet am Sonnabend meist erst in den Morgenstunden, die Unverwüstlichen erblicken bisweilen erst am Vormittag wieder das Licht der Welt. Die Sperrstunde hat ausgedient.

„Ärger haben wir hier so gut wie nie“, betont der Geschäftsführer. Das ist in der Branche keineswegs üblich – unter Umständen mag auch eine Rolle spielen, dass das 1. Polizeirevier gleich nebenan liegt.

Am letzten Tag, dem 18. März, wird der Andrang – so viel ist sicher – riesig sein. Die Konzession ist auf maximal 200 Besucher ausgerichtet. Und dafür gibt es laut Michael Terlinden ein ganz einfaches Rezept: „Wenn voll, dann voll!“

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erstellt am 27.Feb.2017 | 07:03 Uhr

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