Kümo mit vielen Freunden

86 Jahre alt und zahlreiche Liebhaber: Die „Gesine“ des Museumshafens Flensburg zeigt Flagge auf Ostsee und Schlei

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05. März 2014, 18:37 Uhr

Eines steht schon jetzt fest: 2014 wird für das maritime Flensburg ein extrem maritimes Jahr. Neben den gewohnten Veranstaltungen wie Kongelig Classics, Robbe & Berking Classics, neben Rum Regatta und Nautics und der Flensburger Regatta gibt es in diesem Jahr zwei bemerkenswerte Premieren: Das Pfingsttreffen der dänischen Gaffelszene und die Jahrestagung des europäischen Dachverbands der Museumshäfen „European Maritime Heritage“. Und eine Neu-Flensburgerin ist immer dabei. Die „Gesine“.

Für die im „Förderverein Motorgüterschiff Gesine“ zusammengeschlossenen Fans des 86 Jahre alten Kümo bedeutet die ungewohnte Veranstaltungsdichte viel Arbeit. Denn „Gesine“ ist als Begleiterin zu allen Gelegenheiten außerordentlich beliebt. Sehr zur Freude von Frank Petry und Ulf-Gernot Grau. Beide sind Teil der neunköpfigen Gruppe, die am 18. November 2009 den Förderverein aus der Taufe hob. „Unser Ziel war damals, für das Schiff eine verlässliche Grundlage sicherzustellen“, sagt Petry, der gleichzeitig Geschäftsführer der Historischer Hafen Flensburg gGmbH ist. Ein Unternehmen, das Petry wie Grau knapp vier Jahre danach als rundum gelungen bezeichnen. Der Förderverein besteht nicht mal drei Jahre nach seiner Gründung aus 102 Mitgliedern, die sich um „Gesine“ kümmern.

Rückblickend, sagen Grau und Petry, haben sie alles richtig gemacht. Über den Daumen peilte Petry den Finanzbedarf des Kümo auf gut 10 000 Euro, die „Gesine“ möglichst nicht durch teure, Material und Treibstoff verzehrende Gästefahrten auf hoher See, sondern im Hafen als Partygirl erwirtschaften sollte. „Wir haben den Laderaum für Leute hergerichtet, die selber dort feiern wollen“, sagt Grau. „Und das hat sehr gut funktioniert. Mittlerweile können wir sogar schon Rücklagen für größere Reparaturen bilden.“

„Gesine“ dankt es durch Seetüchtigkeit. Wegen der gesunden Finanzen konnte der Förderverein dafür sorgen, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters technisch fit und munter ist. Im Zuge der Drei-Städte-Regatta „Kongelig Classic“ tuckerte das Schiffchen nach Apenrade und nach Sonderburg; „Gesine“ begleitet Regatten auf der Förde, im Sund und in der Sonderburger Bucht, besuchte Kappeln und Schleswig, ist beliebtes Startschiff, Zielschiff und – als offizielle Verpflegungseinheit der Kongelig Classics – ein tadelloser Suppentransporter. Dank ihres guten Zustands.

Das liegt nicht nur am Geld, betont Vorstandsmitglied Grau. Das liegt gleichermaßen an den 102 Förderern, die für die Basisfinanzierung und zu einem erheblichen Teil auch für den nautischen und technischen Sachverstand stehen. „Wir haben viele gestandene Fahrensleute im Verein. Ein unschätzbarer Vorteil“, lobt Grau die Struktur des Vereins. „Ein harter Kern von bummelig 30 Leuten arbeitet dicht am Schiff, der Rest hilft, indem er zahlt.“

Das läuft so gut, dass der Förderverein in diesem Jahr erstens den Ritterschlag und zweitens noch eine zweite verantwortungsvolle Aufgabe bekommen wird. Ritterschlag heißt Aufnahme des Fördervereins als gleichberechtigtes Mitglied in den Historischen Hafen Flensburg e.V., Dachorganisation der maritimen Akteure zwischen Bohlwerk und Yachthafen. Eine Ehre, freut sich Grau. Weil das Projekt „Gesine“ erfolgreicher als von vielen erwartet verlaufen ist.

Und die Aufgabe heißt Flensburg. „Gesine“ wird einen gleichnamigen Schlepper in Schlepp nehmen. Der „gebürtige“ Hamburger Bugsier-Schlepper diente seine letzten Berufsjahre für die FSG in Flensburg ab, ehe vier Pensionäre aus Glückstadt ihn an die Elbe holten. Weil aber der Historische Hafen so gut aufgestellt ist, soll er sich künftig auch um die „Flensburg“ kümmern. Am 21. Juni stößt der kleine Kraftprotz zu Kümo „Gesine“, Salondampfer „Alexandra“ und Schleppbarkasse „Solitüde“, Fähre „Okseø“ und „Jægerpris“, den dänischen Fischkutter. „Wir werden da keinen eigenen Förderverein gründen“, kündigt Petry an. „Das machen wir alles von der ,Gesine‘ aus.“

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