Tarup-Umgehung Flensburg : Krokodilstränen für Bauer Knop

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Alternativ-Vorschlag von OB Simone Lange ohne Mehrheit im Hauptausschuss – jetzt wird enteignet

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09. November 2017, 00:07 Uhr

Am Ende tat Landwirt Ingo Willi Knop der Stadt noch den Riesengefallen und beendete eigenhändig die Gespräche um sein Bauernland. Ein letztes Angebot der Stadt, ihn mit einer etwas weiter südlich geführten Trasse den Verkauf des Grundstücks für den letzten Abschnitt der Taruper Umgehung schmackhaft zu machen, hatte Knop am Montag zurückgewiesen – das bedeutete Dienstagabend im Hauptausschuss freie Bahn für die Fraktionen von CDU, SPD, SSW und FDP, die ihre harte Verwaltungslinie erneuerten: Enteignung und rascher Bau der Trasse ab Frühjahr 2018. Heute ab 16 Uhr soll per Ratsbeschluss der letzte Nagel eingeschlagen werden.

Der „Küchendiplomatie“ der Oberbürgermeisterin an Knops Esstisch war kein Erfolg beschieden gewesen. Simone Lange hatte zwei Wochen nach der Besitzeinweisung des Grundstücks durch die Enteignungsbehörde noch einmal Hoffnungen auf eine friedliche Lösung genährt, aber Knop hatte immer noch keinen Gefallen an einer eingedeichten Umgehungsstraße gefunden, die seine idyllische Bauernkoppel in dann 100 statt 50 Metern vor seiner Südterrasse durchschneidet.

Seine Absage dürfte für doppelte Freude gesorgt haben. Die Politik ersparte sich eine heikle Diskussion, in der sie ihr Handeln vor dem Hintergrund dieses massivsten Eingriffs in das grundgesetzlich geschützte Eigentum hätte erklären müssen; die Verwaltung hat Arbeitsersparnis, weil sie ja den jetzt folgenden Trassenbau im Zuge des B-Plans 272 längst durchgeplant und genehmigungsrechtlich in der Schublade hat. Hätte Knop sich tatsächlich auf die von Lange vorgeschlagene Süd-Variante eingelassen, wären neue Untersuchungen, Planungen, Genehmigungen fällig gewesen – inklusive der Einwerbung neuer Fördermittel in Kiel, weil der streng begrenzte Zeitrahmen für die Fertigstellung der Umgehungsstraße garantiert überschritten worden wäre. Lange bezifferte das finanzielle Risiko für die Stadt auf mindestens 800 000 Euro für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Kiel diesem Flensburger Sonderweg die Förderung verwehrt. Auch Lange setzte sich daher für die robuste Variante ein, gestand aber: „Das ist nicht der schönste Tag einer Oberbürgermeisterin, eine solche Empfehlung zu geben!“

Es ist zweifelhaft, dass die Variante 2 überhaupt eine Mehrheitschance hatte. SPD-Fraktionschef Helmut Trost gönnte ihr auch nur einige wenige Krokodilstränen und wies die Schuld dem Landwirt zu, der – „schade und traurig“ – die ausgestreckte Hand der Verwaltung und des Rates nicht ergriffen habe. Das hinderte ihn aber nicht daran, bei der Abstimmung für Enteignung zu stimmen. Edgar Möller (SSW) wirkte wie befreit, die ewige Diskussion und wohl auch die Verantwortung für den Eingriff in das Verfassungsgut endlich bei den Gerichten abladen zu können. Knop bleibe schließlich der Rechtsweg in einem rechtsstaatlichen Verfahren.

Die unterlegene Fraktionsminderheit war naturgemäß entsetzt. „Das ist unsäglich. Wir führen das genauso chaotisch weiter, wie wir es begonnen haben“, meinte Gabi Ritter, ihr Fraktionskollege Heinz-Werner Jezewski erinnerte an die Faktenlage zu Planungsbeginn, die sich seit 2008 nie geändert habe: „Er (Knop) hat von Beginn an gesagt, dass er nicht verkaufen will. Damit hat sich nie einer ernsthaft auseinandergesetzt! Dies ist ein Grundrechtsbruch im Zusammenspiel mit dem Innenminister!“ Und Ingo Knop? Geht auf den Rechtsweg. „Was bleibt mir übrig?“, fragt er, „die zwingen mich ja dazu. Die wollen nur ihren Plan durchziehen. Da passe ich nicht mehr rein.“

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