Sörup : Krise im Schiffbau nun bei Jürgensen

Giesserei in der Firma M. Jürgensen in Sörup - Müllmark
Giesserei in der Firma M. Jürgensen in Sörup - Müllmark

Nach Jahren des Aufschwungs hat die Konjunkturkrise nun die Firma M. Jürgensen in Sörup erfasst. Der Hersteller von Zylinderlaufbuchsen für Motoren muss Personal abbauen.

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09. Juni 2009, 12:29 Uhr

Sörup | Die Maschinenbaufirma M. Jürgensen hat sich zum Vorzeigeunternehmen entwickelt, zum wirtschaftlichen Schrittmacher im ländlichen Raum und damit zum Stolz von Wirtschaftsförderern und wechselnden Wirtschaftsministern. Noch im Januar hatte sich der damalige Wirtschaftsminister Werner Marnette bei einem Besuch beeindruckt von der Erfolgsgeschichte aus Sörup gezeigt.

Rund 20 Millionen Euro hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren in neue Produktionsstätten und Maschinen investiert, die Mitarbeiterzahl von 250 auf fast 500 gesteigert. Der Wachstumsmotor war der weltweit boomende Schiffbau. Er ist es auch, der nun zum Bremsklotz geworden ist.

Zahlreiche Aufträge seien entweder storniert oder verschoben worden, sagt Willim. Beides habe für das Unternehmen den selben Effekt - weniger Arbeit. Hinzu komme, dass viele Kunden ihre Lagerbestände korrigierten, was ebenfalls auf die Nachfrage drücke.
36 Millionen Euro Umsatz statt 50 Millionen
Zwar ist Jürgensen nicht vom starken Einbruch im Containerschiffbau betroffen, doch auch in anderen Segmenten sei das Wachstum vorbei. Jürgensen liefert Zylinderlaufbuchsen vor allem für Feeder-, Arbeits- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren. Betriebsratsvorsitzender Frank Döbler beziffert den Umsatzrückgang gegenüber 2008 auf rund 25 Prozent. Das Unternehmen erwartet rund 36 Millionen Euro Umsatz gegenüber 50 Millionen im Vorjahr.

Dass der Einbruch nicht noch gravierender ausfällt, ist nach Angaben Willims dem zweiten Standbein der Firma zu verdanken: der weltweiten Bestückung von stationären Dieselaggregaten für die Energieerzeugung. Hier sei der Auftragsbestand "recht stabil", auch wenn mancher Auftraggeber Finanzierungsschwierigkeiten habe, erklärt Willim. "Der stationäre Markt stützt unser Geschäft sehr."

Bereits Mitte Mai waren die Mitarbeiter über die Pläne der Geschäftsführung informiert worden, auch darüber, dass es keinen Sozialplan geben wird. Der Gewerkschaft sind nach Angaben von Meinhard Geiken, Geschäftsführer der IG Metall Flensburg, in dieser Hinsicht die Hände gebunden, weil - "zum Glück" - die Zahl der wegfallenden Festanstellungen zu gering ist, um die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. "Ich kann nur die Hoffnung aussprechen, dass wir mit den aktuellen Entlassungen über die Runden kommen", sagt Geiken.

Das hoffen auch Geschäftsführer Willim und Betriebsrat Döbler, der den Stellenabbau angesichts der Situation als "sehr moderat" bezeichnet. Döbler: "Ich hoffe, dass die Wirtschaftskrise schnell vorbei ist und gehe davon aus, dass wir jetzt eine Personalstärke erreicht haben, mit der wir durch die Krise gehen."

Eine Gefahr für die Existenz der Firma sieht Willim nicht. "Natürlich wird es kein gutes zweites Halbjahr", sagt er, "aber wir haben schnell reagiert." Damit ist nach seiner Ansicht die Voraussetzung geschaffen, das Geschäftsvolumen ab kommenden Jahr wieder zu stabilisieren - etwa auf dem Niveau von 2006/2007.


M. Jürgensen GmbH & Co KG
Die Keimzelle der M. Jürgensen GmbH & Co KG – ein Betrieb für die Motoreninstandsetzung – wurde 1935 Jahren gegründet. Nach Errichtung einer Gießerei wurde 1949 mit der Herstellung von Zylinderlaufbuchsen aus Schleuderguss für die Dieselmotoren- und Kompressorenindustrie begonnen. Jährlich werden nach Unternehmensangaben zirka 14 000 Tonnen Material pro Jahr zu Produkten verarbeitet, die in die ganze Welt exportiert werden. Die Mitarbeiterzahl hat sich in wenigen Jahren auf fast 500 verdoppelt und sinkt nun auf rund 370. (hg)

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