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Krebsmedikamente könnten gegen Bandwürmer helfen

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Nach der vollständigen Entzifferung des Erbgutes von vier Bandwurmarten erhoffen sich Forscher neue Ansatzpunkte im Kampf gegen die gefährlichen Parasiten.

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2013 | 12:07 Uhr

Würzburg/London (dpa) - Nach der vollständigen Entzifferung des Erbgutes von vier Bandwurmarten erhoffen sich Forscher neue Ansatzpunkte im Kampf gegen die gefährlichen Parasiten.

Beispielsweise der Fuchsbandwurm, der auch in Deutschland vorkommt, scheine unter anderem gegen Krebsmedikamente empfindlich zu sein, sagte der Würzburger Biologe Prof. Klaus Brehm. Die Ergebnisse der internationalen Studie erscheinen im britischen Fachmagazin «Nature» vom Donnerstag. Neben Forschern des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg waren unter anderem Gruppen aus Mexiko und Großbritannien beteiligt.

Rund ein Drittel der Menschheit sei mit Würmern infiziert, viele Patienten lebten in ärmeren Regionen, sagte Brehm. «Da es für die Medikamente keinen Markt gibt, wird wenig geforscht.» So gebe es derzeit keine Therapie, mit der sich die gefährlichen Bandwurmlarven im Körper zuverlässig abtöten lassen. Das medizinische Problem sind weniger die Würmer selbst, die im Darm leben und ihren Wirten Nährstoffe wegnehmen. Bedrohlich sind die Larven, die sich in Organen festsetzen und Zysten bilden.

Die Forscher haben nun erstmals das Erbgut von Fuchs-, Schweine-, Hunde- und Zwergbandwurm komplett entziffert. Ihre Liste mit den aussichtsreichsten Angriffspunkten für Medikamente zeigt: Viele davon sind identisch mit den Stellen, an denen Krebstherapien wirken. Eine Infektion mit Bandwürmern könne von außen betrachtet ähnlich verlaufen wie das Wachstum von Tumoren, erklärte Brehm. «Die Larven des Fuchsbandwurms zum Beispiel metastasieren und breiten sich im Körper aus.» Zudem werden die von Bandwurmlarven gebildeten Zysten vom Körper nicht abgestoßen.

Mit eigens entwickelten Zellkulturen des Fuchsbandwurms testet Brehm derzeit Krebsmedikamente auf ihre Wirksamkeit. In einigen Jahren könnte eine effektive Therapie gegen die Larven möglich sein, schätzt der Biologe. Dies sei wesentlich schneller, als wenn eine komplett neue Substanz entwickelt und erforscht werden müsste.

Bandwürmer sind nach der Überzeugung von Brehm insgesamt ein hoch interessantes Forschungsobjekt - etwa für die Transplantationsmedizin. «Die Larven verhalten sich wie perfekte Transplantate. Sie pflanzen sich zum Beispiel in die Leber ein und wachsen dort über Jahre hinweg, ohne dass das Immunsystem es merkt.» Wüsste die Medizin, wie diese perfekte Tarnung funktioniert, könnte das große Fortschritte in der Organtransplantation bringen. Transplantierte Organe werden oft vom Immunsystem des Empfängers abgestoßen.

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