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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 01:17 Uhr

Krankenpfleger, Lehrer, Pirat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Nordfriese will im Landtag für Flensburg kämpfen / Einsatz für Online-Universität und Behördentransparenz

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2017 | 06:23 Uhr

In knapp drei Wochen wird der neue Landtag gewählt. Wer in Flensburg zur Wahl steht und mit welchen Ideen unsere Stadt in Kiel nach vorn gebracht werden soll, beleuchtet das Flensburger Tageblatt in einer achtteiligen Serie. Heute: Joachim Rotermund, Piraten.

Als Flensburger Direktkandidat qualifizieren den Wahl-Nordfriesen Joachim Rotermund (68), der mit seiner Frau auf einem Resthof an der Westküste lebt, vor allem drei Dinge: seine Zuneigung zur Hafenstadt Flensburg, die Tatsache, dass er einige Jahre als Krankenpfleger im Mürwiker Malteserstift St. Klara einpendelte – und sein sehr flensburgisch klingender Name, obwohl Joachim Rotermund keine direkte Familienlinie zur Erotik-Dynastie der Stadt nachweisen kann.

Rotermunds Eckdaten hören sich eher europäisch an – die Mutter Schottin, der Vater Bremer, ist der Flensburger Bewerber der Piratenpartei viel in Deutschland herumgekommen. In Frankfurt sei er Anfang der 80er Jahre auch schon mal Mitglied der Grünen gewesen – seiner Erinnerung nach vor späteren Parteigrößen wie Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit.

Seit siebeneinhalb Jahren lebt Rotermund, Vater von vier erwachsenen Kindern, nun mit drei Labradoren und drei Katzen auf einem Hof im nördlichen Schleswig-Holstein. Und als Piraten-Frontmann Patrick Breyer ihn gefragt habe, ob er Kandidat für Flensburg sein wolle, habe er nicht lange nachdenken müssen: „In Schleswig oder Rendsburg hätte ich es nicht gemacht.“ Sein Lieblingsplatz? Zum Fototermin bestellt er den Fotografen zum Bohlwerk – ein Küstenambiente mit Masten im Hintergrund schwebt ihm vor.

Gesundheitspolitik und andere Arten der Vorsorge und Soziales seien seine Themen, sagt Rotermund, der neben seiner Tätigkeit als Krankenpfleger auch als Lehrer gearbeitet habe: „Mir geht es um die Menschen“, sagt er. Neben seinem politischen Engagement bei den Piraten engagiere er sich auch im Vorstand der Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager und Fracking. Deshalb gehöre Wasser auch zu seinen Themen, erklärt Rotermund. Er unterstütze die entsprechende Volksinitiative.

Wären wichtige Themen wie Transparenz oder Bürgerbeteiligung schon umgesetzt, bräuchte es die Piratenpartei gar nicht, findet der Flensburger Kandidat. Fakt aber sei: Sie sind es nicht. Auch bedürfe es eigentlich gar keines Wahlkampfs, wenn man eine informierte Bürgerschaft habe. „Wir sind der Transmissionsriemen der Fragen und der Bedürfnisse der Bürger.“ Rotermund sagt, er halte nicht viel von Umfragen. Dennoch findet er, nach der Arbeit seiner Parteikollegen in der vergangenen Legislaturperiode hätten die Piraten die aktuellen Umfragewerte nicht verdient. Bei Podiumsdiskussionen hat er sogar den Eindruck: „Selbst Grüne und CDU hätten uns gern im Landtag.“ Schließlich schmecke die Suppe ohne Salz nicht. Rotermund lässt durchblicken, dass er glaube, mit den aktuellen Umfragen werde auch Meinung gemacht: „Wenn wir in Wahlprognosen unter ’Sonstige’ geführt werden, dann hat das eine Wirkung.“ Als großes Zukunftsthema nennt Rotermund die Pflege. Personalbegrenzungen müssten aufgelöst werden, Prophylaxe sei billiger als Nachsorge. „Die Pflegeberufe sind wirklich interessant“, sagt er voller Überzeugung, „nur die Bedingungen sind bescheiden.“

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