Umfrage : Kontrollen? Dänen mit viel Verständnis

A. Vernertsen (34)  und M. Petersen (36)
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A. Vernertsen (34) und M. Petersen (36)

Besucher aus Dänemark sehen die startende Aufrüstung an der Grenze überwiegend gelassen. Für viele Flensburger sind die Kontrollen aber "ein herber Dämpfer zwischen den befreundeten Staaten".

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05. Juli 2011, 10:29 Uhr

flensburg | Viele Flensburger denken wie ihr Bundestagsabgeordneter Wolfgang Börnsen: "Dass sich ab Dienstag rund 16.000 Pendler, die der Freizügigkeit ihren Arbeitsplatz verdanken, wieder an Grenzhäuschen und Uniformen gewöhnen und ihre Pässe bereithalten müssen, ist ein herber Dämpfer zwischen den befreundeten Staaten Deutschland und Dänemark", schimpfte der CDU-Bundestagsabgeordnete im Vorwege der Wiederaufnahme der Grenzkontrollen durch die Dänen. Eine Tageblatt-Umfrage unter dänischen Besuchern gestern in der Innenstadt belegt dagegen, dass viele Dänen den heftig kritisierten Kurs ihrer Regierung unterstützten.
Peter Stückler und Svend Givskov aus Sonderburg hoffen, dass die Kriminalität durch die Kontrollen eingeschränkt werden kann. Ihre häufigen Besuche in Flensburg würden dadurch nicht negativ beeinflusst, hoffen sie. Auch Flemming Larsen aus Gileje (Seeland), der mit seiner Frau für einige Tage in Flensburg ist, sieht die Kontrollen als guten Versuch, die Kriminalität in den Griff zu bekommen und den Zufluss von Ausländern einzudämmen. Allerdings weiß er auch, dass "die meisten noch nicht wissen, wie das Verfahren an der Grenze genau aussehen wird".
"Man muss sich doch an das Schengen-Abkommen halten"
Familie Andersen aus Århus sieht es anders. Mutter Ditte glaubt nicht, dass die Kriminalitätsbekämpfung effektiver wird. Außerdem müsse "man sich doch an das Schengen-Abkommen halten", erinnert sie und weist darauf hin, dass Schmuggler und Betrüger immer einen Weg finden, ihre Ware an den Mann zu bringen. Anita Vernertsen und Michael Petersen (Hobro) finden es auch wichtig, das Schengen-Abkommen zu respektieren, da die Mitgliedschaft in der EU das ja mit sich bringt.
Gyda Ditlevsen aus Odense denkt nicht, dass sich die Verbrechensrate durch die Kontrollen senken lässt. "Die Änderungen an der Grenze werden mich wohl nicht unbedingt einschränken." Dennoch hält sie die Beweggründe der Regierung für lächerlich.
"Peinlich"
Karina und Jonas Ryom aus Tørring bei Vejle hoffen, dass durch das neue Verfahren mehr Beteiligte des Waffen- und Drogen-Handels gefasst werden. Sie unterstützen die Pläne voll und sehen sich selbst kaum beeinträchtigt.
Tommy Mølgaard aus Århus macht sich auch Gedanken über die Kriminalität und sieht die neuen Kontrollen als gute Möglichkeit, um sie zu unterbinden. Seine Frau Camilla ist auch nicht gegen die Änderungen, findet aber, dass ihre Politiker sich bei der Durchsetzung des Gesetzes nicht mit Ruhm bekleckert haben. Als Dänin sei es ihr sogar schon peinlich.
(shz)

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