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Spielzeughaus Brüning : Konkurrenz im Förde-Park: Flensburgs Spielzeugläden zittern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die geplante Modernisierung des Förde-Parks kostet den Innenstadt-Handel 8,8 Millionen Euro Umsatz. Die Inhaber kleiner Fachmärkte haben Angst.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 08:15 Uhr

Flensburg | Es ist eine harmlose Mitteilungsvorlage für den Planungsausschuss Dienstag, die Jan Brüning schlaflose Nächte bereitet. In der MV 18/2015 fasst die Verwaltung die Erweiterungspläne des Förde-Parks um rund 4500 Quadratmeter auf dann gut 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zusammen, die im Auftrag der Stadt durch die Hamburger BBE Handelsberatung gutachterlich flankiert worden sind. Im Ergebnis, so die Vorlage, hätte die Umsetzung eine deutliche Stärkung der oberzentralen Bedeutung Flensburgs als Einkaufsstandort zum Ergebnis. Für den Förde-Park sei es nach zehnjährigem Stillstand während des Moratoriums zur Stärkung der Innenstadt eine überfällige Marktanpassung. Für Jan Brüning aber wäre es gefühlt der sichere Tod des seit 1950 Familien-geführten Flensburger Unternehmens Spielzeughaus Brüning Spiel und Freizeit an der Großen Straße 2.

Als Ankermieter für die Erweiterung ist ein Spielzeug-Discounter vorgesehen, der dann auf 1400 Quadratmetern gegen die Spielzeuggeschäfte in der Innenstadt antreten würde. Die Gutachter selbst sprechen von einer grenzwertigen Umverteilungsquote von 7,3 Prozent des verfügbaren Kuchens im Spielwaren/Hobby/Bastelbedarf. So grenzwertig immerhin, dass BBE selbst vermerkt, eine Reduzierung der Verkaufsflächendimensionierung könnte angezeigt sein.

Dass die Gutachter schlussendlich die Sortimentserweiterung dann doch noch als verträglich bewerten, mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass der Ankermieter gar nicht kommt, wenn man ihm weniger als 1400 Quadratmeter gibt. Auch das ist im BBE-Gutachten so aufgeführt. Norbert Fels, Center-Manager im Förde-Park, konnte zum Thema am Montag keine Stellung nehmen und verwies auf eine zur Veröffentlichung anstehende Pressemitteilung, die aber noch mit dem Eigentümer abgestimmt werden müsse.

Jan Brüning sorgt sich um seine Existenz.
Jan Brüning sorgt sich um seine Existenz. Foto: Michael Staudt

Jan Brüning, in dritter Generation Inhaber des Geschäfts, fühlt sich jetzt schon mit dem Rücken zur Wand. Wo die großen Discounter anrücken, wächst für die Fachgeschäfte meist kein Gras mehr, fürchtet er. Die Gutachter-Prosa lässt nur wenig Spielraum für falsche Hoffnungen. Insgesamt – also auch bezogen auf die anderen Branchen – gingen der Innenstadt durch die Erweiterung jährlich 8,8 Millionen Euro Umsatz verloren. Und zwar in einem reinen Verdrängungswettbewerb. „Der Umsatz, der am Planstandort Förde-Park gebunden wird, geht zwangsläufig Anbietern an anderer Stelle verloren“, heißt es.

„Eine weitere Runde können wir nicht überstehen“, sagt Brüning. Sein Geschäft leide noch an den Folgen der gerade abgeschlossenen Erweiterung des Citti-Parks – auch um ein Spielwarengeschäft. „Die Frequenz an der Großen Straße ist seither deutlich zurückgegangen. Wir hatten von September 2013 bis Ende 2014 fast 14 Prozent Umsatzeinbußen. Die konnten wir nur auffangen, weil unser Vermieter uns bis an die Grenze des Zumutbaren entgegen gekommen und meine Mutter als Kommanditistin eingestiegen ist.“ Hinzu kommt: Als kleines Fachgeschäft hat er gegenüber dem Supertanker Fachmarkt keine Ausweichmöglichkeiten: 80 Prozent des Sortiments liegen bei zehn Lieferanten. „Das gilt für uns ebenso wie für den Fachmarkt.“

Es könnten schlechte Zeiten für einige Innenstadt-Händler werden. BBE geht von einem „Abschmelzungsprozess“ bei „nicht mehr marktgerechten Einzelhandelsformaten“ aus. „Angezählte Einzelhandelsanbieter“ würden schneller mit dem wachsenden Wettbewerbsdruck konfrontiert werden. Die Marktführerschaft der Spielwarenbranche in der Innenstadt hätte keinen Bestand mehr. Dieses Entwicklungsziel entspreche nach Überzeugung der Gutachter nicht mehr den Marktverhältnissen und sollte modifiziert werden. Eine faire Marktteilnahme würde Jan Brüning schon genügen. Luft nach oben hat er nicht mehr. „Wenn das so kommt, ist meine Familie ein Jahr später Hartz IV, und das war’s.“

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