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Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 00:16 Uhr

Premiere : Komödie mit Tiefgang und Esprit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Mit dien Ogen“: Niederdeutsche Bühne Flensburg beginnt die neue Spielzeit mit einem tollen Zwei-Personen-Stück von Frank Pinkus

Von der ersten Szene an nimmt diese wunderbare Komödie gefangen, bezaubert spürbar das dicht gefüllte Studio – bis im sprühend warm-herzigen Schlussbild den beiden Ausnahme-Schauspielern Gesa Retzlaff als Anna und Bent Larsen als Karl stehende Ovationen entgegenbranden. Mit der höchst gelungenen Inszenierung der Komödie „Mit dien Ogen“ des Ham-burg-Harburger Autors Frank Pinkus, in der plattdeutschen Fassung von Renate Wedemeyer, startete die Niederdeutsche Bühne Flensburg am Sonnabend fröhlich in die neue Spielzeit.

Mit Wärme und sicherer Hand hat die Bordesholmer Regisseurin Birgit Bockmann das Stück auf die Bühne gebracht. Ein Stück, das den herkömmlichen Komödienrahmen eigentlich sprengt, das von großer Tiefe und anregender Wahrheit ist. „Unsere Bühne braucht sich nicht zu verstecken“, „unglaublich toll“, „Wahnsinnstext“ und „traumhaft“ sind Attribute, die nach der Aufführung zu hören waren.

In die kühl moderne Wohnung (Bühnenbild: Katja de Vries) der erfolgreichen Anwältin Anna platzt das buch-stäbliche Halligkind Karl. Allein mit Mama, Wind, Wellen, Sturm und „de Vogels“ auf „Norderoog“ aufgewachsen, hat sich der stattliche und hoch intelligente Mann seine Kinderseele bewahrt. Eine Seele, die mitfühlt, intuitiv das Wesentliche erkennt, vor allem: die sich die mitreißende Freude am Spielen und Lachen erhalten hat. Mit Temperament, Körpereinsatz und ansteckendem Strahlen verkörpert Larsen diesen „verrückten“ Karl, der als allein nicht lebensfähig eingesperrt wurde, ausbüchst und in Winterkälte plötzlich im Teddyschlafanzug vor Annas Tür steht.

Anna bleibt abweisend – bis die Juristin einen „interessanten Fall“ wittert. In spannend witzigen und anrührenden Details prallen die Welten, vor allem die des Denkens, aufeinander. Sensibel in Mimik und Gestik verkörpert Gesa Retzlaff die geschiedene Karrierefrau, die eigentlich nie Zeit hat, auch nicht für den kleinen Sohn. Ihre Wandlung, ihr Auftauen, bis auch sie wieder zu lachen lernt, herzlich, aus purer Freude: „Mennigmool is dat gar nicht verkehrt, mit Ehr Ogen to kieken“, sagt Anna. „Mit dien Ogen“ ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte und herrlichstes Theatererlebnis. Absolut empfehlenswert.


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erstellt am 09.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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