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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 12:58 Uhr

Klartext : Kommune konkurriert mit Handwerk

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kreishandwerksmeister Albert Albertsen hielt gestern beim 27. traditionellen Handwerkerfrühschoppen im Borgerforeningen seine letzte Amtsrede und fand deutliche Worte für Wirtschaft und Politik

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Nach vier Amtsperioden gibt Kreishandwerksmeister Albert Albertsen im Herbst seine Funktion ab: „Es wird Zeit, dass Jüngere sich für die Sache des Handwerks entwickeln können“, sagt der dynamische Endsechziger. Dessen ungeachtet hielt er seine Ansprache zum traditionellen Handwerkerfrühschoppen in Borgerforeningen in gewohnter Manier. Viele Abgeordnete aus Landes- und Kommunalparlamenten waren der Einladung gefolgt, ebenso wie Behördenrepräsentanten von BKA, Landgericht und Agentur für Arbeit sowie Schulen, Hochschulen und Handwerks- und Industrie- und Handelskammer. Alle haben Kontakt zum regionalen Handwerk und nutzen dessen Netzwerkknotenpunkt Handwerkerfrühschoppen, einem gesellschaftlichen Ereignis in der Region Flensburg, zum intensiven Gedankenaustausch – und das bereits zum 27. Mal.

In der mit viel rhetorischem Pfeffer gewürzten Rede nahm die Politik auf Europa-, Bundes- und regionaler Ebene viel Raum ein. So beklagte Albertsen, dass Brüssel nach wie vor an der Lockerung oder gar Abschaffung der Handwerksordnung „arbeite“: Ein Evaluierungsprozess habe zum Ziel, die Zahl der reglementierten Berufe zu reduzieren. Eine erste Liberalisierung 2004 habe zu vielen neuen Firmengründungen in B-Berufen (ohne Meistertitel) geführt oder von Ich-AGs: „Seitdem beklagen Handwerk, aber auch Gewerkschaften die Qualität vieler Leistungen“, stellte der Kreishandwerksmeister fest. Die vielen Einmann-Betriebe bildeten nicht aus. Eine spürbare Senkung der Arbeitslosenzahlen sei ausgeblieben, die Schwarzarbeit habe wieder zugenommen.

Der Arbeit der Großen Koalition sehe das Handwerk skeptisch entgegen: Die zusätzlichen Milliarden für die Sozialversicherung werden heutige und nachfolgende Beitrags- und Steuerzahler erheblich belasten. „Fragen zur Vorsorgepflicht für Selbstständige oder zur Kombirente werden jedoch nicht angepackt“, mahnte der Kreishandwerksmeister. Für seine Aussage, „dass ein Stundenlohn von 4,27 oder gar 2,70 Euro grob sittenwidrig ist und bestraft gehört“, erhielt er viel Applaus. Lohngrenzen in Tarifverträgen seien im Handwerk deutlich höher als Mindestlöhne. „Nur bitte nicht die von den Sozialpartnern austarierten Verträge, die sich auf Branchen und Mitarbeiter beziehen, aufheben.“

Mit Blick auf die Kommunalpolitiker kritisierte der Kreishandwerksmeister, dass kommunale Betriebe ihre Tätigkeit ausweiteten, manchmal sogar gemeindeübergreifend. Dabei würden steuerrechtliche und finanzielle Privilegien in Konkurrenz zum Handwerk ausgenutzt. „Dieses Ungleichgewicht ist bedrohlich. Dabei sind Kommunen und das örtliche Handwerk grundsätzlich Partner bei der Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft“, sagte Albertsen auf seiner letztmaligen Ansprache auf einem Frühschoppen der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land.






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