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Verbleib des Entführungs-Flugzeugs : Kommt die „Landshut“? Flensburg hat viele Fürsprecher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Thomas Liebelt will das Entführungs-Flugzeug nach SH holen. shz.de erzählt er, wie er auf die Idee gekommen ist.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 00:00 Uhr

Flensburg | Das frühere Lufthansa-Flugzeug „Landshut“, das im Herbst 1977 durch seine Entführung und Befreiung in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zu einem Stück deutscher Geschichte geworden ist, parkt seit neun Jahren im brasilianischen Fortaleza und wartet auf seine Verschrottung. Doch die kann womöglich verhindert werden: Der Flensburger Luftfahrt-Enthusiast Thomas Liebelt möchte sie auf dem Flugplatz der Fördestadt zu einem begehbaren Museum machen.

„Ich hörte damals auf dem Weg zur Arbeit von der Befreiung der Landshut“, erinnert sich Thomas Liebelt. „Das Thema hat mich damals wahnsinnig angefasst, uns alle. Unglaublich, wie man auf die Idee kommen kann, sie zu verschrotten.“ Sein Sohn, der in Hamburg bei Lufthansa-Technik arbeitet, hatte darüber in der Zeitung gelesen und ihn angerufen: „Kannst Du da nicht was machen?“

<p>Die frühere Lufthansa-Maschine „Landshut“ steht aktuell flugunfähig auf dem Flughafen im brasilianischen Fortaleza.</p>

Die frühere Lufthansa-Maschine „Landshut“ steht aktuell flugunfähig auf dem Flughafen im brasilianischen Fortaleza.

Foto: Imago/Agencia EFE
<p>Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, eine Verschrottung des Flugzeugs zu verhindern.</p>

Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, eine Verschrottung des Flugzeugs zu verhindern.

Foto: dpa
 

Liebelt, leidenschaftlicher Flieger und Vorsitzender des Luftsportvereins, sah sofort eine mögliche Verbindung des in Brasilien gestrandeten Flugzeugs zu Flensburg. Am Flugplatz Schäferhaus war von 1965 bis 1968 die erste Pilotenschule der Lufthansa angesiedelt. Der Co-Pilot der „Landshut“, Jürgen Vietor, der 1977 miterleben musste, wie sein Kollege Jürgen Schumann von einem der Entführer im Mittelgang der Maschine erschossen wurde, stammt aus Flensburg, besuchte hier das Alte Gymnasium. Und mit der Phänomenta gibt es in Flensburg viel Know-how für lebendig gestaltete, ansprechende Ausstellungen.

Oberbürgermeisterin Simone Lange war sofort Feuer und Flamme für Liebelts kühne Idee. „Es wäre ganz wunderbar, wenn wir Anziehungspunkt für die Vermittlung von Geschichte werden könnten.“ Sie verwies auf den anstehenden 40. Jahrestag der Ereignisse von Oktober 1977. Der Ältestenrat der Ratsversammlung sei bereits informiert, über mögliche Flächen müsse man auch mit der Politik sprechen.

„Hier wäre es ein Highlight, in großen Städten wird so etwas weniger wahrgenommen“, sagt Achim Englert von der Phänomenta, die bundesweit zu den erfahrensten Einrichtungen in Sachen Ausstellungsbau und Wissenschaftsdidaktik gilt. „Wir könnten dafür sorgen, dass die Ausstellungsdidaktik zeitgemäß ist.“ Als An-Institut der Europa-Universität könnte die Phänomenta auch den Kontakt zur Uni mit der Politik- und Geschichtslehrerausbildung halten.

Liebelt ist Realist, er weiß, dass die Blicke sicher auch auf andere, größere Städte gehen. Doch mit der Lage in der Nähe der Autobahn und sehr guten Parkmöglichkeiten biete Schäferhaus auch ganz praktische Argumente für eine Ansiedlung der „Landshut“. Nach dem Rücktransport – „am liebsten mit einer russischen Antonow“ – könnte die Maschine vielleicht in der Ausbildungswerkstatt der Lufthansa repariert und aufgemöbelt werden.

Der Mainzer Journalist Martin Rupps, der sich seit Jahren mit den Ereignissen von Mogadischu beschäftigt, favorisiert ebenfalls Flensburg als neuen Heimathafen der „Landshut“ Ein engagiertes Science-Center mit viel Know-how und die Nähe zur Lufthansa-Technik in Hamburg sprächen dafür.

Oberbürgermeisterin Lange bleibt in engem Kontakt mit dem Außenministerium; gestern sollte in Berlin ein Treffen auf Staatssekretärsebene zum Thema stattfinden. Flensburgs Konzept liegt auf dem Tisch: „Mehr können wir derzeit nicht tun.“

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