Masterplan Mobilität : „Komische Punkte“ statt Ampel: Shared-Space-Konzepte in Flensburg

Begegnungszone Große Straße/Rathausstraße: Gegenseitige Rücksichtnahme ist ab dem 1. Juli ein Muss.

Begegnungszone Große Straße/Rathausstraße: gegenseitige Rücksichtnahme ist ab dem 1. Juli ein Muss.

Mit Begegnungszonen und „Parklets“ in der Altstadt sorgen die Leuchtturmprojekte des Masterplans Mobilität für Diskussionen.

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27. Juni 2018, 16:11 Uhr

Flensburg | Ein weiterer Feldversuch in Flensburg: große bunte Punkte auf dem Boden in den Innenstadt. An der Kreuzung zur Fußgängerzone und Rathausstraße werden ab Donnerstag die Ampeln ausgeschaltet, die noch vor einem Jahr für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Den gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen wird jetzt erstmal für drei Monate das Licht ausgeknipst. Statt rot und grün gilt jetzt gegenseitige Rücksichtnahme. Für Autos bedeutet das Tempo 20, für Fußgänger Augen auf.

Die Maßnahme ist Teil des Masterplans Mobilität der Stadt Flensburg und soll deren Klimaschutzziele mit der Erhöhung der Lebensqualität verbinden. Begegnungszonen („shared spaces“) gebe es, laut der Stadt, international auch in Großstädten wie New York. Shared Space, was frei übersetzt sowas wie „geteilter Raum“ heißt, bedeutet: Autos, Busse, Fußgänger, Radfahrer teilen sich den öffentlichen Raum.

Dreimonatige Testphase für die Begegnungszone in der Innenstadt

Regeln gibt es keine, gegenseitige Rücksichtnahme ist hier ein zwingendes Muss. Wie das mit der Verkehrssicherheit an einer vielbefahrenen Straße wie der Rathausstraße zusammenpasst, wird sich zeigen müssen. Bislang wird von einer Testphase bis zum 30. September ausgegangen, wie der Pressesprecher der Stadt Flensburg, Clemens Teschendorf, mitteilte. Nach drei Monaten sollen die Erfahrungen in Flensburg überprüft werden. Wenn alles gut geht, wird die Begegnungszone verlängert. Kurz bevor es am 1. Juli mit dem Begegnen auf der Straße losgehen soll, will die Stadt noch einmal genau über die Situation informieren.

Bei Facebook scheiden sich bereits die Geister. Von einer Einladung zum überdimensionalen Twister-Spiel, über die Besorgnis um Kinder und nichtsahnende Urlauber, der Freude über die Verschönerung der Straße bis hin zu „Ich habe in der Fahrschule nichts von komischen Punkten auf dem Boden gelernt – Zebrastreifen gab es zu meiner Zeit“, die Meinungen über die innovative Straßenquerung sind geteilt.

Sitzgelegenheit statt Parkplatz in der Norderstraße

Anders sieht es aus in der Norderstraße. Dort hat das Stadtteilforum „Forum Hafenquartier“ gemeinsam mit der Stadt einen weiteren Leuchtturm des Masterplans Mobilität in die Tat umgesetzt. Ein sogenanntes „Parklet“ ist jetzt auf einem Parkplatz in der vorderen Norderstraße bepflanzt, eingeweiht und eingesessen. Es soll erlebbar machen, wieviel Platz von parkenden Autos besetzt wird und wieviele Menschen im Vergleich auf dieser Fläche verweilen können. Von Juli bis September soll die Sitzlandschaft in der Norderstraße zum Verweilen einladen und die Lebensqualität erhöhen.

 

„Die Norderstraße ist für dieses Projekt als Einstieg ideal. Wir wollen damit auch die Aufenthaltsqualität in der Straße hervorheben“, betont Teschendorf. Dabei sei das Parklet in der Norderstraße das erste von mehreren Parklets in der Stadt. Weitere Umnutzungen von Parkflächen im öffentlichen Raum, wie Sitzgelegenheiten und Fahrradparkplätze, sollen folgen. Am Dienstagnachmittag machten sich bereits viele Anwohner und Besucher der Norderstraße daran, die Blumenkästen des Parklets gemeinsam zu gestalten.

Die Umgestaltung des öffentlichen Raums ist nicht nur in Flensburg ein Thema, auch in Neumünster und Husum wurde bereits über das Konzept „Shared Space“ diskutiert.

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