Deutsch-dänische Grenzkontrollen : Komische Gefühle im Transporter

Streiten über Grenzen: Siegfried Matlok, OB Simone Lange, Peter Kofod Poulsen, Mogens Therkelsen und Stephan Kleinschmidt (v.l.).
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Streiten über Grenzen: Siegfried Matlok, OB Simone Lange, Peter Kofod Poulsen, Mogens Therkelsen und Stephan Kleinschmidt (v.l.).

Bei der Feier zu 20 Jahren Region Schleswig-Sønderjylland wird der Sprengstoff deutlich, der in Dänemarks Grenzkontrollen steckt

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12. Januar 2018, 14:44 Uhr

Ein Möbeltransport vergangene Woche hat aus der Grenzkontrollengegnerin Simone Lange eine empörte Grenzpendlerin gemacht. Auf der Suche nach ein paar Möbeln war Flensburgs Oberbürgermeisterin in Krusau am Steuer eines – noch leeren – geschlossenen Transporters von der soldatenunterstützten dänischen Grenztruppe gestoppt und um Öffnung des Laderaums gebeten worden. Lange hält dies für Diskriminierung an der Grenze.

Bei der Abschlussveranstaltung zum – eigentlich gerade zu Ende gegangenen – 20. Geburtstags der Region Schleswig-Sønderjylland erinnerte OB Lange gestern Abend vor knapp 100 Zuhörern in der Bürgerhalle des Rathauses daran, dass sie 1999 nach Flensburg kam und die Grenze noch mit Kontrollhäuschen sah, dann aber erlebte, wie die Grenze unsichtbar wurde.

Siegfried Matlok erinnerte zuvor an die Nachkriegszeit, als zwar Saar- oder Südtirol-Lösung diskutiert worden seien, Deutsche und Dänen aber zum Glück die richtigen Entscheidungen getroffen hätten.

Peter Kofod Poulsen aus Hadersleben, der heute für die rechtspopulistische Dansk Folkeparti im Folketing sitzt, erklärte, mit den Grenzkontrollen wolle man die willkommenen Bürger begrüßen – und sie allenfalls kurz aufhalten. Kriminelle jedoch, die man nicht in Dänemark haben wolle, seien damit aufzuhalten. Dabei sprach er sich ausdrücklich für Kennzeichenscanner aus – und für eine dauerhafte Sicherung und Kontrolle der Grenzen. Dafür stellt er sich auch neue feste Kontrollgebäude vor. Es dürfe nicht sein, dass in imageschädlichen Provisorien kontrolliert werden müsse, wo die Isolierung aus den Wände quille. Später fragte jemand aus dem Publikum: „Was kommt nach den festen Häusern: Mauer oder Zaun?“

OB Lange sagte, auch sie wolle Kriminelle bekämpfen: „Dafür brauche ich keine Grenzkontrollen.“ Sie schlug vor, doch lieber das deutsch-dänische Polizeizentrum in Pattburg weiter auszubauen.

Der Pattburger Transportunternehmer Mogens Therkelsen nannte die deutsch-dänischen Kontrollen „traurig“. Man solle sich wieder auf die gemeinsamen Kontrollen an den EU-Außengrenzen beschränken.

Stephan Kleinschmidt, Vize-Bürgermeister für die deutschen Minderheit in Sonderburg, riet: „Wir werden die Antworten auf die großen Fragen auf der anderen Seite der Grenze finden, einfach, weil man dort vieles anders macht.“

Für Schleswig-Holsteins Ex-Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW) sind Grenzkontrollen dänische Symbolpolitik. Man solle sich die Statistiken der Kontrolleure ganz genau ansehen: „Die meisten Gestoppten haben den Pass vergessen.“ Sie sagte aber auch: „Deutschland und Österreich haben Grenzkontrollen. Wir brauche Signale nach Berlin.“

Knut Franck, langjähriger SPD-Kommunalpolitiker in Flensburg, nannte die dänischen Grenzkontrollen verlogen – und ein Geschäft, das den Schleppern in die Hände spiele. Schließlich könne jeder 100 Meter rechts oder links der Kontrollhäuschen unbehelligt über die grüne Grenze.

Eine Zuhörerin schilderte, wie Zugreisende in Dänemark empfangen würden – mit Polizisten, Soldaten und Übersetzern an allen Ausgangstüren. Sie fragte: „Ist das die Auffassung eines freundlichen Empfangs? Für mich ist es total unangenehm, das auf dem Bahnsteig mitzuerleben.“

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