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Theaterwerkstatt Pilkentafel Flensburg : Kolonialismus-Kritik auf dem Zuckerberg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vom Sklavenhandel bis zu falscher Entwicklungshilfe

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2017 | 06:43 Uhr

Erwarten Sie keinen unterhaltsamen Theaterabend, wenn Sie in die Pilkentafel gehen, um sich das neue Stück anzuschauen! Erwarten Sie am besten noch nicht einmal Theater. „Von der Begierde, Burgen zu bauen“ balanciert auf dem schmalen Grat zwischen politisch-historischer Information und Theater, kippt dann aber doch recht deutlich in Richtung Information. Der Theaterpart besteht in weiten Teilen aus dem Verteilen großer Mengen Zucker in der Arena.

Das ist schade, weil Torsten Schütte und Antoine Effroy großartige Akteure sind. Am Anfang bauen sie etwas aus Würfelzucker und reden über die Zeit des Kolonialismus in Westafrika. Dann spielen sie kurz Dr. Livingstone und Henry M. Stanley, später ganz kurz Albert Schweitzer und Bob Geldof, die aus dem Off zu ihrem Tun in Afrika befragt werden.

Doch später werden sie vor allem körperlich gefordert, weil Chidi Egwoum, ein Afrikaner, pausenlos Zucker herbeischleppt – anfangs pfund-, später säckeweise. Der muss verteilt werden, bis der Schweiß fließt. Ob es ein politisch-historisches Statement ist, dass die Europäer vorn spielen dürfen, während der Afrikaner hinten nur den Zucker schleppt, mag jeder Zuschauer selbst entscheiden.

Aus dem Off ist die Stimme Elisabeth Bohdes zu hören, die auch Regie führt. Sie berichtet über den Sklavenhandel, den Beginn des Kolonialismus in Afrika, die Rolle Livingstones und vor allem Stanleys, über die Auswirkungen falscher Entwicklungshilfe und die Rolle der Agrarkonzerne, die Hintergründe der Live-Aid-Konzerte von Bob Geldof in den 80er Jahren bis hin zur aktuellen Abriegelung Europas gegenüber afrikanischen Flüchtlingen. Das gipfelt im Abspielen der kompletten Presseerklärung der Bundeskanzlerin nach dem Pariser Flüchtlingsgipfel, während vorn munter Zucker verteilt und Säcke aufgetürmt wurden. Das mag alles richtig und wichtig sein, aber es ist erstens nicht wirklich neu und zweitens kein Theater.

Heute, 14., 15., 16., 21., 22., 23.9.

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