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Nord-Ostsee-Sparkasse : Knallharter Wettbewerb im Nullzinsland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Nospa hat mit rund 52 Millionen Euro nunmehr im dritten Jahr in Folge ihr Eigenkapital aufgestockt.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2016 | 06:23 Uhr

Die Zahlen sind zwar noch vorläufig, doch weit mehr als der Trend steht mit den ersten Zahlen zum Geschäftsjahr 2016 fest, die die Nospa gestern Nachmittag per Mitteilung verbreitete: „Wenn der Zins praktisch abgeschafft ist, kann das nicht ohne Auswirkungen auf unseren Zinsüberschuss bleiben“, so Vorstandschef Thomas Menke. 2016 sprudelte diese wichtigste Ertragsquelle der Nospa mit 110 Millionen Euro (Vorjahr 114) weniger üppig. Der Nord-Ostsee-Sparkasse gehe es ähnlich wie ihren Kunden: Werden eigene Wertpapiere fällig, seien Neuanlagen nur zu viel schlechteren Konditionen möglich. Und für kurzfristige Geldanlagen müsse die Nospa Strafzinsen im sechsstelligen Bereich an die EZB zahlen.

Die Nospa habe aus diesem ständigen Aderlass, dessen Ende nicht absehbar ist, Konsequenzen gezogen. So sei eine Qualitätsoffensive gestartet, die Marktbearbeitung forciert und ein umfassendes Kostensenkungsprogramm aufgelegt worden. Dazu zählt auch die Reduzierung der Belegschaft um 70 bis 90 Stellen (wir berichteten). Dieser Prozess sei im Fluss und werde womöglich bis 2018 dauern. Danach will die Nospa 1100 Mitarbeiter auf 800 Vollzeitstellen beschäftigen.

Die 2016er Ergebnisse zeigten, dass die in einer Mehrjahresplanung eingeleiteten Maßnahmen griffen, erklärt Thomas Menke: „Mit unserem Jubiläumsjahr, in dem die Nospa ihr 200-jähriges Bestehen feierte, sind wir sehr zufrieden.“ Im Kreditgeschäft habe man sehr gute Zuwächse erreicht – vor allem beim privaten Wohnungsbau und gewerblicher Immobilienfinanzierung.

Das Kreditneugeschäft betrug 1,2 Milliarden Euro, der Bestand an Kundenkrediten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 100 Millionen auf mehr als fünf Milliarden Euro. Die Einlagen dagegen pendelten sich mit insgesamt vier Milliarden Euro unter dem Vorjahresniveau ein. Erwartungsgemäß hätten 2016 Firmen- und kommunale Kunden alternative Anlagelösungen für kurzfristige Gelder ab einer Million Euro genutzt, um Strafzinsen zu vermeiden. Wenn auch nicht völlig, seien die so ausgelösten Einlagenrückgänge – trotz der sehr niedrigen Zinsen – aber zu einem guten Teil wieder durch Zuwächse bei den klassischen Spar- und Sichteinlagen der Privatkunden wettgemacht worden. Das zeige, dass den Kunden die Sicherheit ihrer Einlagen sehr wichtig ist. Zugleich wachse aber bei immer mehr von ihnen das Renditebewusstsein: Das Wertpapiergeschäft entwickele sich rege, insbesondere bei Anlagen in Investmentfonds – zum Jahresende lag eine Milliarde Euro in den Kundendepots.

Der Provisionsüberschuss sei durch lebhaftes Vermittlungsgeschäft um knapp eine Million auf 45 Millionen Euro gestiegen. Das straffe Kostenmanagement habe ebenfalls zum Erfolg beigetragen, der ordentliche Aufwand blieb trotz der Tarifsteigerungen bei den Personalkosten mit 105 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau.

Auch das Bewertungsergebnis sei erfreulich. Die Kreditengagements der Nospa seien sehr solide, Wertberichtigungen würden wegen der guten konjunkturellen Lage und der abgewogenen Kreditvergabepolitik kaum notwendig. Damit habe die Sparkasse mit rund 52 Millionen Euro nunmehr im dritten Jahr in Folge (2015: 49 Millionen Euro; 2014: 28 Millionen Euro) ihr Eigenkapital aufgestockt. Auch in den nächsten Jahren bleibe dies das Ziel, sagt Menke mit Blick auf die steigenden Baseler Eigenkapitalanforderungen: „Nur dann können wir auch künftig ein nachhaltig leistungsfähiger Finanzierungspartner für die Menschen und Unternehmen in unserer Region sein“.

Gleichwohl seien das größte Kapital für die Nospa zufriedene und treue Kunden. Deshalb wurden ihre 41 Filialen mit dezentraler Beratungskompetenz aufgerüstet und die digitalen Zugangswege zur Sparkasse über die Internetfiliale nospa.de und das Mobilbanking weiter ausgebaut. Zusammen mit der mit fast 40 eigenen Beratern besetzten Nospa-Telefonfiliale und den 94 SB-Standorten biete die Sparkasse ihren regionalen Kunden so ein hochwertiges Gesamtpaket, aus dem sich jeder das Passende zusammenstellen könne. „Wir bieten das zu einem fairen Preis-/Leistungsverhältnis“, betont Menke. Auch wenn für einige noch ungewohnt, die Zeit der Quersubventionierung von Dienstleistungen wie beispielsweise der Girokontenführung sei für ihn endgültig vorbei. Im Sommer war Kritik laut geworden, nachdem die Nospa die Kontoführungsgebühr für ihre 140  000 Girokonten um zwei Euro pro Monat erhöht hatte.

In einem knallharten Wettbewerb im Nullzinsland würden jetzt alle zu risiko- und kostengerechten Preisen kommen. Entscheidend sei in diesem Wettbewerb ein zeitgemäßes, bedarfsgerechtes Angebot, Preistransparenz und hohe Beratungsqualität. Der Erfolg gebe ihm recht, findet Menke: 2016 habe die Nospa einen Nettozuwachs von 1000 Girokonten.


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