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Fahrradklimatest Des ADFC : „Klimastadt“ Flensburg vernachlässigt die Radler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesweite Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs: Flensburg liegt nur zwischen mangelhaft und befriedigend. Zumindest laut 104 befragten Radfahrern.

Flensburg | Zum zweiten Mal nahm Flensburg am bundesweiten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs teil. Doch das Klima für den Radverkehr im hohen Norden ist nicht das Beste. Im Ranking der 100 mittelgroßen Städte reichte es für Flensburg wieder mal nur für Platz 65. Da ist noch reichlich Luft nach oben für die selbst ernannte Klimastadt. In der Verwaltung, die mit Alexandra Schütte immerhin eine Radwege-Beauftragte beschäftigt, bleibt man gelassen. „So schlecht wie es auf den ersten Blick aussieht, sind wir nicht“, sagt Rathaussprecher Thomas Kuchel.

Die Fakten: In Flensburg befragte der ADFC 104 Radfahrer nach ihren Erfahrungen und Bewertungen zu Fahrrad- und Verkehrsklima, dem Stellenwert des Radfahrens, Sicherheit und Komfort des Radfahrens sowie Infrastruktur und Radverkehrswegenetz. Nach Auswertung von 27 Einzelfragen landete Flensburg im gerade noch ausreichenden Bereich bei einer Vier (von sechs möglichen Noten).

Besonders schlecht schnitt die Stadt bei Fragen nach dem Stellenwert des Radfahrens ab. Die meisten Befragten gaben an, in letzter Zeit werde kaum etwas für den Radverkehr getan, werde es großzügig geduldet, wenn Autos auf Radwegen parken, würden Radwege kaum gereinigt oder im Winter geräumt, seien Ampelschaltungen nicht gut auf den Radverkehr abgestimmt.

Schlechte Bewertungen gab es ferner für die Ko-Existenz mit dem motorisierten Verkehr auf gemeinsam genutzten Straßen (fühlt man sich bedrängt und behindert), den Zustand der Radwege (oft in schlechtem Zustand), Verkehrsführung an Baustellen und Mitnahmemöglichkeit im ÖPNV. Es gab aber auch gute Bewertungen. Und zwar besonders zum Thema Infrastruktur. Das Zentrum ist gut, viele andere Ziele sind zügig zu erreichen, viele Einbahnstraßen gegenläufig, viele öffentlich zugängliche Leihfahrräder vorhanden.

Für Thomas Kuchel eine Bestätigung der bisherigen Anstrengungen. „Wir stehen da, wo wir uns selbst eingeschätzt haben. Unsere besten Bewertungen haben wir dort bekommen, wo wir investiert haben“, sagt der Verwaltungssprecher. Die schlecht benoteten Kriterien – Ampelschaltung, Baustellenführung – stünden bei der Radwege-Beauftragten auf der Agenda. „Und was die Falschparker betrifft, werden wir mal mit unserer Bußgeldstelle sprechen“, kündigte Kuchel an.

Der Landesverband in Kiel wirbt um Verständnis für die Flensburger. Unter den größeren Städten des Landes sei Flensburg immerhin an Nummer zwei hinter Kiel gelandet, betont Landesgeschäftsführer Carsten Massau. „Und Kiel hat als Fahrradstadt schon 20 Jahre Vorsprung.“ Um die kleinere Fördestadt macht er sich deshalb keine Sorgen. „Von der Struktur her ist Flensburg nicht schlecht aufgestellt. Struktur muss nur finanziell unterfüttert werden.“ Ein Signal an Politik und Verwaltung, die sich nicht immer auf Klima-Kurs bewegen. Im Zuge des Haushaltsstabilisierungspaktes 2012 waren die Radfahrer die ersten, denen 1,3 Millionen Euro gestrichen wurden. Immerhin: 2015 stehen Thomas Kuchel zufolge 750  000 Euro für das Radwegenetz zur Verfügung.

Der interaktive ADFC-Test im Internet: http://www.adfc.de/fahrradklima-test/adfc-fahrradklima-test-karte

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erstellt am 21.Feb.2015 | 08:30 Uhr

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