Klimaschutz auf dem Bauernhof

Michael Blanke erklärt anhand von Schautafeln das Energie-Konzept des Hofes.  Foto: vdl
Michael Blanke erklärt anhand von Schautafeln das Energie-Konzept des Hofes. Foto: vdl

Drei verschiedene Arten von Naturenergie sorgen auf dem Betrieb von Thomas Jessen in Munkbrarup für Heizung und warmes Wasser

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16. Juli 2013, 03:59 Uhr

MUNKBRARUP | Sie alle engagieren sich für den Klimaschutz und interessieren sich für Maßnahmen, die dazu dienen, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zu senken. Sechs Frauen und Männer hatten in diesem Zusammenhang das Angebot der Volkshochschule Flensburg zu einer Exkursion zum Hof von Thomas Jessen in Munkbrarup angenommen. Dort wurden ihnen Möglichkeiten der nachhaltigen Nutzung von Naturenergie in der Landwirtschaft vorgeführt. Umwelt- und Klimaschutz ist - passend dazu - auch das Ziel der Kreishandwerkerschaft und der Heizungsbau- und Sanitärinnung. Deren Mitglied Michael Blanke, Meister und Inhaber eines Handwerksbetriebes in Langballig, erläuterte also vor Ort die technischen und wirtschaftlichen Einzelheiten.

Im Ortsteil Kragholm betreibt Jessen auf 75 Hektar Ackerbau und Schweinemast in zwei großen Ställen. Das Haus umfasst fünf Wohnungen, vier davon vermietet, mit insgesamt 500 Quadratmetern. Bis 2009 sorgte eine Ölheizung für warme Räume und heißes Wasser. Der durchschnittliche Ölverbrauch lag bei 12 000 Litern pro Jahr. Zu viel. Deshalb erfolgte die Umstellung auf eine neue Anlage. Genutzt wird seitdem zum einen die Erdwärme mit Hilfe von 24 jeweils vier Meter hohen Sonden unterhalb des Hofteiches. Zum zweiten gibt es Sonnenkollektoren auf dem Dach, und drittens erfolgt die Nutzung der Wärme eines Schweinestalles.

Mit Hilfe von Wärmetauschern wird das Wasser in zwei Pufferspeichern auf 52 Grad erhitzt. Eine Hochleistungspumpe mit vom Verbrauch abhängiger Regelung der Drehzahl sorgt für warme Räume und eine thermostatgesteuerte Zirkulationspumpe für heißes Wasser an allen Zapfstellen. An den Heizungen in den Räumen gab es, abgesehen von modernen Thermostaten, keine Änderung.

Nach Aussage von Blanke lohnt sich eine Umstellung, "wenn Heizöl mehr als 60 Euro pro 100 Liter kostet". Das sei gegenwärtig der Fall. "Auch die Fernheizung schlagen wir preislich um Welten!" Die gesamte neue Anlage mit einer Leistung von 42 Kilowattstunden (kW) habe 50 000 Euro gekostet und amortisiere sich in sieben Jahren. Entsprechend ausgelegt, könne sie im Bedarfsfall auch noch für Wärme im Stall sorgen, wenn dort kleine Ferkel gehalten werden. Der Stromverbrauch sei durch die Umstellung auf ein Viertel gesunken. Pro eingespartem Liter an Heizöl werde der Ausstoß von drei Kilogramm Kohlendioxid vermieden. Jessen wies darauf hin, dass unabhängig von dieser Anlage mittels Photovoltaik auch noch 10 000 kW an Strom erzeugt würden. Sie flössen aber vollständig ins öffentliche Netz.

Einige der Teilnehmer an der Exkursion hatten zuvor bereits andere Unternehmen unter dem Aspekt "Klimaschutz" besichtigt, darunter den Selbsthilfebauverein (SBV) in Flensburg sowie die Diakonissenanstalt und die Papiererzeugung bei Mitsubishi. Die auf dem Hof Jessen eingebaute Anlage mit Nutzung dreier natürlicher Wärmequellen fand uneingeschränkte allgemeine Zustimmung. Carsten Dammann aus Harrislee fasste am Ende den Eindruck seiner Mitstreiter zusammen: "Diese Kombinationslösung hat mir bisher am besten gefallen!"

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