Kolonie am Wasserturm : Kleinkrieg im Flensburger Kleingarten

Diese Flasche mit eindeutiger Aussage auf dem Etikett soll in der Kolonie gefunden und dem Staatsschutz übergeben worden sein.
Diese Flasche mit eindeutiger Aussage auf dem Etikett soll in der Kolonie gefunden und dem Staatsschutz übergeben worden sein.

Ausländerfeindliche Parolen? Ein Parzellenbesitzer erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Obmann, wird sich aber selbst vor Gericht verantworten müssen

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07. Mai 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Er will seinen richtigen Namen  nicht nennen – aus Angst vor Repressalien. Niko ist 38 Jahre alt, stammt aus Südeuropa, war in Mürwik bei der Marine stationiert, besitzt einen deutschen Pass und ist als Geschäftsmann in Flensburg tätig. Was er nicht verschweigen will, sind die Vorgänge, die sich in einer Kleingartenkolonie am Wasserturm zugetragen haben sollen. Höchst unerfreuliche Begebenheiten,  die mit dem Rücktritt eines Obmanns am 25. April ein vorläufiges Ende fanden.

Die Vorwürfe, die Niko erhebt, wiegen schwer. Angeblich seien Ausländer in der Kolonie unerwünscht. Zumindest in der Straße, in der der Obmann seinen Garten hegt und pflegt. Weniger pfleglich soll der 72-Jährige mit seinen Nachbarn umgehen, die sich aus Zypern, Russland, Polen, dem Irak und anderen Ländern hier angesiedelt haben. Niko selbst sei 2008 verweigert worden, einen Schrebergarten zu pachten: „Man sagte mir, es gebe keine freien Parzellen.“ Daraufhin habe er eine direkt vom Vorbesitzer erworben. Damit begann eine unversöhnliche Fehde – gespickt mit verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen. Der Streit wucherte bisweilen, bis kein Gras mehr wuchs.

Der Obmann habe ihm, Niko, vorgeworfen, sein Garten sei vermüllt, die Kinder zu laut. Überdies würde er unbescholtene  Nachbarn beleidigen und bedrohen. Dieser dagegen schwört, er sei ein friedliebender Mensch. „Ich habe hier mit sonst niemandem Streit.“ Niko hingegen  empört sich darüber, dass der Obmann mit seinen Freunden in seiner Parzelle Parolen gegen Juden skandiert habe. Die Gruppe soll seinen Angaben zufolge wiederholt  mit Bier gefeiert haben,  die Flaschen seien mit dem Konterfei Adolf Hitlers und dem Schriftzug „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ bedruckt gewesen. „Sie haben sogar eine Hakenkreuz-Flagge drappiert und wollten  hier das Vierte Reich ausrufen.“

Polizei und Staatsschutz haben sich  mit den Vorgängen beschäftigt. Der Obmann ist daraus unbeschadet hervorgegangen. Auf der anderen Seite bestätigt die Kripo, dass Niko in der Angelegenheit kein unbeschriebenes Blatt ist. Gegen ihn liegt eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung vor, der Vorgang ist an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. Ein Gewehrkolben soll dabei eine unrühmliche Rolle gespielt haben. Inzwischen beschäftigt sich das Landgericht mit dem Fall, ein Prozesstermin ist indes noch nicht anberaumt.

In der Kleingartenkolonie am Wasserturm haben etwa  30 Familien mit ausländischen Wurzeln  eine Parzelle gefunden. Beobachter sprechen davon, dass es ein ansonsten friedliches Miteinander mit deutschen Pächtern gebe. Der Obmann, der sich selbst nicht äußern wollte,  sei nach 29 Jahren zurückgetreten, weil er von den Querelen zermürbt sei und jetzt nur noch seine Ruhe und sein  Stück Grün genießen wolle.

Der 1. Vorsitzende des Vereins der Gartenfreunde Flensburg, Hans-Hermann Otten,  spricht von einer unglücklichen Entwicklung, die sich in der Kolonie abgezeichnet habe. Zu möglichen körperlichen Auseinandersetzungen oder fremdenfeindlichen Aussagen des Obmanns wollte er sich  gegenwärtig  nicht äußern, da der Fall vor Gericht  anhängig sei. „Wir wollen dem nicht vorgreifen“, sagt Otten. Sollte sich allerdings herausstellen, dass einer der Beteiligten strafbare Handlungen begangen habe, müsse der Verein reagieren. „Dann hat er sein Bleiberecht verspielt.“

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