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Universität : Kleine Sprachen kommen in Flensburg groß raus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An der Universität in Flensburg spricht man jetzt mit Dialekt. Eine neue Einrichtung soll kleine und regionale Sprachen analysieren und sogar wieder beleben.

Flensburg | Es ist der perfekte Ort. Ein positives Beispiel für den Umgang einer Gesellschaft mit verschiedenen regionalen Sprachen. Denn in Flensburg treffen Friesisch, Niederdeutsch, die vom Dänischen abstammende Sprache Sønderjysk sowie die lokalen Varietäten des Hochdeutschen und des Dänischen aufeinander. Deshalb lag es nah, dort an der Universität ein Zentrum für kleine und regionale Sprachen (KURS) einzurichten. Mit einem Kolloquium zum Thema Enttraditionalisierungen wurde das Zentrum am Freitag feierlich eröffnet.

„Wir wollen herausfinden, welchen Status diese kleinen Sprachen wie Sønderjysk haben“, sagt Elin Fredsted. Die Professorin für Dänisch und Direktorin des neu gegründeten, zehn Mann starken Zentrums beobachtet im Moment einen Rückgang dieser Variation des Dänischen, dass auch in Teilen Schleswig-Hosteins gesprochen wird. Vielleicht könne man diese Sprache aber mit Hilfe des KURS wieder beleben, sagt sie. Das Potenzial dafür scheint zu bestehen, weil sich regionale Sprachen auch in den neuen Medien wiederfinden, sagt Fredsted. Das könne zum Beispiel zu einer Belebung der Sprache Sønderjysk führen, die sich momentan auf dem Rückzug befindet, erklärt die Direktorin. Wie genau das Zentrum zu der Belebung von kleinen Sprachen beitragen kann, ließen die Verantwortlichen bei der Eröffnung aber offen. Die Einrichtung werde in erster Linie Studien veröffentlichen sowie Kolloquien und Workshops veranstalten, die zum Teil in Zusammenarbeit mit weiteren europäischen Einrichtungen durchgeführt werden sollen.

Denn regionale und Minderheitensprachen gibt es in ganz Europa: Bretonisch, Korsisch, Luxemburgisch, Baskisch, Katalanisch sind nur einige der kleinen Sprachen, die nur in speziellen Teilen eines Landes gesprochen werden. „Die erste Aufgabe ist daher, weitere Einrichtungen zu finden, mit denen wir zusammenarbeiten können“, sagt Willy Diercks, der innerhalb des Zentrums für die Sprache Niederdeutsch verantwortlich ist. Bisher bestehen Kooperationen mit der Aston Universität in Birmingham und der Universität in Bristol. An einer Zusammenarbeit mit der Universität Bremen arbeite man derzeit mit Hochdruck. In den oben genannten interessanten Sprachgebieten gibt es jedoch noch keine Kooperationen.

Das Zentrum spiele jedoch eine Rolle in der strategischen Entwicklung der Universität Flensburg, die sich noch stärker in Europa positionieren möchte. „Die Fragen, die wir hier versuchen zu beantworten, sind nicht nur für das deutsch-dänische Grenzgebiet interessant“, sagt Diercks. In Galizien oder den Alpenregionen treffen regionale Sprachen ebenfalls aufeinander. „Regionen, in denen die Bevölkerung aber so gut mit allen Sprachen umgeht, gibt es nur selten“, sagt Direktorin Fredsted und erinnert zum Beispiel an den Sprachenkonflikt im belgischen Flandern. Im deutsch-dänischen Grenzgebiet sei der Umgang mit mehreren regionalen Sprachen dagegen selbstverständlich. Deshalb habe Flensburg die besten Voraussetzungen für ein solches Zentrum, meint Professor Diercks, der schon vor 20 Jahren von so einer Institution träumte.

In der Zukunft soll das Zentrum auch weiter wachsen, verspricht Diercks' Niederdeutsch-Kollege Robert Langhanke. „Im Moment sind wir noch eher eine Interessengemeinschaft aus Funktionären dieser Uni“, sagt er, aber der Bedarf für mehr besteht bereits. Denn eine wirkliche Strategie, wie das europaweite Sprachensterben zu verhindern ist, gebe es noch nicht, sagt Jan Diedrichsen. Der Direktor des Generalsekretariats der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen verweist jedoch auf Beispiele aus europäischen Regionen, wie etwas für eine Regional- oder Minderheitensprache getan werden kann. Diedrichsen, der auch das Sekretariat der deutschen Volksgruppe in Kopenhagen leitet, nannte Westfriesland in den Niederlanden als Vorbild: „Da ist die Sprache öffentlich überall sichtbar.“ Schleswig-Holstein habe demgegenüber Nachholbedarf, auch wenn die Kieler Regierung eine Sprachenpolitik entwickeln wolle. Diedrichsen plädiert unter anderem für mehr Friesisch an den Schulen im Land.

Beim Niederdeutschen gebe es hingegen eine starke Verbindung zum Theater, die die Sprache weiter am Leben hält. „Die Resonanz dieser Bühnen in Schleswig-Holstein ist sehr groß“, weiß Diercks. Deshalb sollen in naher Zukunft spezielle Workshops und Kolloquien geschaffen werden, die sich mit dem niederdeutschen Theater beschäftigen. Ein genauer Termin hierfür ist aber noch nicht bekannt.

Mit dpa

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erstellt am 23.Mai.2014 | 17:07 Uhr

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