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Ballastkai Flensburg : "Klarschiff" beschmiert: "Damit müssen wir leben"

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Mit Farbe und Feuerlöscher haben Unbekannte den Neubau "Klarschiff" beschädigt. Die Polizei ermittelt. Der Eigentümer sieht die Handlung als "Teil der Gesellschaft".

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 09:14 Uhr

Flensburg | Das markante Weiß des Neubaus "Klarschiff" am Ballastkai zeigte sich am Dienstagmorgen befleckt. Unbekannte hatten die Südseite in der Nacht mit roter Farbe besprüht. Die Polizei ermittelt. Im Laufe des Tages erreichte die Redaktion des Flensburger Tageblatts eine E-Mail, in der Unbekannte zu der Tat stehen.
Die Täter hatten die Farbe in zwei bis drei Metern Höhe sprühend über eine Breite von zehn bis 15 Metern verteilt. Die Beschädigung habe Hausverwalter Sönke Petersen gleich am Morgen entdeckt, sagte Miteigentümer Gerd Theilen. Er fragt ratlos: "Wie kann es sein, dass Leute so zerstörerisch aufgestellt sind?" Schloss aber gleich nüchtern an: "Solche Handlungen sind Teil der Gesellschaft. Damit müssen wir leben."

Ausdruck des Missfallens oder Frust?

Der auffällige Bau wird in Flensburg nicht nur wohlwollend betrachtet. Immer wieder ist in der Stadt Kritik an der Architektur zu hören. Erste Pläne, im Erdgeschoss einen Gastronomiebetrieb anzusiedeln, sind nicht umgesetzt worden. Vor gut zehn Jahren sollte an dem Standort noch ein Hotel entstehen, was aber am Widerstand in Rat und Stadt scheiterte. In jüngster Vergangenheit warf manch ein Bürger der Stadt vor, dass die bis vor kurzem dauerhaft am Ballastkai vertäuten Schiffe wegen der neuen Anlieger hätten weichen müssen. Ob der Fassadenschaden noch ein verspäteter Ausdruck des Missfallens oder einfach aus Frust heraus passiert sei, wollte Theilen nicht beurteilen.
Das Gebäude mit einer Nutzfläche von 3200 Quadratmetern hat die "Projektgesellschaft Ballastkai" von Bauunternehmer Hermann Höft und Steuerberater Gerd Theilen hochgezogen. Vier der 16 Wohnungen warten auf einen Käufer. Alle anderen sind nach Aussage Theilens bereits bezogen. Einige Wohnungen wie auch die gut 700 Quadratmeter große Bürofläche werden derzeit ausgebaut. Theilen rechnet in zwei Monaten mit dem Abschluss der Arbeiten.

Bekenner-Nachricht an die Redaktion

Kurz nach Mittag erreichte die Redaktion des Flensburger Tageblatts eine E-Mail, in der sich Namenlose zu der Tat bekennen. Unter dem Absender unbekannt@safe-mail.net heißt es: "In der Nacht vom 12. auf den 13.08.2013 haben wir das Projekt Klar Schiff an der Flensburger Förde rot markiert." Und weiter: "Wir haben uns das Projekt Klarschiff ausgesucht, da es genau wie auch der Werftkontor am Ballastkai (mit 100m² Wohnungen im "großzügigem Penthous-Stil") exemplarisch für immer zunehmendere Umstrukturierung der Stadt Flensburg steht. Eine Umstrukturierung zu Gunsten einkommensstarker Bürger_Innen." Das bedeute im Umkehrschluss "Ausgrenzung und Verdrängung der einkommens - schwächeren". Zum Beispiel fänden Studierende keinen bezahlbaren Wohnraum mehr.
Die Verfasser sagen namentlich der Firma Höft nach, als wesentlicher Akteur in allen Aufwertungs-Projekten und "tief im Filz aus Politik und Wirtschaft" zu stecken. Die Verfasser hätten die Ohnmacht und Resignation, mit der sie der Entwicklung der Stadt entgegen der Bedürfnisse aller gegenüber ständen, satt. Widerstand könne sich vielfältig "durch Sabotage, Proteste und Kundgebungen, Feuer und Flamme, Öffentlichkeitsarbeit und eigene Bildung, Blockaden und widerspänstige Besetzungen" äußern. Vermutlich auf die Sachbeschädigungen bezogen wird abschließend erklärt: "Wir haben als Mittel Farbe+Feuerlöscher gewählt..."
Eine Firma für Gebäudereinigung war Dienstag bereits damit beschäftigt, die Farbe zu entfernen. Doch auch am Mittwoch prangt sie noch gut sichtbar an der Fassade. Die Polizei hatte eine Farbprobe genommen. Die Beamten in Flensburg bitten Zeugen, die im Tatzeitraum Verdächtiges rund um "Klarschiff" beobachtet haben, um Hilfe. Telefon: 0461/4840.

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