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Flensburger Fördeschifffahrt : Klar Schiff – aber ohne Glücksburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Traditioneller Saisonstart: Vier Fähren teilen sich die Förde - und der Anleger Sandwig wird schmerzlich vermisst.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2017 | 17:55 Uhr

An Bord und auf der Brücke ist noch ein ziemliches Gewusel. Das kommt vor, wenn man ein Fährschiff auf den Kopf stellt – und nichts anderes ist mit der „Viking“ geschehen. Seit November wird das Linienschiff technisch überholt, gemalt, schick ausgerüstet. Und jetzt drängt auch noch die Zeit. Am 1. April ist traditionell Saisonbeginn auf der Flensburger Förde – wie jedes Jahr treten mit Viking, Möwe und Flora II drei Schiffe an – und doch ist es in diesem Jahr etwas anders. Der „Viking“ ist nämlich der Zielhafen abhanden gekommen.

Daran hat Axel den maßgeblichen Anteil. Der Wintersturm war gleich Anfang Januar über Schleswig-Holstein gezogen, mit einem extremen Ostsee-Hochwasser im Gefolge, das im Glücksburger Kur-Viertel auf 60 Metern Länge die alte Seebrücke zerstörte – seit 1902 Anleger für Passagierschiffe von Alexandra bis Viking.

Jens Görrissen nimmt es entspannt. „Das hätte viel schlimmer kommen können“, sagt der Viking-Reeder. „Zum Glück hat die Politik gleich mit geschoben. Sonst würden wir jetzt von einer Planungszeit von zwei bis drei Jahren sprechen. So aber können wir mit ein bisschen Glück schon Mitte Juni wieder die instand gesetzte Brücke nutzen.“

In der Hochsaison fährt Görrissens „Viking“ von der Flensburger Schiffbrücke aus Glücksburg im Zwei-Stunden-Takt an. „Mindestens 70 Prozent unserer Fahrgäste sind Touristen, die das Schiff als Fähre nutzen, also morgens hin und abends wieder zurück“, sagt Görrissen. Vor diesem Hintergrund trägt er den Ausfall des Anlegers mit Fassung. „Zum Glück ist die Hauptsaison nicht betroffen. Bis dahin machen wir mit der Viking Rundfahrten, legen nach Umrundung der Ochseninseln sogar kurz in Glücksburg an. Aber nicht zum Ein- und Aussteigen.“

Fast wie in der guten alten Duty-Free-Zeit, als die Butterdampfer auf der Förde jährlich mehrere Hunderttausend Menschen transportierten, hat das kleine Fährschiff ein Stammpublikum zurückerobert, das bis zum Ende der Butterschifffahrt mit dem Wegfall der Steuervergünstigung gern und ausdauernd auf den Fördeschiffen unterwegs war: die Dänen. „Das sind mittlerweile wieder treue Gäste“, freut sich Görrissen. Hauptsächlich handelt es sich um Urlauber, die mit dem Bus anreisen, die steuervergünstigte Bordverpflegung genießen und abends wieder zu den Campingplätzen auf der dänischen Seite zurückfahren. Neben der „Viking“ fahren noch die kleineren Schiffe „Möwe“ (ab Mai Rundtouren um die Ochseninseln) und die „Flora II“ (Hafenrundfahrten und Fährdienst Flensburg – Sonwik).

Auch Gorm Casper, Chef der Tourismus Agentur Flensburger Förde, wird erleichtert sein, wenn erst die Glücksburger Brücke wieder am Verkehrsnetz hängt. „Die Schiffsverbindung mit Flensburg bringt viele Touristen. Die sind immens wichtig für Kurstrand, Einzelhandel und Gastronomie.“ Casper hätte gern etwas mehr Tempo im Spiel. Seit anderthalb Jahren warten die Touristiker beidseits der Förde auf eine Einigung der beiden Staaten, die zusätzliche attraktive Wasserverbindungen ermöglichen könnte: Die Zulassung der deutschen Binnenschiffe für das Anlegen in Dänemark. Anders als Deutschland kennt das kleine Meer-umschlungene Königreich keine Binnenschiffe – mit der Folge, dass auch auf dem Teich Flensburger Förde Fähren den internationalen Standards für die hohe See genügen müssen. Aktuell hat lediglich ein Reeder an der Förde die große Investition gewagt: Alexander Klein, der 2016 von Langballigau aus den Linienverkehr mit Sonderburg wieder aufgenommen hat. Seine Feodora II ist von der dänischen Schifffahrtsbehörde zertifiziert. Im Sommerfahrplan pendelt sie mittwochs, donnerstags und freitags bis zu drei Mal auf der Traditionsroute. Casper hofft, dass in bilateralen Gesprächen auf Ministerebene noch eine Lösung kommt, die den deutschen Binnenschiffstandard für das Fahrtgebiet akzeptiert. Das würde beliebte dänische Anlaufstellen wie Kollund, Ekensund oder Süderhaff wieder attraktiv für die Schifffahrt machen und auch dem Projekt einer Fahrradfähre von Langballigau nach Brunsnis Auftrieb verleihen.

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